![]()
Eingewöhnung als Formbarometer
Michael Mancienne hat sich in den letzten Wochen zu einem der Leistungsträger beim HSV entwickelt. HSV.de besuchte den sympathischen Engländer in seiner Wohnung in der Hafencity. Hamburg - Schaut man sich im Wohnzimmer von Michael Mancienne um, fällt der Blick fast zwangsläufig auf das überdimensionale Bild an der Wand über der Couch. Es zeigt eine Straßenszene aus London - mit einem der typischen roten Doppeldeckerbusse. "Damit habe ich mir ein Stück Heimat ins Haus geholt", grinst Mancienne, als er HSV.de in seinem Appartement in der Hafencity empfängt und ergänzt, dass der Kauf allerdings eher ein Zufallsprodukt gewesen sei. "Ich habe das Bild gesehen und zugeschlagen. Ich weiß nicht einmal, welche Straße das genau ist".
Richtiges Heimweh nach seiner Geburtstadt hat der 24-Jährige nach rund 15 Monaten beim HSV eh nicht mehr. Natürlich telefoniere er regelmäßig mit seinen Eltern und auch seine Freundin Marisa sei so oft es geht bei ihm zu Besuch, doch sein „Hood“ ist jetzt die Hansestadt – oder besser gesagt die Hafencity. „Wenn ich in meiner Wohnung bin, ist es wirklich jedes Mal wie nach Hause kommen“, beschreibt er sein Gefühl bei der Rückkehr von Auswärtsspielen. Von der Küche aus kann man über die Dächer der Innenstadt schauen „Das erinnert mich auch ein wenig an London“. Von seinem Sofa im Wohnzimmer hat man einen fantastischen Blick auf die Elbe und den Hafen. „Das Wasser hat eine beruhigende Wirkung auf mich. Nur wenn die Queen Mary einläuft, habe ich hier keine Ruhe“, lacht er. Vom Balkon aus zeigt er uns, wo die Kollegen „Ivo“, „Jeff“ und Sala wohnen. „Und die Straße runter ist mein Lieblingsrestaurant“, schwärmt er von La Baracca gleich um die Ecke. "Jeder braucht eine gewisse Anlaufzeit" Mancienne hat sich eingelebt. Das wird in jeder Minute des Gesprächs deutlich. Und sein privates Glück spiegelt sich auch auf dem Platz wider. In den vergangenen Wochen avancierte der Mann mit dem unverwechselbaren Zopf zu einem der Leistungsträger der Rothosen. "Das eine hat mit den anderen zu tun", erklärt Mancienne. Jeder brauche eine gewisse Anlaufzeit, um sich auf alle neuen Gegebenheiten einzustellen. "Ich weiß, dass auch Kevin Keegan in seiner ersten Saison noch nicht so stark gespielt hat", blickt er bestätigend in die Vergangenheit seines Landsmannes zurück, obwohl er damals noch nicht einmal geboren war. Seine Eltern kamen 1985 von den Seychellen nach London. 1988 erblickte Mancienne als Michael Ian Junior im Londoner Bezirk Feltham das Licht der Welt. Junior, weil auch sein Vater Michael heißt. Von ihm übernahm er nicht nur den Vornamen, sondern auch gleich das Talent an der Lederkugel. Denn auch Michael Senior war Fußballer. Ein sehr erfolgreicher obendrein. Als Mittelfeldspieler lief er lange Jahre für die Nationalmannschaft der Seychellen auf. "Dort ist er ein richtiger Star", verrät Manchienne. "Vor kurzem wurde er sogar in die Jahrhundertelf gewählt." Auf den Spuren des Vaters Früh trat der HSV-Verteidiger in die Fußstapfen seines Vaters. In jungen Jahren spielte er für die Kingstonian Colts, bevor er mit acht Jahren vom FC Chelsea entdeckt wurde und von da an seine Zeit in der Jugendakademie der Blues verbrachte. Mit 16 debütierte Mancienne in der U16-Nationalmannschaft Englands. Es folgten bis zur U21 61 Spiele für die Nachwuchsmannschaften der Three Lions. "Für mich war von Anfang an klar, dass ich für England spielen werde", verrät er heute. Zuhause gab es deshalb keinen Stress. Seine Eltern unterstützen ihn, wo sie nur konnten. Als Dank kaufte er ihnen vor einigen Jahren ein Haus in Teddington, wo sie zusammen mit seiner Schwester Charlotte leben. Zu diesem Zeitpunkt hatte Mancienne bereits zwei Jahre als Leihspieler für die Queens Park Rangers in der Premiere League gespielt. Es folgte ein weiteres halbes Jahr bei den Wolverhampton Wanderers, ehe er zum FC Chelsea zurückkehrte. In der Saison 2008/09 wurde Mancienne zum "Young Premiership Player of the year" gewählt. Eine Auszeichnung, die ihn bereits früh in den Kader der U21-Nationalmannschaft spülte. Im Sommer 2011 führte er die Auswahl bei der Europameisterschaft als Kapitän aufs Feld. Riesen Schritt in der Entwicklung Viele trauten ihm dort schon den Sprung in die A-Nationalmannschaft zu. Nur beim FC Chelsea konnte sich der Innenverteidiger aufgrund der großen Konkurrenz nie richtig durchsetzen. So ergriff er die Chance, in die Bundesliga zu wechseln. "Ich habe diesen Schritt nie bereut", sagt er. Jede Woche spiele man hier auf hohem Niveau, könne sich gegen keinen Gegner ausruhen. Nach einem Jahr Anlauf hat er nun den Sprung in die Stammformation von Thorsten Fink geschafft. „Er hat einen riesigen Schritt in seiner Entwicklung gemacht“, bestätigt der Trainer. Seine ruhige Art und seine vorbildliche Einstellung machen ihn zudem zu einem wichtigen Teil des Teams. Im Sommer wurde er deshalb in den Mannschaftsrat gewählt. Die ihm übertragene Verantwortung bestätigt er nun auch Woche für Woche auf dem Feld. Bei der Frage, ob er sich deshalb auch eine Berufung in die Nationalmannschaft vorstellen könne, wiegelt er schnell ab. Im Moment zähle nur Hamburg. „Alles andere kommt von ganz alleine“, so Mancienne. Niemand weiß so gut wie er, dass man für manche Dinge einfach ein bisschen Zeit braucht. |
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||








































