Mittwoch, 11.01.12
Vormittag:
Der letzte Tag des Trainingslagers. Er hatte es noch einmal in sich. Ein würdiges Finale sozusagen. Am Vormittag hatten wir eine letzte lockere Einheit auf dem Platz. Schwerpunkt, wen überrascht es: Passspiel. Laufwege. Taktik. Alles, was wir gestern in der Videoanalyse besprochen hatten. Aber das Programm war nur kurz. Die letzten Minuten hatte dann jeder Zeit zur freien Verfügung. Tomás, Jeff, Tolgay und Tom lieferten sich zum Beispiel eine Art Torschuss- oder Freistoßmatch gegeneinander. Hab ich aus der Entfernung nicht richtig kapiert. Andere haben Fußballtennis gespielt.
Und ich? Ich hab mit Dennis (Bergmann, Anm. d. Red.), Kevin und Sterni Hochhalten mit zwei Kontakten gespielt. Wer dreimal den Ball auf dem Boden fallen gelassen hat (jeder hat natürlich fies oder besonders hoch angespielt), bekam von den anderen einen Ohrschnipser verpasst. Man muss sich halt immer eine Strafe ausdenken. Kleine Wettkämpfe steigern den Ehrgeiz bei allen Beteiligten. Das sieht auch der Trainer so und baut immer wieder solche Sachen ins Trainingsprogramm ein. Das verschafft eine Menge Spaß.
Nachmittag:
Am Nachmittag ging es dann noch einmal zur Sache. Unser letztes Testspiel gegen UD Marbella. Ein Viertligist. Schwer getan haben wir uns trotzdem. Wir hatten so zwar noch nie zusammen gespielt. Das darf aber keine Ausrede sein. Erst in der zweiten Halbzeit fielen die Tore. Es war ein mühsamer 3:0-Sieg. Aber jetzt zum Positiven: Erstens durfte ich von Anfang an ran, zweites über die volle Spielzeit und drittens: Ich habe ein Tor geschossen In der 89. Minute. Nach einem letzten Sprint über den halben Platz. Danach war ich auch fix und fertig. Aber auch happy. Es war mein erstes Wettkampftor bei den Profis! Das macht schon ein wenig stolz, auch wenn es nur ein Testspiel war.
Abend:
Der Abend wurde lustig. Extrem lustig. Alle Neuen mussten nach dem Abendessen vor der gesamten Mannschaft ein Lied singen. Die neuen Spieler, der Doc und sogar die Trainer. Und, oh Gott, ja ich auch. Dabei bin ich doch schon seit 2005 beim HSV. Naja, ist halt ein Profi-Ritual. Ich und singen. Und dann vor all den anderen. Ich hatte vorher schon ein wenig Panik. Zum Glück wussten wir schon von dieser Tradition. Kevin kam am Nachmittag zu mir und hat vorgeschlagen „Oh happy Day“ zu singen - als Duo. Das haben wir dann auch gemacht. Zum Glück mussten wir nicht anfangen. Das hat einer der Trainer übernommen. Dann kam Dennis Bergmann als Jüngster. Na, und dann wir. Zum Glück waren keine Kameras dabei. Oder doch? Mit dem „Holzmichel“ oder „Über den Wolken“ konnten wir allemal mithalten. Aber ich will es lieber nicht noch einmal sehen, geschweige denn hören. Die Stimmung kann sich glaube ich jeder vorstellen.
Am späteren Abend sind wir dann mit der kompletten Mannschaft in die Stadt gezogen (die Trainer hatte Ausgang gegeben). Ein würdiger Abschluss. Es war wirklich ein tolles Trainingslager, das mir eine Menge Spaß gemacht hat. Es ist einfach angenehm in dieser Mannschaft zu spielen und Zeit zu verbringen. Ich hoffe, allen Leser hat es auch ein bisschen Spaß gebracht, ein paar Eindrücke vom Trainingslager zu bekommen. In diesem Sinne: Danke für eure Unterstützung. Und bis bald im Stadion. Vielleicht schon gegen Dortmund!
