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Saison 07.07.2012
Ein Knipser namens Rudi

Artjoms Rudnevs will sich nach seinen Stationen in Lettland, Ungarn und Polen auch in der Bundesliga durchsetzen. Mit seiner positiven Ausstrahlung überzeugte der Stürmer auch in den ersten Tagen in Hamburg die Trainingskiebitze. HSV.de traf den 24-jährigen Familienvater zum Gespräch im Zillertal. 

Finkenberg - Selbst als der Schweiß vor Anstrengung von der Stirn perlte, hatte man das Gefühl, dass ein leichtes Lächeln über sein Gesicht huschte. Die TRX-Bänder von Konditionstrainer Nikola Vidovic und die damit verbundenen Kraftübungen brachten Artjoms Rudnevs nicht aus der Fassung. Er freute sich quasi über die Schmerzen, die ihm sein Körper gerade als Signal zurücksandte. Ohnehin scheint der lettische Neuzugang in Reihen des HSV immer gute Laune zu haben. "Das ist mein naturell", grinst er, als wir uns mit ihm nach dem Training und dem anschließenden Mittagessen auf der Terrasse des Sporthotels Stock treffen. Die erste Woche beim HSV liegt nun fast hinter ihm. Ein guter Moment, nach den ersten Erfahrungen und Erlebnissen zu fragen. 
 
Ein bisschen müde sei er, betont Rudnevs. Schließlich stecken die kräftezehrenden Einheiten der Vorbereitung in den Beinen. "In Deutschland wird immer noch sehr viel mit Kraft gespielt. Und es wird viel Wert auf die Athletik gelegt", sagt er. Eine Spielweise, die ihm eigentlich entgegen kommen sollte. "Rudnevs ist eher ein Stürmertyp wie Olic", hatte Frank Arnesen unlängst verlautbaren lassen. Rennen, kämpfen und nicht zu vergessen: Tore schießen. Das sind seine Markenzeichen. Und Letzteres auch seine vornehmliche Aufgabe. "Er ist ein absoluter Knipser", sagt Arnesen. Und der sollte es wissen. Beobachtete der Sportchef den 24-jährgen Letten doch schon seit einigen Jahren.
 
HSV Trainingslager im Zillertal Tag 1
VIDEO 07.07.2012
Der erste Trainingslagertag im Zillertal liegt hinter der Mannschaft. Bei strahlendem Sonnenschein hat Thorsten Fink die Profis gleich dreimal zur Einheit geboten. Kondition und Fitness liegen in diesen Tagen im Vordergrund. Nicht nur für die drei Neuzugänge eine schweißtreibende Angelegenheit. HSV Trainingslager im Zillertal Tag 1
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Seit drei Jahren im Notizblock

Rudnevs will sich nun auch in der Bundesliga durchbeißen. "Ich schaffe das", ist er von seinen Qualitäten überzeugt.

Damals, vor drei Jahren, da spielte Rudnevs noch im Trikot des ungarischen Clubs Zalaegerszeg, da landete sein Name zum ersten Mal im Notizblock von Arnesen. In 62 Spielen traf er 18 Mal. Kein überragender Wert. Doch damit ließ er aufhorchen. War es doch seine erste Station im Ausland. Und das mit 21 Jahren. Ein Jahr zuvor hatte Rudnevs seine Heimatstadt Daugavpils, in der er mit sieben Jahren das Fußballspielen begonnen hatte, verlassen. Für den ortsansässigen Verein Daugava Daugavpils steuerte er in 35 Partien 23 Treffer bei. "Es war ein großer Schritt für mich ins Ausland zu gehen. Doch die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte, haben mich weiter gebracht - auch außerhalb des Fußballs", erklärt er heute. Dem Jahr in Ungarn folgte das Gastspiel in Polen.

Bei Lech Posen wurde Rudnevs der Nachfolger von Robert Lewandowksi, der im Sommer 2010 bekanntlich nach Dortmund wechselte. Es war der nächste Schritt für den beidfüßigen Torjäger. Seiner Aufgabe kam er auch hier nach. Und wie. In 72 Spielen standen am Ende 45 Tore zu buche. Und die Erkenntnis, dass es für ihn noch weiter gehen sollte - in eine der europäischen Topligen. Nun also die Bundesliga. Wieder der nächste Schritt. "Ich denke, ich brauche einige Zeit, um mich einzuleben und mit der Spielweise und dem Tempo zurecht zu kommen", lächelt er, aber fügt ohne Luft zu holen an: "Ich bin mir aber sicher, dass ich es auch hier schaffen kann". Davon sind beim HSV alle überzeugt. "Man sieht schon nach ein paar Trainingeinheiten, über was für Qualitäten Artjoms verfügt. Er hat schon seine Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt", attestiert ihm Thorsten Fink einen guten Start, schränkt aber ebenso ein, dass man ihm Zeit geben müsse. Im Testspiel gegen Rosenheim gelang ihm auch schon der erste Treffer. Dieser wurde ihm aber aberkannt, weil der Ball bei der Flanke von Aogo die Grundlinie überschritten haben sollte.

