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Saison 13.01.2016
Die zwei Gesichter des Cleber Reis

Den brasilianischen Innenverteidiger kennen die meisten als immer gut gelaunten Profi, der um keinen Spaß verlegen ist. Hinter ihm steht allerdings eine Geschichte, die nicht immer lustig war. Eine Geschichte, die den anderen Menschen zeigt. HSV.de hat mit ihm darüber gesprochen.

Man hört ihn meist bevor man ihn sieht. Cleber Reis ist einfach ein Gute-Laune-Typ. Ein Spaßvogel. Einer, der (fast) immer mit einem Lächeln, einer Gestik oder halt einfach mit einer seiner oft nicht zu identifizierenden Laute um die Ecke kommt. Trainingskiebitze können davon ein Lied singen. Jeder, der schon einmal bei einer Einheit der Rothosen zugeschaut oder Cleber abseits des Platzes getroffen hat, kann dies bestätigen. Auch zum Termin mit HSV total! kommt der brasilianische Innenverteidiger, der Ende August 2014 von Corinthians Sao Paolo in die Hansestadt wechselte, schon feixend die Hotel-Lobby entlang geschlendert. Die Arme wild schwingend, halb tänzerisch. Nur seine ausgeprägten O-Beine verraten, dass es sich hier wahrscheinlich um einen Fußballer handelt. 
 
Fußball stand lange Zeit allerdings nicht im Mittelpunkt von Clebers Leben. Seine Geschichte ist nicht die typische brasilianische Story mit Fußballspielen am Strand von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Vom Traum von den großen Stadien oder Europa. Und dem Nacheifern von Stars wie Romario, Ronaldo oder Neymar. Cleber musste lange Zeit hart kämpfen, um überhaupt im Leben zu Recht zu kommen, wie er im Gespräch zwischen zwei Trainingseinheiten verrät. „Meine Kindheit war schwierig. Es gab für uns Kinder in der Freizeit nicht viel zu tun. Ich hatte kaum Spielsachen. Ich kann mich noch an ein paar Murmeln, einen Drachen und einen Kreisel erinnern. Das war alles nicht einfach“, sagt er und zeigt auf einmal eine ganz andere Seite, eine ernste und nachdenkliche.
HSV hautnah - der Fanabend in Belek
VIDEO 13.01.2016
Rund 120 Fans begleiten den HSV in Belek. Für sie ist die Reise ins Wintertrainingslager ein besonderes Highlight. Am Dienstagabend stand traditionell der Fanabend an. HSV total! war dabei. HSV hautnah - der Fanabend in Belek
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Das andere Gesicht: Wenn Cleber über seine Vergangenheit spricht, zeigt er sich sehr dankbar, aber auch sehr ernst.

Nur ein Bett für die ganze Familie

Als er fünf Jahre alt war, erzählt er weiter, seien seine Eltern immer schon um fünf Uhr morgens zur Arbeit losgegangen, um für die Familie zu sorgen. „Wir waren den ganzen Tag alleine. Unser Haus war sehr klein, wir hatten nur ein Bett und kaum Platz für die ganze Familie. Wenn man so aufwächst, denkt man immer daran, sein Leben verbessern zu wollen“, berichtet er. Doch zunächst eben nicht durch das Kicken mit dem runden Leder. Das kam später. „Ich hatte nicht den Traum, Fußballer zu werden. Eigentlich habe ich mich gar nicht für Fußball interessiert. Ich war Fan von Mike Tyson und wollte unbedingt Boxer werden und habe bei uns im Viertel trainiert. Meistens alleine“, verrät der 1,86 Meter große Innenverteidiger.

Wenn er anstatt rumzualbern eines seiner ernsten Gesichter aufsetzt, kann man sich gut vorstellen, wie er im Ring auf seine Gegner gewirkt hat. Und auch auf der Straße in seinem Viertel war die Durchsetzungskraft, die durch den Sport vermittelt wurde, sicher nicht von Nachteil. „Einige meiner Freunde sind leider auf die schiefe Bahn geraten und haben auch versucht mich zu beeinflussen. Ich habe auch nicht immer alles richtig gemacht, aber zum Glück konnte ich diesem schlechten Einfluss entkommen und habe meine Eltern nicht enttäuscht“, berichtet Cleber.

Cleber hat als Kind lange Zeit geboxt. Für die Durchschlagskraft auf dem Rasen hat dies dem 25-jährigen Verteidiger geholfen.