Viele Grüße, Euer Zhi Gin
Dienstag, 10.01.12
Morgen:
Die gute Nachricht vorweg: Meinem Becken geht’s wieder gut. Wir sind wieder ein Team und konnten heute auf dem Platz Gas geben. Gleich nach dem Frühstück gings noch mal zu Benji zur Behandlung. Das gesamte Medical-Team macht echt einen super Job. Immer da und immer mit vollem Einsatz. Rund um die Uhr. Wann schlafen die eigentlich? Vielleicht sind es Maschinen? Nein, denn sie haben auch ein großes Herz. Durch ihre Arbeit standen heute neben mir auch wieder Per, Marcell und Ivo auf dem Platz.
Vormittag/Mittag/Nachmittag:
Passspiel, Laufwege, Taktik: Alles soll sich im Trainingslager einschleifen. Und das tut es auch. Durch die vielen unterschiedlichen Trainingsformen gehen die Abläufe in Fleisch und Blut über. In den Situationen, in denen ich gestern noch überlegt habe, wo ich hin laufen muss, bin ich heute schon los. Die Folge: Ich bin mindestens einen Schritt schneller da. Am Nachmittag hat das im Testspiel schon sehr gut geklappt. Gut, ich habe nur zehn Minuten gespielt, aber immerhin. Ich will mich nicht beschweren. Jeder will sich zeigen, aber jeder bekommt auch die Chance dazu.
Die Stimmung leidet unter dem Konkurrenzkampf nicht Im Gegenteil. Der Umgang innerhalb der Mannschaft ist hervorragend. Auch zwischen jung und alt. Beispiel gefällig? Jeden Tag entbrennt beim Essen ein großer Kampf um den Nachtisch. Holt sich einer einen Teller voll mit Früchten oder Kuchen, muss er ihn am Tisch verteidigen – im schnicken. So heißt unsere Form von „Stein, Schere, Papier“; wie es wohl bei den Älteren heißt. Jeder muss seinen Nachtisch verteidigen. Er wird herausgefordert. Der Herausforderer muss zweimal gewinnen, der andere nur einmal. Heute ging es um einen Eisbecher. Über sieben Stationen ging der über den Tisch und landete am Ende….bei wem wohl? Natürlich bei mir! Die Doppelschere brachte den Sieg. Als ich mir den ersten Löffel zu Gemüte führen wollte, kam Mladen, der die Szene beobachtet hatte, vom anderen Tisch rüber. Und Zack: Einmal Stein, einmal Papier - und ich war das Ding wieder los. Doch im Anschluss hat er es mir großzügig überlassen. Was ich damit sagen will: Jeder macht hier im Grunde jeden Spaß mit. Beim Training wird aber dennoch Gas gegeben. Jeder hängt sich rein. Und jeder ist für jeden da. Dabei greifen die erfahrenen Spieler den jungen auch mal unter die Arme. Die Mischung stimmt also.
Abend:
Obwohl die Stimmung gut ist, vermisse ich natürlich auch Hamburg. Die Familie, meine Freundin und das heimischen Bett. Besonders abends nach einem anstrengenden Tag wird das deutlich. Den anderen geht es auch so. Nach sieben Tagen freuen sich im Grunde alle langsam auf ihr Zuhause. Aber da hätte es wahrscheinlich nicht den spanischen Pokal gegeben. Zumindest nicht im Free-TV. So gab’s zum Abschluss des Tages noch Malaga gegen Real. Und ich muss zugeben. Obwohl bei Malaga ja gleich zwei ehemalige HSVer spielen, war ich doch für Real. Die sind einfach richtig stark und spielen tollen Fußball. Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann mal, gegen die zu spielen. Ein Traum würde dann für mich in Erfüllung gehen. In diesem Sinne gute Nacht.
