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Saison 12.01.2016
Gideon Jung: "Kein Weg ist gerade"

Gideon Jung äußert sich im Interview mit HSV.de zu seinem intensiven Halbjahr, Ungeduld im Profibereich und seiner Art des Glaubens.

Er ist einer der Senkrechtstarter und positiven Überraschungen der Vorrunde. Gideon Jung hatten vor dieser Saison wirklich nur ganz wenige Experten auf dem Zettel. Der 21-jährige Mittelfeldspieler, der im Sommer 2014 von Rot-Weiß Oberhausen aus der vierten Liga zum HSV wechselte, kam vor dieser Spielzeit lediglich bei der U23 zum Einsatz. In der Vorbereitung überzeugte der gebürtige Düsseldorfer Trainer Bruno Labbadia aber so sehr, dass er zum Saisonstart bei den Bayern gleich in der Startelf stand. Bundesliga-Debüt beim Rekordmeister. Das kann nicht jeder von sich behaupten. Nach zwei weiteren Einsätzen in der ersten Elf warf ihn eine Verletzung aber vorerst wieder zurück. Sechs Mal stand er im Anschluss gar nicht im Kader, wurde dabei lediglich zwei Mal bei der U23 eingesetzt. Erst zum Ende der Hinrunde fing sein Stern wieder an zu leuchten. Er verdrängte sogar Copa America-Sieger Marcelo Diaz auf die Bank und stand fünf Mal von Beginn an auf dem Rasen. Im Interview mit HSV.de spricht Jung über das unglaubliche Halbjahr, Veränderungen im Privatleben und die Kraft, die ihm sein Glaube gibt.
 
Gideon, in der Sommervorbereitung wurdest du bei HSV total! in einem etwas anderen Interview von Dennis Diekmeier befragt. In diesem hast du gesagt, es wäre ein großes Ziel, wenn du einmal neben ihm in der Bundesliga spielen würdest. Das ging schon am ersten Spieltag gegen Bayern München in Erfüllung. Mittlerweile stehen neun Bundesligaspiele zu buche. Das halbe Jahr muss für dich atemberaubend gewesen sein.
 
Jung: Das stimmt wohl. Es war so gesehen ein großes Abenteuer und die Erfüllung meines Kindheitstraumes. Jeder Jugendliche spielt Fußball, um so etwas einmal zu erleben. Dafür gehe ich jeden Tag gerne zum Training. 
FANomenaler HSV-Wahnsinn in Belek
VIDEO 12.01.2016
Rund 120 Fans begleiten den HSV in Belek. Für sie ist die Reise ins Wintertrainingslager ein besonderes Highlight. Auch die Anhänger haben jeder besondere Geschichten zu erzählen, wie HSV total! herausgefunden hat. FANomenaler HSV-Wahnsinn in Belek
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Überraschung: Am ersten Spieltag stand Gideon Jung in der Startelf gegen Bayern und hatte es u.a. mit Douglas Costa zu tun.

Und wurdest endlich belohnt.

Jung: Richtig, man wird für den Zeitaufwand, den man all die Jahre betrieben hat, belohnt. 

Fällt es denn jetzt leichter, weiterhin diesen Aufwand zu betreiben oder hat es dich sogar motiviert, noch mehr zu geben?

Jung: Ich ziehe meine Motivation aus zwei Dingen. Zum einen, dass ich selber erkannt habe, wo hier meine Chancen liegen und dass der Traum weiter leben könnte. Und zum anderen, was mir von den wichtigen Leuten in meinem Leben gesagt wird. 

Wer ist das und was sagen die dir?

Jung: Das sind vor allem meine Familie, mein Berater und meine Freunde, aber auch die Trainer und der Manager. Die Personen, die mich gut kennen und die mir auch sagen, woran ich arbeiten muss. Die haben den größten Einfluss. Sie waren immer da, auch in meinem ersten Jahr in Hamburg, als ich noch nicht so wie jetzt zum Zuge gekommen bin, sondern erst einmal nur trainiert habe. 

Warum war die Unterstützung in der Zeit so wichtig für dich?

Jung: Es kann sein, dass du im Kopf irgendwo anders bist, wenn du siehst, was andere in deinem Alter schon erreicht haben. Viele haben schon ein paar Bundesligaspiele mehr. Da willst du dazugehören und unbedingt deine ersten Erfahrungen machen.