Erst mit 15 Jahren in einem Verein

Erst nach dem Boxen begann dann der Meilenstein, der ihn zudem machen sollte, was er heute ist: Ein Fußballprofi. Mit 15 Jahren spielte Cleber zum ersten Mal in einem Verein. „Ich habe bei mir im Viertel Fußball gespielt, als jemand auf mich aufmerksam wurde und mich zum Probetraining eingeladen hat. Das war eine neue Herausforderung für mich, das erste Mal mein Zuhause zu verlassen, aber ich habe mich dem gestellt“, lässt er die Anfänge noch einmal Revue passieren. Die erste Zeit sei nicht immer leicht gewesen. Auch Rückschläge musste er hinnehmen. Durch den „neuen Traum“, habe er aber die Chance gesehen, sich und seiner Familie zu helfen. 

„Dank Gott und Fußball habe ich heute ein gutes und ganz anderes Leben. Ich habe es geschafft, meiner Familie ein Leben mit mehr Stabilität zu ermöglichen. Mein Leben bis heute war nicht leicht und wenn man weiß, wo ich herkomme, versteht man das“, sagt er und man merkt ihm dabei an, wie dankbar er ist, dass er dieses andere Leben genießen kann. Und auch wenn er jetzt in Europa lebt, vergisst er seine Herkunft und alten Freunde nicht. „Ich bin noch regelmäßig in Kontakt mit Leuten aus meiner Heimat, zum Beispiel auch mit meinem früheren Boxtrainer oder meine Mitschülern. Mit einigen Freunden habe ich auch eine WhatsApp Gruppe, da reden wir über alles, Fußball natürlich, aber auch ernste Themen. Es ist wichtig Kontakt zu Leuten zu haben, die einem gut tun“, erzählt er. 

Für jeden Spaß zu haben. So zeigt sich Cleber in (fast) jedem Training.

Kraft durch die Familie

Gut tut Cleber vor allem, dass seine eigene kleine Familie nun schon seit ein paar Monaten in Deutschland beisammen ist. Seit September letzten Jahres wohnen seine Frau Paula und sein Sohn Pedro Henrique (5) mit in Hamburg. Er sei dadurch entspannter geworden und vor allem das Spielen mit seinem kleinen Sohn gebe ihn zusätzliche Kraft und Freude, berichtet er. Ein zusätzliches Glück, das sich auch auf dem Platz bemerkbar macht. Cleber scheint sich immer wohler zu fühlen und seine Leistung immer konstanter abrufen zu können. Da, wo sich in der vergangenen Saison oft noch Licht und Schatten abgewechselt haben, stehen nun immer öfter konzentrierte Auftritte im Training und auch in der Bundesliga. 

Neun Einsätze stehen in der Hinrunde zu buche, davon fünf in der Startelf. Insgesamt 516 Minuten. „Für mich persönlich läuft es besser als letzte Saison. Im ersten Jahr war ich viel verletzt, aber das hat sich jetzt zum Glück geändert. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden und habe keine Probleme mehr. Ich bin 100 Prozent fit“, sagt Cleber, der allerdings noch lange nicht genug hat. „Ich konnte zeigen, dass ich bereit für die Bundesliga bin. Doch das Leben geht weiter und ich möchte jede Chance nutzen, die sich mir bietet. Ich will hier Geschichte schreiben und eine tolle Zeit haben“, sagt er und verfällt auf einmal wieder zum gut gelaunten Entertainer, der mit vielen Gesten und einzelnen deutschen Worten das Interview auflockert, das eben noch zu ernst war. Cleber scheint angekommen zu sein. Und glücklich. Und mit dem Hintergrundwissen hört man sich seine Späße noch ein bisschen lieber an – auch wenn man Cleber dabei nicht immer sieht. 

FC Augsburg
1:3
34. Spieltag
14.05.2016
15:30 Uhr
Hamburger SV
präsentiert von
Bundesligaverein seit
tabelle
Pl. Mannschaft Spiele +/- Pkt
1.  FC Bayern München 34 80: 17 88
2.  Borussia Dortmund 34 82: 34 78
3.  Bayer 04 Leverkusen 34 56: 40 60
4.  Borussia M´gladbach 34 67: 50 55
5.  FC Schalke 04 34 51: 49 52
6.  1. FSV Mainz 05 34 46: 42 50
7.  Hertha BSC 34 42: 42 50
8.  VfL Wolfsburg 34 47: 49 45
9.  1. FC Köln 34 38: 42 43
10.  Hamburger SV 34 40: 46 41
11.  FC Ingolstadt 04 34 33: 42 40
12.  FC Augsburg 34 42: 52 38
13.  SV Werder Bremen 34 50: 65 38
14.  SV Darmstadt 98 34 38: 53 38
15.  TSG Hoffenheim 34 39: 54 37
16.  Eintracht Frankfurt 34 34: 52 36
17.  VfB Stuttgart 34 50: 75 33
18.  Hannover 96 34 31: 62 25
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