Montag, 09.01.12
Der letzte Tag war anstrengend, vielleicht der härteste Tag seit Beginn des Trainingslagers. Allerdings nicht, weil Thorsten Fink das Trainingspensum noch einmal angezogen hat, sondern im Gegenteil: Weil ich nichts machen konnte. Rein gar nichts. Ich habe den ganzen Tag im Hotel verbracht, nur zum Essen das Zimmer verlassen. Das ist das Schlimmste, was einem Fußballer passieren kann - besonders für einen jungen Spieler. Ich will mich zeigen, aufdrängen und weiterentwickeln. Stattdessen wird man gebremst. Und das alles nur wegen so eines dummen Fouls in einem Testspiel. Der Sprung gegen die Steinmauer wäre wahrscheinlich etwas für ne Stuntshow gewesen, aber nichts für ein Fußballspiel. Ich habe mir die Bilder zwar noch nicht angeschaut (so etwas macht man besser nicht), aber den Berichten zufolge war es heftig. Noch am Abend ging es los: Als das Adrenalin langsam den Körper verlassen hatte, kamen die Schmerzen. Und wie. Mein erster Versuch am Sonntagabend ohne Schmerzmittel einzuschlafen ist komplett daneben gegangen. Unser Doc hat mir dann neben den Schmerzmitteln noch etwas zum Schlafen gegeben. So bin ich endlich zur Ruhe gekommen.
An Training war heute noch nicht zu denken. Nach dem Aufstehen war mir immer noch schummrig. Und mein Becken hat gesagt: Wenn du heute auf den Trainingsplatz gehst, mache ich dich fertig. Als die anderen auf dem Platz standen, ging es zur Behandlung: Zunächst Kälte, dann Strom und zum Schluss Akupunktur. Das war alles neu für mich. Bislang hat sich meine Liste der Verletzungen auf einen Bänderriss beschränkt. Besonders komisch war die Strombehandlung. Dabei wird durch den Körper vom Physiotherapeuten und vom Patienten ein Stromkreis geschlossen. Benji (Physiotherapeut Benjamin Ehrhorn, Anm. d. Red.) hatte dazu zwei Handschuhe mit rauen Oberflächen an. Durch die beiden Elektroden, die bei ihm und bei mir angeschlossen waren, wurde beim Behandeln der Stromkreis geschlossen. Durch die eingestellte Frequenz wird eine Art stromunterstützte Lymphdrainage durchgeführt. (Ich hoffe, ich hab das in ein paar Worten richtig wiedergegeben, lieber Benji). Man selber spürt ein leichtes gut tuendes Vibrieren.
Eigentlich ist es ja ganz interessant, diese Sachen zu erfahren, aber ich hätte gern darauf verzichtet. Wenn ich mir vorstelle, dass manche Spieler, wie bei uns zum Beispiel Jacopo oder Tolgay, wochenlang oder teilweise monatelang ausgefallen sind. Jeden Tag Behandlung, Reha und trainieren abseits der Mannschaft. Das schlaucht bestimmt. Und dann die Ungeduld, sich nicht zeigen zu können. Dies ist mein erstes Profitrainingslager. Mich nervt schon, wenn ich einen Tag fehle. Morgen will ich wieder einsteigen. Ein Tag vor dem Fernseher hat definitiv gereicht. Heute Abend gabs noch eine Videoschulung aus den beiden Testspielen. Spielzüge, die gut waren, und Dinge, die wir noch verbessern können. Danach Bettruhe. Zumindest für mich. Freiwillig. Die anderen aus dem Zimmer haben noch zusammen gesessen. Wir hatten Besuch von Dennis Bergmann und Sterni. (Der vermisst übrigens seine Freundin. Soll ich mal schreiben, hehe). Für mich stand aber die Erholung im Vordergrund. Bis morgen also. Gute Nacht.
Sonntag, 08.01.12
Morgen/Vormittag:
Es ist noch so früh und er telefoniert schon. Von wem ich schreibe? Von Sonny natürlich. Der telefoniert den halben Tag. Morgens besonders viel. Gleich nach dem Aufstehen, weil Südkorea ja mehrere Stunden vor unserer Zeit liegt. Die einzige Chance seine Freunde und Verwandten zu erreichen. Mit wem er telefoniert? Keine Ahnung. Vielleicht sollte ich mal einen Grundkurs in koreanisch belegen. Ich tippe aber vor allem auf Mädels. Kurz nach dem Frühstück habe ich mich für das gestrige Tagebuch hingesetzt. Hab es danach gerade noch rechtzeitig zum Bus geschafft. War kurz vor Jarolim dort. Das ist wichtig. Alle, die auf den letzten Drücker kommen, mag er nicht. Als junger Spieler will ich da nicht unangenehm auffallen.
