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Teams HSV-Frauen 10.11.2010
„Blatter sagte: ‚Die Zukunft des Fußballs ist weiblich‘!“

Florian Graudegus (25) ist Co-Trainer der HSV Frauen. Mit Beginn der Saisonvorbereitung übernahm er diesen Job, der ihm „nach wie vor eine Menge Spaß macht“, wie er im Interview mit HSVLive und hsv.de erklärte. Außerdem sprachen wir mit ihm über seine Ambitionen als Trainer, seinen Universitätsabschluss und die mangelnde Fähigkeit, Emotionen in bestimmten Situationen zu kontrollieren.

Flo, die meisten kennen Dein Gesicht. Jeder, der in dieser Saison schon mal ein Spiel an der Hagenbeckstraße verfolgt hat, kennt aber auf jeden Fall auch deine Stimme.
Florian Graudegus
(lacht): Ich gehe halt voll mit! Wenn ich versuche, zusammen mit Achim bestimmte Dinge anzusprechen, dann hört das für mich nicht im Training auf. Da bin ich dann halt auch an der Seitenlinie laut. Wobei das ja meist eher Anfeuerungsrufe als taktische Anweisungen sind.

Deine Stimme ist jedenfalls immer wieder gut und deutlich zu vernehmen…
Graudegus:
Da bin ich beruhigt. Ich bin eher der Typ, der sich während des Spiels nicht zurücknehmen kann. Vielleicht liegt mein Mitteilungsbedürfnis auch darin begründet, dass ich früher als Torwart auch immer viel rumgeschrieben habe. Ich weiß es nicht. Beschwerden sind mir jedenfalls noch keine zu Ohren gekommen.

Wenn man dich im Umgang mit der Mannschaft beobachtest, scheint klar – Florian Graudegus kommt sehr gut an. Wie sieht er das selbst?
Graudegus:
Es macht einfach unheimlich viel Spaß, mit dieser Mannschaft zu arbeiten. Die Mädels ziehen immer gut mit. Wie gut ich nun „ankomme“, müssen andere beurteilen. Ich glaube, dass wir sehr gut zusammen arbeiten können und es auch zwischenmenschlich in diesem Team passt. Das schließt uns Trainer mit ein.

‚Trainer‘ ist das richtige Stichwort! Seit dem 1. Juli diesen Jahres bist du offiziell Assistenztrainer von Chefcoach Achim Feifel. Inzwischen haben wir Ende Oktober. Wie hast Du Dein erstes halbes Fußballjahr in der Frauen-Bundesliga erlebt?
Graudegus:
Als das Angebot kam, habe ich mir überlegt: Du bekommst die Chance, auf nationalem Topniveau, womöglich in der besten Liga der Welt im Frauenbereich zu arbeiten. Das war für mich eine Möglichkeit, die ich mir einfach nicht entgehen lassen konnte. Ich bin auch im Nachhinein sehr froh, dass ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und unterschrieben habe. Das tägliche Training, die Spiele – überall ist viel Arbeit, die sehr viel Spaß macht.

Arbeit, die Du Dir mit Achim teilen kannst. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?
Graudegus:
Man muss es doch auch mal so sehen: Ich bin noch ein sehr junger Trainer. Wann bekommt man da schon mal die Chance, an der Seite eines Fußballlehrers zu arbeiten? Ich hoffe, er sieht unser gemeinsames Wirken ähnlich positiv, aber ich denke, wir ergänzen uns sehr gut! Wir besprechen uns täglich vor dem Training, planen die Einheiten eigentlich immer zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit kann ich auch persönlichen Nutzen ziehen, da ich viel lerne.

„Learning by doing“. Wie sieht es aus? Wird aus Florian Graudegus selbst auch irgendwann ein Fußballlehrer?
Graudegus:
Bevor man zur Ausbildung zum Fußballlehrer in Köln zugelassen wird, muss man sich ja zuerst einmal die gesammelten anderen Lizenzen besorgen. Ich habe meine C-Lizenz, möchte nach dieser Saison gerne die nächsthöhere B-Lizenz machen. Ich hatte schon jetzt im Oktober die Möglichkeit dazu, wollte mich aber nicht drei Wochen lang aus allem herausnehmen. Es geht alles step by step.

Schritt für Schritt auf der Karriereleiter nach oben. Der Nächste wäre wohl nun erst einmal der Abschluss deines Studiums. Wie ist es um diese Front bestellt? Hat ein Bundesliga-Co-Trainer noch Zeit zu studieren?
Graudegus:
Spätestens nächstes Jahr im Sommer wäre ich dann doch ganz gerne diplomierter Sportwissenschaftler. Bis dahin habe ich aber noch einiges zu tun. Einen theoretisch/praktischen Teil meiner Abschlussarbeit gebe ich in den kommenden Tagen ab. Damit habe ich aber erst ein Drittel erledigt. Es folgt noch eine mündliche Prüfung und die Diplomarbeit an sich.

Thematisch würde sich dafür ja durchaus der Frauenfußball anbieten…
Graudegus:
Na klar! Der mächtigste Mann im Fußball, FIFA-Präsident Sepp Blatter, hat mal gesagt: „Die Zukunft dieser Sportart ist weiblich“. Damit möchte ich mich in meiner Diplomarbeit beschäftigen. Welche Chancen hat der Frauenfußball tatsächlich? Kann er sich gegen die Kategorisierung innerhalb der öffentlich männerregierten Domäne durchsetzen?

Was waren Deine Highlights der ersten Monate als Co-Trainer?
Graudegus:
Sicherlich zählt das Erreichen des DFB Pokal-Viertelfinales dazu. Zu den besten acht Mannschaften im Wettbewerb zu gehören, nachdem der Start dort in den letzten Jahren meist eher enttäuschend verlief, ist schon ein Erfolg. Auch die Siege gegen Wolfsburg und Bayern, die doch noch über einen anderen finanziellen Background als wir verfügen, waren schön. Es ist gut für das Selbstvertrauen, wenn man sieht, dass wir uns mit diesen Mannschaften durchaus auf Augenhöhe befinden. Mein absolutes Highlight war aber der „Sieg der Herzen“ – das 2:2 in Duisburg. Wie die Mannschaft dort aufgetreten ist, hat mich wirklich beeindruckt!
 



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tabelle
Pl. Mannschaft Spiele +/- Pkt
1.  Dortmund 34 80: 25 81
2.  FC Bayern 34 77: 22 73
3.  Schalke 04 34 74: 44 64
4.  M'gladbach 34 49: 24 60
5.  Leverkusen 34 52: 44 54
6.  Stuttgart 34 63: 46 53
7.  Hannover 34 41: 45 48
8.  Wolfsburg 34 47: 60 44
9.  Bremen 34 49: 58 42
10.  Nürnberg 34 38: 49 42
11.  Hoffenheim 34 41: 47 41
12.  Freiburg 34 45: 61 40
13.  Mainz 34 47: 51 39
14.  Augsburg 34 36: 49 38
15.  Hamburg 34 35: 57 36
16.  Hertha BSC 34 38: 64 31
17.  Köln 34 39: 75 30
18.  K'lautern 34 24: 54 23
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