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Nachwuchs 07.08.2009
Kühe statt Bälle

Die U19 steckt mitten in der Vorbereitung zur A-Junioren-Bundesligasaison. Dabei machte das Team auch Bekanntschaft mit einer Herde Kühe.

Hamburg - In der vergangenen Saison spielte die U19 lange Zeit um den Norddeutschen Meistertitel mit. Dies ist auch in diesem Jahr das angestrebte Ziel. Dafür greift Trainer Soner Uysal zu ganz ungewöhnlichen Methoden.
„Wir brauchen uns vor keinem Gegner zu verstecken“ – Soner Uysal, Trainer der U19, formuliert vor dem Start in die neue A-Junioren-Bundesligasaison ganz offensiv die Einstellung seiner Truppe. Nachdem man in der vergangenen Serie bis zum Schluss um den Norddeutschen Meistertitel mitgespielt hatte, sind die Erwartungen auch für diese Spielzeit entsprechend hoch. „Unser Ziel ist es, wieder oben mitzuspielen“, sagt Uysal, der zusammen mit Otto Addo das Trainergespann der U19 bildet. Angst solle man zudem vor keinem Gegner haben Um das noch einmal zu unterstreichen, griff das Duo im Trainingslager in Fichtenberg deshalb zu einem ungewöhnlichen Test.
 
Nach dem regulären Training wurde die letzte Einheit kurzerhand auf eine Koppel verlegt. Dort standen gut zwei Dutzend Kühe und einige Ochsen und grasten friedlich in der Abendsonne. Mit den Trainer-Worten: „Wer traut sich nicht, dort reinzugehen“, wurde der Gang über den Zaun provoziert.  „Ich wollte mal einen anderen Reizpunkt setzen“, grinst Uysal über die ausgefallene Idee. Auch wenn die Gegner diesmal Hörner hatten und bis zu 1000 kg schwer waren,  gesellten sich die HSV-Spieler mutig unter die Herde. Gemeinsam stark sein und auch auf den jeweiligen Nebenmann achten, sowie immer ein Auge auf den Gegner haben - die Übertragung dieser Aktion auf das Spielgeschehen auf dem Fußballfeld steht sinnbildlich für die Aufgabe dieser Saison. „Wir haben sehr viele gute Einzelspieler“, sagt Uysal, „doch wir wollen nicht nur die Individualisten fördern, sondern eine schlagkräftige Truppe darstellen“.
 
Zwei Neue im Team

Soner Uysal (li.) und Otto Addo arbeiten akribisch am taktischen Gerüst.

Diese setzt sich aus sieben Spielern des Jahrgang 1991 und einem Großteil der B-Junioren-Bundesligamannschaft (Jahrgang 1992) des vergangenen Jahres zusammen. Dazu gesellen sich mit Tim Binder (kam vom FC Thayngen aus der Schweiz) und Muhamed Besic (TeBe Berlin) nur zwei Neuzugänge. Dass sich viele der Jungs bereits seit Jahren kennen und auch beim HSV zusammenspielen, sieht Uysal als Vorteil in puncto Eingewöhnung. „Dadurch konnten wir schon in der Vorbereitung sehr viel gezielter arbeiten“, so der Coach. Doch auch frische Akzente dürfen dabei nicht vernachlässigt werden. „Die Hierarchie sollte nicht eingefahren sein, das ist immer ein wachsender Prozess“.

Deshalb freut sich Uysal auch über seine „Neuen“. Besic, als linker Verteidiger, und Binder, als offensiver Mittelfeldspieler, zeigten bereits in der Vorbereitung, dass sie zu echten Leistungsträgern werden können. In der Vorbereitung stießen sich die Rothosen dabei vor allem gegen Herrenmannschaften die Hörner ab. Gegen Strand 08 (7:4) und VfB Neckarrems (2:3) ging es gegen gestandene Oberligateams. Eine gute Möglichkeit, nicht nur das Spielerische in den Vordergrund zu stellen, sondern auch an der Robustheit zu arbeiten. Bei den Partien gegen die U19 von Dortmund (1:3) und Darmstadt (3:0) zeigte sich dann das große Offensiv-Potenzial des Teams, das allerdings noch an der Chancenauswertung arbeiten muss. „Wir haben uns in jedem Spiel viele Tormöglichkeiten herausgespielt, doch einfach zu wenig daraus gemacht“, zog Uysal ein durchwachsenes Fazit.

Labus schmerzhaft vermisst

Besonders schmerzhaft war der Ausfall von U17-Europameister Robert Labus, der sich bereits zu Beginn der Vorbereitung einen Bänderriss zuzog und voraussichtlich erst am dritten Spieltag wieder zur Verfügung stehen wird. Da auch einige andere Abwehrspieler mit kleineren Blessuren zeitweise ausfielen, sieht Uysal vor allem in der Defensivarbeit noch Entwicklungspotenzial. „Wenn wir erst mit dem gesamten Kader trainieren können, werden wir auch in diesem taktischen Bereich vermehrt arbeiten“. Am vergangenen Wochenende klappte es dafür schon ganz gut. Bei einem Kurzturnier in Kaufbeuren belegten die Hamburger den ersten Platz.

Und setzten sich dabei unter anderem gegen den letztjährigen Deutschen A-Juniorenmeister Mainz 05 durch. Am 15. August beginnt die Saison mit dem Spiel gegen Tennis Borussia Berlin. Dann sollen die ersten Punkte eingefahren werden. Auf der Viehweide zeigten die Spieler in der Vorbereitung schon einmal eindrucksvoll, wie man sich gegen wilde Gegner erfolgreich durchsetzt. Nachdem die Kuhherde durch einen Schrei aufgeschreckt war, brachten sich alle Spieler mit schnellen Finten und Zickzack-Läufen aus dem Gefahrenbereich. Und so wie sich Torwart Marcel Hölscher mit einem Hechtsprung über ein Gatter rettete, sollen auch wieder die Punkte in Sicherheit gebracht werden und der Sprung an die Tabellenspitze klappen.