Vormittag:
Dass unser Konditionstrainer Nikola Vidovic beim Aufwärmen immer für was Neues zu haben ist, ist ja bekannt. Heute hatte er asymmetrische Bälle dabei. Kontrolle beim Schießen? Unmöglich. Und dann sollten wir auch noch direkt spielen. Hat er das eigentlich schon mal selber ausprobiert? Egal, bringt auf jeden Fall ne Menge Spaß. Paolo hat das Tor zum Beispiel aus einen Meter Entfernung nicht getroffen.
Mittag/Nachmittag:
Heute war ich zum ersten Mal bei den Physios. Die haben im zweiten Stock ihr Mekka in einem eigenen Hotelzimmer aufgebaut – mit Terrasse. Habe mich vor dem zweiten Spiel ein wenig massieren lassen. Brauche ich sonst zum Glück noch nicht so häufig. Würde auch nicht gut ankommen, wenn man schon als junger Spieler dort regelmäßig rumliegt. Vorher haben wir uns alle noch bei Gökhi verabschiedet. Er muss zurück nach Hamburg – wegen seiner Knieverletzung. Ich hoffe, es ist nichts Schlimmeres und er steht schon bald wieder mit uns auf dem Platz. Bis zur Abfahrt zum Testspiel gabs dann nur eins für mich: Schlafen. Paolo, Tomás und Sonny lagen übrigens auch im Reich der Träume.
Abend:
Testspiel gegen Brügge. Diesmal sitze ich zunächst auf der Bank. Und ich musste schon in der ersten Halbzeit wieder für jemanden in die Partie kommen. Das war bei Gökhi ein schlechtes Omen. Diesmal hatte Marcell aber nur leichte Probleme mit dem Oberschenkel. Hoffe ich. In der zweiten Halbzeit hätte es mich auch fast erwischt. Mein Gegenspieler hat mich im Zweikampf einen Meter vor der Auslinie so stark geschubst, dass ich mitten in die Mauer von der Tribüne geknallt bin. Die Zuschauer sind ausgerastet. So habe ich es zumindest vernommen. Mit meinen Schmerzen hatte ich selber genug zu kämpfen. Mein Rücken tut immer noch weh. Jeder, der mich heute Abend beim Essen gesehen hat, fragte mich: „Alles wieder in Ordnung mit dir?“. Hat wohl böse ausgesehen. Lege mich jetzt hin. Mal sehen, wie es morgen ist. Gute Nacht.
Samstag, 07.01.12 (Sonntag)
Erst einmal Sorry, dass ich erst heute zu meinem Eintrag von Samstag komme. Wir hatten einen Mannschaftsabend (Mehr dazu im Text). Danach war einfach keine Zeit mehr. Muss ja die Bettruhe einhalten…
Morgen/Vormittag:
Eigentlich wie immer: Aufstehen. Duschen. Trainingsklamotten abholen. Zum Frühstück. Doch irgendwie war es heute (oder besser gesagt gestern) später. Nach ein paar Trainingslagertagen geht halt nicht mehr alles so locker. Wenn wir jeden Tag fünf Minuten länger brauchen….mal rechnen….dann wird’s am Mittwoch zur Abfahrt zum Training eng.