"Ein Kindheitstraum" - auf einmal war Jung nicht mehr nur Zuschauer, sondern stand in den Stadien auf dem Rasen.

Ist also die Ungeduld das Wichtigste, was man unter Kontrolle haben muss?

Jung: Ja, ich denke, es ist eines der wichtigsten Dinge. Man muss einen ruhigen Kopf bewahren, nicht versuchen, etwas mit Macht zu erzwingen, sondern weiter konzentriert an seinem Spiel arbeiten und eben genau zuhören, was einem die wichtigen Menschen sagen.

Wahrscheinlich fiel dir dies auch schwer, als du zu Beginn dieser Saison drei Mal in der Startelf aufgeboten wurdest und dann durch eine eigene Verletzungen und die Rückkehr von anderen Spielern auf einmal gar nicht mehr im Kader warst.

Jung: Es ist wichtig, diese Situation richtig einzuordnen. Zum einen war es natürlich meiner eigenen Verletzung geschuldet, zum anderen waren meine Trainingsleistungen in dieser Zeit aber auch nicht gut genug. Ich musste mich wieder ran kämpfen. Zum Glück hat das geklappt. Und dann habe ich selber natürlich auch wieder durch die Verletzungen von anderen profitiert. Am Ende war es die Geduld, die ich auch schon im letzten Jahr aufgebracht hatte. Ich bin halt nicht verrückt geworden oder durchgedreht, sondern habe geschaut, dass ich wieder ran komme und an mir arbeite.

Hast du denn jetzt, wo du die letzten Spiele wieder zur Startelf gehörtest, etwas zu verlieren, bist du also vom Jäger zum Gejagten geworden? 

Rückendeckung geben wie hier bei Müller und Rückendeckung bekommen ist für Jung auch eine Frage des Glaubens.

Jung: Das würde ich nicht sagen. Es hat sich eigentlich nichts verändert. Wir haben mehrere Spieler auf dieser Position und jeder hat seine Chance. Es herrscht Konkurrenzkampf. Das war auch vorher so. Auch wenn ich nicht gespielt habe. Und ehrlich gesagt, hat man im Fußball auch nichts zu verlieren. Wenn man Gas gibt und seine Leistung bringt, kann man eigentlich nur gewinnen. Gerade bei der Mannschaft. 

Wie meinst du das?

Jung: Wie es im Moment bei uns läuft, bei der Stimmung und der Art zu arbeiten, ist es fast ein Selbstläufer, dass man seine Leistung bringt. Jeder versucht der Mannschaft zu helfen und freut sich darauf. Das gibt mir ein gutes Gefühl. 

Was hat sich eigentlich für dich verändert in dem letzten halben Jahr?

Jung: Eigentlich nicht so viel. 

Nichts?

Jung: Ich  denke, ich bin noch immer der gleiche. Mein Umfeld und meine Art zu leben auch.

Ist das ein Geheimnis deines Erfolges?

Jung: Es ist einfacher, wenn alles so bleibt wie es vorher war. Das versuche ich auch in meinem Verhalten und im Umgang mit meinen Freunden und Bekannten zu zeigen. Viele kennen mich lange und unterstützen mich heute im gleichen Maße wie sie es früher getan haben. Die haben sich auch nicht verändert und zum Beispiel größeren Druck ausgeübt.

Wieder rangekämpft! Auch in Belek musste der Mittelfeldspieler aufgrund von Rückenproblemen kurz aussetzen.

Weihnachten ist immer eine Zeit, um mal in Ruhe über das Vergangene nachzudenken und die Familie und alten Freunde zu treffen. War das bei dir diesmal auch so?

Jung: Ruhe hatte ich schon, aber nachgedacht habe ich über das halbe Jahr ehrlich gesagt nicht. Ich habe versucht abzuschalten, den Kopf frei zu bekommen und viel Zeit mit der Familie in Düsseldorf zu verbringen.

Kamen da viele zusammen?

Jung: An Weihnachten war ich nur mit meiner Mutter und meiner Schwester zusammen. Am zweiten Weihnachtstag waren wir in der Gemeinde zum Gottesdienst. Da treffe ich immer viele alte Freunde, mit denen wir dann abends zusammen essen gegangen sind. 

