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Teams Bundesliga 05.09.2010
Lächeln als Erfolgsgeheimnis

Der 18-jährige Südkoreaner Heung Min Son katapultierte sich in der Vorbereitung aus dem HSV-Internat auf die große Fußballbühne und begeisterte Trainer, Spieler und Fans gleichermaßen. Mit seinem Siegtor gegen den FC Chelsea schoss er sich in alle HSV-Herzen. Ein Mittelfußbruch stoppte vorerst den rasanten Aufstieg. Doch in der Reha arbeitet der Stürmer täglich hart an seinem Comeback. hsv.de begleitete den sympathischen Shooting-Star einen Tag und versuchte hinter sein Erfolgsgeheimnis zu kommen.

Hamburg – Der Körper hebt sich aus dem Wasser. Die Augen fixieren den Ball. Mit einer wuchtigen Nick-Bewegung köpft Heung Min Son die Kugel zielgerichtet zurück zur Werferin. Kurze Drehung um die eigene Achse  - schon ist der nächste Ball im Anflug. Son beißt auf die Zähne. Noch zweimal. Noch einmal. „Sehr gut, das reicht“, beendet die Physiotherapeutin das Vormittagsprogramm im Schwimmbecken. Son kneift die Augen zusammen. Geschafft. Und da ist es: das Lächeln, das Strahlen über das gesamte Gesicht. Natürlich. Freundlich. Sympathisch. Und irgendwie ansteckend. Heung Min Son ist eine Frohnatur. Und genau so hat er sich in die Herzen der Trainer, Spieler und Fans gespielt - in Windeseile. „Manchmal kommt es mir vor, wie ein großer Traum“, bestätigt Son, als er aus dem Wasser steigt. Das eine oder andere Mal müsse er sich kneifen,  um zu verstehen, was da mit ihm passiert ist.
 
Son ist noch ein wenig aus der Puste, atmet tief durch. Die Vorbereitung bei den Profis sei hart gewesen, berichtet er, „aber auch Aqua Jogging ist anstrengend“. Wie bitte? Aqua Jogging? Kein Profi würde zugeben, sich daran zu ereifern. Son schon. Er gibt auch im kleinen Kachelbecken alles. Denn er hat ein Ziel: möglichst schnell wieder auf den Fußballplatz zurückzukehren. Dorthin, wo er vor kurzem als großes Supertalent Schlagzeilen produzierte. Vor dieser Saison kannten seinen Namen nur die wirklichen Experten. Beim Trainingsauftakt am 28. Juni hatten die meisten der Trainingskiebitze und Journalisten seinen Namen noch nie gehört. So wie in jedem Jahr standen beim Aufgalopp zahlreiche Nachwuchstalente neben den etablierten Profikräften auf dem Rasen. Son war einer von ihnen.
 
"Der Junge macht richtig Spaß"

Mit der Empfehlung der Nachwuchstrainer hatte Armin Veh ihn und weitere Mitspieler aus der A-Jugend „nach oben“, wie es so schön heißt, beordert. Gut 80 Minuten nach Trainingsbeginn kannten ihn auch die an diesem Tag anwesenden Zuschauer. Um 11.28 Uhr schoss Son das erste HSV-Tor der Saison. Es folgten an diesem Tag die Treffer von Marcus Berg, Mladen Petric und Ruud van Nistelrooy. Doch das war nur zweitrangig. „Wer ist denn dieser kleine Südkoreaner? Der hat ja mutig aufgedribbelt“, geisterten die ersten lobenden Worte unter den Fans umher. Der Beginn einer Erfolgsstory, eines Fußballmärchens.

Heute erkennen ihn die Leute. „Hey Son“, wie geht es dir“, klopft ihn ein Angestellter auf die Schultern, als er auf Krücken das Reha-Zentrum verlässt. Seine Geschichte begeistert. Der Duftmarke des ersten Trainings folgten weitere Erfolgs-Aromen. In den ersten neun Testspielen traf Son neunmal und war damit bester HSV-Torschütze der Vorbereitung. Armin Veh ließ keinen Moment aus, seinen neuen Shooting-Star zu loben. „Der Junge macht richtig Spaß. Den geb ich nicht wieder her“, sagte der Übungsleiter, der in seiner Karriere schon zahlreiche Nachwuchskräfte zu etablierten Bundesligastars formte. Und Son? Der tat im Grunde nur das, was er am meisten liebt: Fußball spielen. „Alle fragen mich immer, warum ich immer so lache. Ich weiß es auch nicht. Wenn ich auf dem Platz bin, gebe ich einfach Gas und spiele Fußball!“ Einfache Worte mit großer Wirkung. Bei Son scheinen die Bewegungen auf dem Rasen mit einer besonderen Leichtigkeit verbunden. Er hat Spaß an der Sache und das merkt man ihm in jedem Moment an.

Son zeichnet ein besonderer Fleiß aus

Das Highlight war zweifelsohne das Testspiel gegen den FC Chelsea. Fünf Minuten nach seiner Einwechslung traf der Südkoreaner kurz vor Schluss zum 2:1-Sieg. Dabei ließ er Portugals Nationalspieler Ricardo Carvalho stehen wir einen Jugendspieler. Als hätte er nie etwas anders getan. Der neue Publikumsliebling war geboren. In Korea haben seine Eltern den ersten großen Auftritt ihres Sprösslings live im Internet verfolgt.  „Meine Mutter hat geweint“, berichtet der 18-Jährige verlegen, „aber mein Vater hat gesagt, ich müsse noch mehr machen.“  Täglich telefoniert oder chattet Heung Min mit seinen Eltern, berichtet von seinen Erfahrungen.