Vormittag:
Bei der Einheit stand im ersten Teil ein Box-Programm mit unserem Konditionstrainer Nikola Vidovic auf dem Programm. Schöne Abwechslung. Und gar nicht so leicht. Mit den Füßen sind wir ja ganz gut, aber Arm- und Oberkörperkoordination – das steht auf einem anderen Blatt. Hab ich so zum ersten Mal gemacht. Zum Glück ist Niko nicht zu mir gekommen, um meine Schläge mit einer Art dicken Boxhandschuh abzufedern. Denn Zwischendurch hat er auch mal einen Haken aus dem Nichts ausgepackt. Sonny kann ein Lied davon singen. Zweimal gabs ne schön Backpfeife. Jaro hat sich das nicht gefallen lassen und hat ebenfalls einen Haken ausgepackt. Wenn es ernst geworden wäre, hätte er aber verloren. Bei den Spielformen wurden Dennis Bergman und ich rausgenommen. Individualtraining mit Marcus Günther. Dazu noch kurz auf die Slackline (ein dickes Seil zwischen zwei Palmen gespannt) Darauf balancieren? Ging zum Anfang gar nicht! Meine Beine haben gezittert, als wenn ich Schüttelfrost gehabt hätte. Halten? Höchstens ein paar Sekunden. Nach ein paar Minuten ging es aber besser. Alles eine Frage der Koordination und natürlich der Übung.
Nachmittag:
Den Nachmittag hatten wir frei. Allerdings nur zum Teil. Ein paar Spieler haben noch eine Laufeinheit mit Frank Heinemann gemacht. Okay. Ich gebe es zu: Es waren neben den Freiwilligen diejenigen dabei, die im Bereich Ausdauer noch etwas aufzuholen haben. Aus diesem Grund war ich dabei. Den Rest des freien Nachmittages habe ich auf dem Zimmer verbracht. Beine hochlegen und Akku aufladen.
Abend:
Gemeinsames Essen mit der Mannschaft außerhalb des Hotels. Bei Alfredo. Typisches spanisches Restaurant. Wir saßen an drei großen Tischen. Gute Stimmung. Besonders, als ein Duo mit Gitarren auftauchte und den Laden mit Musik in Schwung brachte.Das Highlight war allerdings der Armdrück-Battle zwischen Tomás Rincón und Gökhan Töre. Gewonnen hat am Ende Tomás. Doch Gökhi meinte natürlich, dass es nur mit Schummeln zustande kam und wollte es anfechten. Vergebens. Der Ärger war dementsprechend groß. Nach der Heimfahrt bin ich gleich ins Bett gefallen. Deshalb der Eintrag erst heute.
Freitag, 06.01.12
Morgen:
Aufstehen um 8.00 Uhr. Ich gebe es zu: Heute waren die Beine ein wenig schwerer. War doch ganz schön anstrengend gestern. Sonny scheint es auch so zu gehen. Er lacht nur noch übers halbe Gesicht. Zum Frühstück können wir immer selbständig gehen. Zum Glück. Da kann man auch noch mal fünf Minuten länger unter der Dusche stehen bleiben. Manche gehen, glaube ich, gar nicht zum Frühstück. Das könnte ich nicht. Mit ner ordentlichen Stärkung im Magen gings zum ersten Training. Wie immer mit dem Bus. Heute brauchten wir nicht so lange. Hier ist Feiertag. Kein Mensch und kein Auto auf den Straßen. Und das an einem Freitag.
Vormittag:
Das Training ist wirklich abwechslungsreich. Heute gab’s wieder was Neues. Richtig was für den Kopf. Ich versuchs mal zu erklären: Passübungen in einem Kreis. Einer in der Mitte, der den Pass bekommt. Dieser entscheidet dann a) wen er Außen anspielt und muss dann b) genau zwei Spieler entfernt von ihm an die Außenposition im Kreis laufen, so dass derjenige, der an dieser Stelle steht, seinen Platz in der Mitte einnehmen muss. Kapiert? Ich brauchte einen Moment, hatte es dann aber drauf. Doch das war nur die erste Übung dieser Art. Es gab noch reichlich davon. Und ich muss sagen: Es war für alle schwer. Gute Sache auf jeden Fall. Zum Abschluss der Einheit dann wieder ein Spiel. Wieder alt gegen jung. Heute sahen wir besser aus, konnten lange mithalten, aber dann hat sich verdammt noch mal wieder die Erfahrung durchgesetzt. Aber: Wir werden besser! Zur Strafe mussten wir den Platz abbauen. Da standen noch eine Menge überdimensionaler Plastikfiguren fürs Taktiktraining. Die hatten wir vorher gar nicht gebraucht. Ich glaube, die haben die Alten hingestellt, damit wir mehr abbauen müssen.
