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Tom Mickel: Fliegender Start mit Vollgas
Seit Juli hat das Team von Trainer Rodolfo Cardoso einen Junioren-Nationaltorhüter zwischen den Pfosten stehen. Tom Mickel kam von Energie Cottbus an die Elbe, um den großen Sprung zu schaffen. ![]() Ob ihm der Einstand in Hamburg schwergefallen sei, wollten wir von Tom Mickel wissen. Der neue Torhüter des HSV II zögerte keine Sekunde, ehe er mit einem selbstsicheren „ganz und gar nicht!“ antwortete. Der 20-jährige Neuzugang von Energie Cottbus hatte so etwas wie einen fliegenden Start in der Hansestadt. Denn obwohl der Schlussmann erst Anfang Juli aus dem Jugendinternat des FC Energie Cottbus zu den Rothosen kam, kannte sich „der Neue“ schon bestens aus in seiner neuen Heimat. Bereits im letzten Jahr hatte sich der HSV um ihn bemüht, damals hatten die Cottbusser die Offerte der Hamburger noch als „nicht ausreichend“ abgeschmettert.
Doch Jens Todt, zu der Zeit noch Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Rothosen, versicherte, den Kontakt zu Mickel aufrecht erhalten zu wollen, um ihn ein Jahr später an die Elbe zu lotsen. „Der Wechsel scheiterte letztes Jahr lediglich an der zu hohen Ablöseforderung, die Gespräche mit dem HSV verliefen absolut positiv“, erinnert sich Mickel. Im Vertrauen, nächstes Jahr wieder mit ihrem Liebsten vereint zu sein, nahm seine Freundin ein Studium der Erziehungswissenschaft an der Uni Hamburg auf. Mickel: „Ich habe Sie immer wieder besucht, konnte Hamburg so schon kennenlernen, bevor ich letztlich dieses Jahr meinen Vertrag hier unterschrieb.“ Debüt beim T-Mobile Cup Eine Entscheidung, die der Torhüter nicht bereute, denn auch sportlich erwischte der neue Schlussmann im Rauten-Dress einen Kick-Start. Gerade einmal einige Wochen bei seinem neuen Arbeitgeber beschäftigt gab Mickel schon beim T-Mobile Cup-Halbfinale gegen den VfB Stuttgart sein Debüt in der ersten Mannschaft. „Dass es so schnell gehen würde mit meinem ersten Profieinsatz hatte ich nicht erwartet“ gibt der 20-Jährige zu. Bei seiner Heimspielpremiere im Europapokalspiel gegen Randers, als er neunzig Minuten in der gut gefüllten HSH Nordbank-Arena auf der Bank Platz nahm, sei er „völlig aus dem Häuschen gewesen“, erinnert sich Mickel lächelnd. „Trotz des schlechten Spiels haben die 42.000 Leute im Stadion für eine Riesenatmosphäre gesorgt“, zeigte sich der Neuzugang vom lautstarken Hamburger Publikum beeindruckt. Inzwischen steht er regelmäßig mit Rost und Co. auf dem Trainingsplatz, doch auch die Zweite Mannschaft zieht aus der Verpflichtung Mickels ihren Nutzen. Dort ist der ehrgeizige Neuzugang sofort zum Stammtorhüter avanciert und überzeugte in den ersten drei Saisonspielen. „Gerade im Spiel gegen Magdeburg standen wir enorm unter Druck, mussten das Unentschieden mit Mann und Maus verteidigen. Das hat unsere junge Mannschaft aber sehr gut gemacht“, ist Mickel von seinem neuen Team begeistert. „Trotzdem wäre auch in dem Spiel mehr möglich gewesen – es muss unser Anspruch sein, jedes Spiel gewinnen zu wollen“, ließ er gleich durchblicken, dass er nicht nur des Hafens wegen von Cottbus nach Hamburg zog. Körpergröße? Kein Problem! Diesen erkor der gebürtige Sachse aus dem beschaulichen Hoyerswerda sogleich zum Lieblingsplatz in seiner neuen Heimat: „Der Hafen und der Elbstrand sind wirklich toll! Schon als ich meine Freundin besucht habe, sind wir häufig an den Elbstrand gegangen. Wenn die Sonne scheint, hat das etwas von Urlaub – ideal um abzuschalten!“ findet der 1,83m „große“ Keeper. „Hier beim HSV hat mich der Trainer nur zur Seite genommen und mir gesagt, ich müsse meine individuellen Fähigkeiten halt stärker fördern, um mich von meinen Konkurrenten abzusetzen.“Sowieso sei jeder Torhüter unterschiedlich, manche machten fehlende Technik durch Körpergröße wett, andere seien als Lautsprecher extrem präsent auf dem Platz, glaubt der ambitionierte Sachse nicht, dass ein paar fehlende Zentimeter zum entscheidenden Stolperstein in seiner Karriere geraten könnten. Denn auch er ist sich seiner Stärken bewusst: „Ich habe bis zur C-Jugend mal zwei Jahre als Libero gespielt – diese Erfahrung hilft mir nun. Der moderne Keeper muss ein spielender Torwart sein, da kommen mir meine zwei Jahre in der Abwehr zugute“, glaubt Mickel. U20-WM oder HSV ? Auch internationale Erfahrung weist die neue Nummer eins der Regionalliga-Reserve der Rothosen bereits auf. Im letzten Jahr wurde er mit der U19-Auswahl des DFB Europameister, kam anschließend auf drei Einsätze in der U20-Nationalmannschaft von Bundestrainer und HSV-Legende Horst Hrubesch. Nun steht die kontrovers diskutierte U20-WM in Ägypten an, im Zuge derer Mickel in der vergangenen Woche für den Vorbereitungslehrgang vom 31.8. bis 8.9. in Saarbrücken eingeladen wurde. Somit ist auch eine Nominierung in den WM-Kader für den HSV-Neuzugang mehr als wahrscheinlich. „Die Weltmeisterschaft wäre ein tolles Erlebnis, im Falle einer Nominierung würde ich aber mit dem Trainer reden, ob ich dort hinfahre“, legte der Neu-Hamburger die Prioritäten klar auf seine Entwicklung beim HSV. Auch wegen des Urlaubsfeelings mit brütender Hitze braucht es den 20-Jährigen nicht zu dem Turnier auf dem afrikanischen Kontinent zu ziehen – denn was ist schon die Mittelmeerküste gegenüber dem Elbstrand? |
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