Dafür hat er extra ein zweites Handy, „ein Korea-Handy“, wie er erklärt. Seinem Vater, der Nationalspieler Südkoreas war, muss er jedes Training genauestens beschreiben. Dafür erhält er im Gegenzug Tipps, was er besser machen kann. „Er war mein Trainer bis ich 15 war“, erklärt Son, als er am HSV-Internat aus dem Bus aussteigt. Bis vor zwei Jahren konnte der Vater die Fortschritte noch persönlich überprüfen. Dann führte der Weg seines Sohnes nach Deutschland. Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem HSV und dem Koreanischen Fußballverband (KFA) kam Heung Min in die Hansestadt. Zusammen mit zwei weiteren Juniorennationalspielern Südkoreas wurde er für ein Jahr in einer WG in der Nähe des Nachwuchsleistungszentrums in Norderstedt untergebracht und spielte in der B-Jugend des HSV.

van Nistelrooy - das große Vorbild

Neues Land, neue Sprache - zunächst war die Verständigung schwer. Aber Son zeichnete sich aus, wollte sich von Anfang an schnellstmöglich integrieren, berichtet Internatsleiter Oliver Spincke. Er büffelte die Sprache und war auch sportlich eine Bereicherung. Nach einem Jahr schien dennoch alles vorbei. Alle drei Austauschspieler traten den Heimweg an. Doch Son kam wieder. Er wollte sich in Deutschland unbedingt durchsetzen. Zur Rückrunde der vergangenen Saison zog Son ins HSV-Internat und spielte wieder für die A-Junioren.Auf dem Foto zu seinem Zimmer ist ein Bild aus dieser Zeit. „Das muss mal gewechselt werden“, sagt er und schließt die Tür auf.

15 qm haben die Talente hier zum wohnen, schlafen und natürlich auch träumen. Im Bett liegt ein Ball. „Ich schlafe sogar damit“, lacht der Angreifer als er die Jalousie zum Balkon öffnet. Von hier hat er einen Blick auf den Fußballplatz hinter dem Internat. „Hey Profi“, ruft ihn ein anderer Bewohner zu, der gerade zum Kicken auf dem Rasen gegangen ist. Son lacht. Er hat den ersten Schritt geschafft. Den Sprung in den Profikader. An der Wand in seinem Zimmer hängt neben dem Trikot von Didier Drogba (besorgt von Guy Demel) und der Fahne Südkoreas ein riesen Poster von Cristiano Ronaldo – seinem Idol, wie er zugibt. „Aber ihn kannte ich nicht, als ich klein war. Damals war Ruud van Nistelrooy mein großes Vorbild“, ergänzt Son.

Gesunde Mischung aus Ehrgeiz und Lockerheit

Heute spielt der mit dem holländischen Superstar in einer Mannschaft. „Das ist unglaublich. Ein Traum“, strahlt der Nachwuchsmann. Von dem Weltstar gibt es jetzt Tipps aus erster Hand. Van Nistelrooy kümmert sich um den kleinen So(h)n. „Er spricht sehr viel mit mir“, erzählt Son. Er war es auch, der ihn wieder aufbaute, als er einen Tag nach dem Chelsea-Spiel mit Krücken in die Arena humpelte, in der Tasche die bittere Diagnose des Mittelfußbruches. Beim Mannschaftsfotoshooting brachte „Van the Man“, den kleinen Koraner, der Tränen in den Augen hatte, anschließend wieder zurück in die Kabine.

„Er hat mir Mut zugesprochen. Er hat gesagt, dass er auch schon schwere Verletzungen hinter sich hat und immer stärker zurückgekommen ist“, erzählt Son. Und genau das will er auch: zurück auf den Fußballplatz, zurück in die Erfolgsspur kommen. Das Bild an seiner Tür tauscht er deshalb schon einmal aus. Das Foto als A-Jugendspieler weicht einem im Bundesligatrikot. Mit einem Lächeln im Gesicht schraubt  er den Rahmen ab. Und wieder bestätigt sich dabei: Er hat sie einfach - diese gesunde Mischung aus Ehrgeiz und Lockerheit, mit der er alle Dinge anpackt, und mit der es wahrscheinlich noch weit bringen wird. Nach diesem Tag sind zumindest wir davon überzeugt.

Son vor dem HSV-Internat in Norderstedt.

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tabelle
Pl. Mannschaft Spiele +/- Pkt
1.  Bor. Dortmund 20 45: 14 43
2.  Bayern München 19 46: 13 40
3.  FC Schalke 04 19 45: 24 40
4.  M'gladbach 19 31: 12 39
5.  Werder Bremen 19 31: 32 31
6.  Bayer Leverkusen 19 26: 25 30
7.  Hannover 96 19 21: 24 27
8.  1899 Hoffenheim 19 20: 22 23
9.  VfL Wolfsburg 19 24: 36 23
10.  VfB Stuttgart 19 24: 26 22
11.  Hamburger SV 19 24: 33 22
12.  1.FSV Mainz 05 19 27: 33 21
13.  1.FC Köln 19 28: 40 21
14.  1.FC Nürnberg 20 19: 31 21
15.  Hertha BSC 19 25: 30 20
16.  1.FC Klautern 19 15: 23 18
17.  FC Augsburg 19 17: 31 16
18.  SC Freiburg 19 23: 42 16
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