Was bedeutet dir der Glaube?

Jung: Er gibt mir Kraft und ist beruhigend zugleich. In meinem Glauben ist die Liebe zu Gott wirklich wichtig. Das ist der größte Bestandteil unseres Lebens. 

Wie äußert sich das in deinem Verhalten?

Jung: Ich halte mich an das Wort Gottes, an den Glauben und versuche danach zu leben. Dass es nicht immer klappt, ist klar, das wird auch nicht irgendwie vorgeschrieben oder aufgezwungen, aber man sollte zu versuchen, nach dem Wort zu leben. Mir gibt das Kraft.

Wenn etwas Negatives passiert oder es Probleme gibt, ist es für dich dann etwas, das dir als Prüfung von Gott auferlegt worden ist?

Fokussiert und konzentriert - die persönlichen Ziele für die Rückrunde verrät der 21-Jährige allerdings nicht.

Jung: Ich denke, das gehört dazu. Mein Weg ist sicher nicht gerade. Wir sagen, dass der Weg von Gott auch nicht gerade ist, sondern es immer wieder Hindernisse geben wird, die du bewältigen musst. Dann gibt er uns die Kraft, um das zu überstehen. Deshalb versuche ich, nach dem Wort zu leben. Wenn der Weg einfach wäre und gerade ist, dann wäre es leichter, nicht zu glauben. Aber die Hindernisse sind sowieso da, und durch den Glauben bekomme ich die Kraft, diese zu überwinden. 

Projizierst du das auch auf Fußball?

Jung: Auf jeden Fall. Es gibt mir auch im Fußballleben mehr Selbstbewusstsein und es fällt leichter, mit den Dingen umzugehen.   

Wie wirkt sich der Glaube auf deine Zukunftsplanung aus? Hast du weitreichende Ziele oder lässt du alles auf dich zukommen?

Jung: Ich habe ehrlich gesagt keine große Zukunftsvision.

Ich könnte dich nicht fragen, wo du in zwei und fünf Jahren stehen möchtest?

Jung: Eher nicht. Ich lebe eher von Tag zu Tag ohne mir den großen Kopf darüber zu machen, was ich dadurch für ein Ziel in ferner Zukunft erreiche. Ich versuche, mir kleine Ziele zu setzen. Ich bin eher dabei, was ich in naher Zukunft erreichen kann.

Ein Ziel für die Rückrunde gibt es dann also schon?

Jung: Ich habe natürlich in meinem Kopf, was ich persönlich schaffen und erreichen möchte. Das sind aber kleinere Schritte, auf denen dann wieder die nächsten aufbauen. Und wenn ich das nicht schaffe, probiere ich halt etwas anderes.

Verrätst du diese Ziele auch?

Jung: Die bleiben mein Geheimnis. Ich habe sie immer in meinem Kopf und weiß dadurch, wofür ich arbeite und woran ich arbeiten muss. Vielleicht kann ich dann im Sommer verraten, ob ich sie erreicht habe. 

FC Augsburg
1:3
34. Spieltag
14.05.2016
15:30 Uhr
Hamburger SV
präsentiert von
Bundesligaverein seit
tabelle
Pl. Mannschaft Spiele +/- Pkt
1.  FC Bayern München 34 80: 17 88
2.  Borussia Dortmund 34 82: 34 78
3.  Bayer 04 Leverkusen 34 56: 40 60
4.  Borussia M´gladbach 34 67: 50 55
5.  FC Schalke 04 34 51: 49 52
6.  1. FSV Mainz 05 34 46: 42 50
7.  Hertha BSC 34 42: 42 50
8.  VfL Wolfsburg 34 47: 49 45
9.  1. FC Köln 34 38: 42 43
10.  Hamburger SV 34 40: 46 41
11.  FC Ingolstadt 04 34 33: 42 40
12.  FC Augsburg 34 42: 52 38
13.  SV Werder Bremen 34 50: 65 38
14.  SV Darmstadt 98 34 38: 53 38
15.  TSG Hoffenheim 34 39: 54 37
16.  Eintracht Frankfurt 34 34: 52 36
17.  VfB Stuttgart 34 50: 75 33
18.  Hannover 96 34 31: 62 25
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