Mittag/Nachmittag:
Beim Mittagessen wurde die Aufstellung für das erste Testspiel gegen Lokeren bekanntgegeben. Jeder hat eine Halbzeit gespielt. Ich durfte in der ersten ran. Dass ich am Ende als einziger fast 60 Minuten gespielt habe, liegt an der Verletzung von Gökhi. Der musste in der zweiten Halbzeit mit Knieproblemen raus. Ich war der einzige, der von der Mannschaft der ersten Halbzeit noch da war. Also noch einmal die Chance mich zu zeigen. Bei meiner einzigen Chance habe ich genau den Torwart angeschossen. Das muss noch besser werden. Ansonsten wurde ich einmal im vollen Lauf gefoult. Bin ganz schön geflogen. Bin ja auch ein Leichtgewicht. Sah von Außen aber schlimmer aus, als es war.
Abend:
Zur Regeneration bin ich noch einmal in den eiskalten Pool gegangen. Aber nur mit den Beinen. Bin ja nicht blöd. Nach dem Abendessen mussten einige von uns (die anderen folgen morgen) einen sportspezifischen Test am Computer machen. Der hat die Handlungsschnelligkeit und Antizipationsfähigkeit gemessen. Ich habe ziemlich gute Werte gehabt, hat zumindest der Trainer gesagt. Wieder was Neues. Mal sehen, was noch so alles kommt. Die Spannung wird auf jeden Fall hochgehalten. Auch bei unserem täglichen Abendmatch auf der Playstation. Sonny und ich gegen Sterni und Dennis Bergmann. Wir spielen FIFA 12. Immer Barcelona gegen Real Madrid. Sind ja schließlich in Spanien. Da muss man sich anpassen. Bislang konnte sich noch kein Duo entscheidend durchsetzen. Immer enge Spiele. Mal sehen, ob wir die nächsten Tage noch mehr Siege einfahren können. Für heute reicht es. Gute Nacht.
Donnerstag, 05.01.12
Nacht/Morgen:
Um 22.00 Uhr sind gestern die Lichter ausgegangen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Gefühlt hab ich eine Sekunde nach dem Ausschalten der Lampe geschlafen. Aber nur ne Stunde. Dann kamen Paolo und Tomás ins Zimmer gestürmt – gerade angekommen aus Südamerika. Wir sind immer zu viert untergebracht. Zwei Schlafzimmer und ein gemeinsames Wohnzimmer. Die sind natürlich ins falsche Schlafzimmer gelaufen. Neben mir pennt Sonny. Der schnarcht auch noch. Hat mich diesmal aber kaum gestört. Bis 8.30 Uhr durften wir schlafen. Kurzes Frühstück und dann ab in den Bus zum Platz.
Vormittag & Mittag:
Beim Training gings ordentlich zur Sache. Gewichte, Medizinbälle, Sprünge – dazwischen immer wieder Sprints. Da spürt man jeden Muskel. Das hat wohl auch meine Pulsuhr gespürt: In einer Ruhephase ist sie von 140 auf 210 gesprungen. Kurz vor Kreislaufkollaps also. Konnte nicht stimmen. Hat sich dann zum Glück auf wieder eingependelt. Nach über einer Stunde kam endlich die heiß ersehnte Spielform. Drei Mannschaften im fünf gegen fünf mit Außenspielern. Jedes Team zweimal gegeneinander. Der Verlierer musste danach in den eiskalten Pool im Hotel, wurde von allen zusammen vorher so ausgemacht. Ich war im Gewinnerteam!!! In den Pool bin ich trotzdem geflogen. Paolo hat mich ganz fies von hinten geschubst. Ich habe mich aber gerächt. Brauchte dazu zwar die Hilfe von Marcell und Sterni, aber zu dritt konnten wir ihn überwinden.