Rückhalt geben dem 24-Jährigen der Glaube an Gott und seine Familie.

Die Mitspieler rufen ihn Rudi

Dennoch, seinen Spitznamen hat er schon nach wenigen Tagen weg: "Rudi" rufen ihn die Mitspieler und auch das Trainerteam. Rudi? Das war doch mal was? "Ich weiß, worauf ihr hinaus wollt. Na klar kenne ich Rudi Völler. Er war einer der besten deutschen Torjäger", lacht er und erklärt, dass ihn dieser Spitzname allerdings schon seit Jahren verfolgt. "Rudi ist in jeder Sprache eine gängige Abkürzung für meinen Namen". Nur in Deutschland bekommt das natürlich noch einen netten Nebencharakter. Auch die Nummer zehn, die sein Trikot ziert. "Die habe ich mir nicht ausgesucht. Es war eine der wenigen, die noch frei waren. Normalerweise habe ich immer mit der 16 gespielt, aber die hat ja Marcus bereits", erklärt er und will auf dieses Thema gar nicht näher eingehen. 

Viel wichtiger sei ihm, über seine Familie zu reden. "Meine Frau Santa und meine kleine Tochter Arina sind der absolute Mittelpunkt in meinem Leben", so Rudnevs. Leider kommen die beiden erst in ein paar Monten nach Hamburg. "Ich versuche, sie so schnell wie möglich nachzuholen", verrät er. "Zunächst muss ich mich aber um alle Dinge kümmern und beim HSV Fuß fassen", so sein Plan. So packte er Ende Juni alleine seine sieben Sachen in seinen Wagen und fuhr aus Lettland nach Hamburg. Mit der Fähre. 21 Stunden war er insgesamt unterwegs. "Das ist nicht schlimm. Ich kenne das", grinst er. Aber ein bisschen langweilig war ihm schon. Denn er war alleine". Rudnevs ist ein geselliger Mensch. Einer, der mit fast jedem klar kommt. Das merkt man sofort.

Deutschkurse als Bettlektüre

Auch mit den Mitspielern versucht er jede mögliche Konversation voran zu treiben. "Er ist ein feiner Kerl", weiß Zimmerkollege Jeffrey Bruma zu berichten. Rudnevs spielte mit Brumas Bruder Marciano (jetzt bei Rijnsburgse Boys in den Niederlanden) bei Lech Posen zusammen. "Daher kenne ich ihn", bestätigt Bruma. Die beiden unterhalten sich auf Englisch. Noch. Denn wenn es nach "Rudi" geht, soll sich das schon möglichst bald ändern. "Ich habe mir nach meinem ersten Aufenthalt in Hamburg ein paar Bücher mit Deutschkursen zugelegt", berichtet er. "Guten Tag" und "mein Name ist" kommen ihm schon ganz gut über die Lippen, ebenso wie ein kräftiges "Moin Moin". 

Er will sich durchbeißen. Diesen Eindruck vermittelt Rudnevs in jedem Moment. Nicht nur im Training. Dabei wirkt er aber keinesfalls verkrampft, sondern besticht durch seine gute Laune. Voraussetzungen, die Hoffnung auf viele Tore im HSV-Dress machen. Und wir freuen uns schon auf den Tag, wenn durch die Imtech Arena ein langgezogenes "Ruuuuuuuuudi" hallt. 

 

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tabelle
Pl. Mannschaft Spiele +/- Pkt
1.  FC Bayern München 34 98: 18 91
2.  Borussia Dortmund 34 81: 42 66
3.  Bayer 04 Leverkusen 34 65: 39 65
4.  FC Schalke 04 34 58: 50 55
5.  SC Freiburg 34 45: 40 51
6.  Eintracht Frankfurt 34 49: 46 51
7.  Hamburger SV 34 42: 53 48
8.  Borussia M'gladbach 34 45: 49 47
9.  Hannover 96 34 60: 62 45
10.  1.FC Nürnberg 34 39: 47 44
11.  VfL Wolfsburg 34 47: 52 43
12.  VfB Stuttgart 34 37: 55 43
13.  1.FSV Mainz 05 34 42: 44 42
14.  SV Werder Bremen 34 50: 66 34
15.  FC Augsburg 34 33: 51 33
16.  1899 Hoffenheim 34 42: 67 31
17.  Fortuna Düsseldorf 34 39: 57 30
18.  SpVgg Greuther Fürth 34 26: 60 21
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