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Nachwuchs 11.02.2016
„Die zukünftige U21 hat eine enorme Bedeutung für uns“

Bernhard Peters und Peter Knäbel, die beiden Sportdirektoren des HSV, erklären im Interview die neue Rolle des Regionalliga-Teams.

HSV.de: In den vergangenen Monaten gab es immer mal wieder Gerüchte, dass die U23 des HSV nach dieser Saison aus finanziellen Gründen abgemeldet würde. Einige Bundesligisten haben das bereits getan. Können Sie diese Gerüchte entkräften?
 
Bernhard Peters: Ja, das können wir definitiv. Die zweite Mannschaft hat eine enorme Bedeutung für uns. Natürlich verursacht solch eine Mannschaft auch Kosten. Wir sind aber der Meinung,  dass sich der HSV dieses Team als zentralen Teil seines Ausbildungsprogramms leisten muss. Die Argumente für eine Übergangsmannschaft, wie wir die älteste Ausbildungsmannschaft des HSV nennen, sind vielfältiger Art.
 
Was bedeutet das konkret?
 
Peter Knäbel: Wir werden ab der kommenden Saison einen neuen Weg beschreiten und aus der U23 eine U21 machen. Das bedeutet, dass wir die Übernahmequoten aus der U19 nach oben deutlich erhöhen. Die Top-Performer eines Jahrgangs sollen bei den Profis einen Kaderplatz bekommen und am Wochenende in der U21 spielen, sofern sie keinen Platz im Kader der Profis haben. Die Normal-Performer bekommen ein, zwei Jahre Zeit, sich auf der höchsten Ausbildungsstufe im Kader der  U21 weiterzuentwickeln und sollen dann den Sprung zu den Profis schaffen, im besten Fall bei uns oder eben bei einem anderen Profiverein.

Bernhard Peters: "Wir wollen die Übernahmequote nach oben deutlich erhöhen."

Bedeutet das, dass die Mannschaft dann in der kommenden Saison unter dem Namen „HSV U21“ an den Start gehen wird?

Peters: Das ist unser Ziel. Ob es sich sofort umsetzen lässt, das wird sich zeigen Der offizielle Name wird HSV II bleiben. Für uns ist es aber zentral, die Bezeichnung U21 intern und extern zu verwenden. Somit wird jedem klar, welche Altersstufen in diesem Team den Schritt in Richtung Fußball-Bundesliga machen. Prinzipiell gilt: Nicht der Name ist entscheidend, sondern der Inhalt. Und da haben wir uns einen eindeutigen Auftrag erteilt.

Rein juristisch wird diese Mannschaft aber weiter wie eine U23 behandelt, und demnach dürften theoretisch mehrere Spieler über 21 Jahren auflaufen.

Peters: Ja, das ist richtig.

Was wären negative Effekte gewesen, die bei einem Wegfall der U23 eingetreten wären?

Knäbel: Wir hätten einen der wichtigsten Ausbildungsschritte extern vergeben, demnach Leihgeschäfte mit anderen Vereinen eingehen müssen, in denen wir wenig Einfluss auf die Ausbildungsinhalte für unsere Spieler gehabt hätten. Zudem wäre für uns eine Akquise von Spielern im Bereich unserer U16 bis zur U19 erschwert und gleichzeitig die mannschaftsinterne Atmosphäre und damit auch Leistungsfähigkeit der U19 gesenkt worden, weil ein übergroßer Teil der Spieler aus der U19 früh als Abgänge festgestanden hätte. Diese Argumentationsliste ließe sich ein ganzes Stück weiterführen. Stattdessen ist es nun unser wichtiges Ziel, die Aufnahmequote aus der U19 in die künftige U21 zu erhöhen.

Wie schafft man es denn, die Übernahmequoten deutlich anzuheben?

Peters: Das schafft man, indem man weiter Qualitätsarbeit in den unteren NLZ-Mannschaften leistet. Wir sind dabei, immer besser zu werden und haben viele Dinge auf den Weg gebracht. Wir müssen die Jungs vor dem Übergang in die U21 fußballerisch, athletisch und in der Persönlichkeit top auf das vorbereiten, was im Übergangsbereich zum Senioren-Fußball auf sie zukommt. Das haben wir in den vergangenen Jahren nur in Ausnahmefällen geschafft.

So eine junge Mannschaft benötigt aber gewisse Stabilisatoren.

Peters: Das ist richtig. Deswegen werden zwei bis maximal drei erfahrene Spieler auf zentralen Positionen zum Kader gehören, die es als ihr Ziel sehen, so eine junge Mannschaft zu führen.

Sie sprachen eingangs die Kaderplanung an. Was wird sich daran ändern?

Knäbel: Unser Chefscout im Nachwuchsbereich, Benjamin Scherner, wird in Zukunft eine tragende Rolle in der Kaderplanung für die U21 spielen. Dass er bereits für die Kaderplanung der U17 und U19 mitverantwortlich ist, zeigt, dass dieser Bereich in Zukunft noch enger mit der künftigen U21 verzahnt sein wird. Mit dem Umzug in den HSV-Campus werden sich diesbezüglich viele Dinge vereinfachen.

Peter Knäbel: "Wir werden einen neuen Weg beschreiten."

Welche Rolle spielt das Trainer-Team der U21?

Peters: Eine sehr große. Wir wollen die bestmögliche Ausbildung garantieren. Das Trainerteam der künftigen U21 muss aus erstklassigen Ausbildungstrainern bestehen, die beide Seiten, sprich den Ausbildungsbetrieb im NLZ sowie den Lizenzspielbetrieb der Bundesliga, kennen. Es  muss eng mit dem U19- und dem Bundesligatrainer vernetzt sein. 

Der Umstellungsprozess von U23 auf U21 soll im Sommer beginnen. Wann soll er abgeschlossen sein?

Knäbel: Innerhalb von zwei Spielzeiten, also zu Beginn der Saison 2018/19. In diesem Sommer erfolgt der erste Schritt. Laufende Verträge von Spielern respektieren wir natürlich, aber es wird bereits einen ersten Umbruch geben.

Werden denn außer den erfahrenen Spielern keine externen Spieler mehr geholt, wenn die Übernahmequote steigt?

Peters: Doch. Auch wenn wir die Übernahmequote steigern, wird es auch immer wieder externe Spieler geben, die zu uns kommen. Gerade in der kommenden Sommerpause, in der es wie schon gesagt einen ersten Umbruch geben wird, wird dies auch nötig sein.

Wird eine so junge Mannschaft denn in der Regionalliga bestehen können?

Peters: Wenn wir gut arbeiten, werden wir uns im Mittelfeld der Regionalliga Nord etablieren können. Zu Beginn einer Saison wird diese junge HSV-Mannschaft Anpassungsschwierigkeiten haben, gerade die Hinrunde der kommenden Saison wird eine Übergangsphase sein. Es ist unsere Aufgabe, die Spieler so vorzubereiten und zu stabilisieren, dass sie sich in der Liga behaupten können.

Ist dann mittel- und langfristig die 3. Liga überhaupt noch ein Thema?

Knäbel: Es hat derzeit keine Priorität. Unser Augenmerk liegt auf der Durchlässigkeit. Die Übergangsmannschaft spielt da eine entscheidende Rolle. Wir wollen den Spielern die Möglichkeit für wichtige Wettkampfpraxis im Seniorenbereich liefern. Die Regionalliga ist eine attraktive Liga, in der die Jungs viel lernen können. In dieser müssen sie sich zunächst fußballerisch, körperlich und von der Widerstandsfähigkeit durchbeißen.  

Vielen Dank für das Gespräch.

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