Nachmittag:
Mittagspause = Schlafen. Siehe Vormittagseinheit. Bei der zweiten Einheit gab es viel Taktiktraining. Da muss man immer hoch konzentriert sein. Muss ja in Fleisch und Blut übergehen. Die Laufwege und so. Zum Abschluss dann wieder ein Spiel: Diesmal jung gegen alt. Tja, was soll ich sagen? Ehrlich? Okay, die haben uns ganz schön abgezogen. Erfahrung hilft halt doch. Aber wir arbeiten dran.
Abend:
Beim Abendessen habe ich zweimal beim Schnicken verloren (Anm.d. Red: Schnick, schnack, schnuck). Jedes Mal musste ich den gerade geholten Nachtisch abgeben. Ein Mal an Sonny. Ein Mal an Tolgay. Ein drittes Mal bin ich dann nicht mehr gegangen. Nach dem Essen stand Videoschulung auf dem Programm. Der Trainer hat uns Stärken und Schwächen aus alten Spielen gezeigt. Gute Sache. Können wir morgen im ersten Test gleich umsetzen. Hoffentlich spiele ich. Hab ein gutes Gefühl. Jetzt noch schnell mit meiner Freundin telefonieren und dann ab ins Bett. Gute Nacht.
Mittwoch, 04.01.12
Früh morgens (zu früh):
Weckerklingeln um 3.30 Uhr. Unmenschliche Zeit. Auf meinem iPhone musste ich die Weckzeit zum ersten Mal einspeichern (Hab ich aber gleich wieder gelöscht). Verdammt früh. Die kalte Dusche hat mich wenigstens etwas wach gemacht. Danke Schwester, dass du mich gefahren hast. Aus Lohbrügge zur Imtech Arena hätte ich es zu um 4.45 Uhr alleine wohl nicht geschafft. Frühstück gab es erst im Stadion. Ein wenig Cornflakes mit Milch. Kleine Stärkung vor dem Flug. Im Flieger gab es dann nur ein Sandwich. Bis zum ersten Zwischenstopp auf Palma de Mallorca habe ich trotz Schlafmangels doch noch ein Video geschafft: „The Fast And The Furios“ hat mich wach gehalten. Guter Film.
Vormittag & Mittag:
Auf dem zweiten Teil des Fluges ist es vorbei. Die Müdigkeit überwiegt. Gleich nach dem Start fallen meine Augen zu. Doch zuvor musste ich noch die Reihe und den Platz wechseln. Unsere beiden Co-Trainer Frank Heinemann und Patrick Rahmen wollten unbedingt nebeneinander sitzen. Mache ich doch gerne... Nach einem kurzen Bustransfer checken wir im Hotel ein. Wow: Von meinem Zimmer habe ich einen super Blick auf den Pool und den dahinterliegenden Strand. In so einem Hotel war ich noch nie. Ob ich das die Tage noch einmal nutzen kann? Bei unserem Programm werde ich wohl lieber versuchen, so viel wie möglich zu schlafen, um immer topfit zu sein.
Nachmittag & Abend:
Unser Trainer lässt es locker angehen. Erste Trainingseinheit um 17.00 Uhr. Abfahrt um 16.15 Uhr. Ich bin lieber überpünktlich – nicht, dass ich der Letzte bin und sie ohne mich abfahren oder ich in die Mannschaftskasse zahlen muss. Bei der ersten Einheit stehen zunächst Stabilisations- und Dehnübungen im Vordergrund. Dann kommt der Ball dazu. Sauber. Damit lässt sich was anfangen. Passübungen und ein kleines Spiel machen doch viel mehr Spaß. Nach der Rückfahrt bleibt einem nicht viel Zeit. Kurz duschen, dann schon wieder runter zum Abendessen. Jana, unsere Köchin, ist auch mit. Tolle Speisen. Nach zweimal Nachholen ist Schluss. Der Tag war anstrengend, obwohl nicht viel auf dem Platz passiert ist. So früh war ich lange nicht mehr im Bett....