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Verein 15.08.2011
Der HSV Aufsichtsrat sollte nicht verkleinert werden

Es gibt viele gute Gründe, das öffentliche Bild des Aufsichtsrates und seine Effektivität verbessern zu wollen. Der Autor dieses Beitrags, selbst 8 Jahre Mitglied des Aufsichtsrates gewesen, erläutert, warum es ein Irrweg wäre, dies vorrangig durch eine Verkleinerung des Gremiums erreichen zu wollen. Er fordert, eher die Anforderungen an die zu wählenden Aufsichtsräte zu erhöhen.

Seit 1996 gibt es in der Satzung des HSV einen Aufsichtsrat. (§ 17). Das sind gerade einmal 15 Jahre. Durch die weitere Kommerzialisierung des Fußballbundesligafußballs allgemein und damit auch beim HSV, als einem Deutschen Spitzenverein, musste die Vereinssatzung damals so angepasst werden, dass neben einem vierköpfigen Vorstand ein Aufsichtsrat installiert wurde. Mit Uwe Seeler an der Spitze des Vorstandes und Udo Bandov, dem damaligen Vorsitzenden der Vereins- und Westbank, an der Spitze des Aufsichtsrates, begann es.

Die Entscheidung, ein eigenes Stadion zu bauen und gleichzeitig eine Bundesligaspitzenmannschaft zu formen und das zu finanzieren, erforderte nach Meinung der damals 7.900 Mitglieder einen hochkarätigen Aufsichtsrat mit Kontakten in alle Bereiche unserer Stadt. Es ging damals notwendigerweise nur um Qualitäten. (Banker, Medienvertreter, Politiker Unternehmer, Veranstaltungsmanager, wie Frank Mackerodt, Verbandsvertreter, Wirtschaftsprüfer, sowie erfolgreiche HSV Fußballer, wie Jürgen Werner). Persönlichkeiten, die danach ausgewählt wurden, wie sehr sie als „Große Koalition der Stadt“ den HSV unterstützen und voranbringen konnten! Die „Raute im Herzen“ zu tragen, schon zwanzig Jahre lang ins Stadion gegangen zu sein, begeisterter Fan zu sein, waren daher nicht vorrangige Voraussetzungen. Dafür sollte die spezielle HSV Verbundenheit im Aufsichtsrat durch je einen delegierten Vertreter der Organe des Vereins gesichert sein, nämlich der Fördernden Mitglieder, der Amateure, der Gemeinschaft der Senioren, und dem HSV Ochsenzoll-Norderstedt e. V.! So die Grundideen der Väter der Satzung. Es lohnt sich, diese zu studieren, ehe man an Reformen herangeht.

Solche Reformen streben nun u. a. einige langjährige Mitglieder an, die zugegeben erfahren sind mit den Schwierigkeiten, einen HSV Aufsichtsrat zu führen. Verkleinerung des Aufsichtsrates sei die Lösung! Und das ausgerechnet in diesen Tagen mit nun über 71.800 Mitgliedern und dem Riesenbedürfnis etlicher HSVer demokratisch teilzuhaben am Geschehen in und um unseren HSV! Der Aufsichtsrat könne mit 7 oder 9 Mitgliedern effektiver arbeiten, die Termine wären einfacher zu koordinieren und die Sitzungen würden nicht mehr so endlos dauern, so lauten die Argumente. Ich bezweifele sehr, dass diese Ziele durch eine Verkleinerung des Aufsichtsrates erreicht werden würden.

Ich kritisiere aber auch die Zielsetzung an sich. Ziel muss es doch sein, einen lebendigen Aufsichtsrat aus fähigen Mitgliedern zu gewinnen, die ihre Qualitäten auf unterschiedlichen Gebieten nachhaltig bewiesen haben und kraft ihrer Persönlichkeit in der Lage sind, Zielsetzungen gemeinsam mit dem Vorstand zu erarbeiten, zu formulieren und umzusetzen und letztlich auch sachverständig zu kontrollieren. Ziel soll es aber doch nicht sein, dies zu verhindern mit einer geringeren Zahl von Aufsichtsräten, die ihre Sitzungen schnell durchziehen. Ich habe acht Jahre im Aufsichtsrat selbst erfahren, dass die Zahl 12 sich durchaus bewährt hat, jedenfalls von 1996 bis 2004!
Auf keinen Fall dürfen Aufsichtsräte aber an Weisungen von Gruppierungen, die ihre Wahl befördert haben, gebunden sein. Sie müssen sich frei nach ausführlicher Information und Meinungsaustausch untereinander entscheiden können. Da es zurzeit im Aufsichtsrat offenbar starre kaum auflösbare Gruppeninteressen gab und gibt, spielt die Zahl der Aufsichtsräte schon gar keine Rolle, sondern eher die Fähigkeit und persönliche Freiheit jedes Aufsichtsratsmitglieds, zum Wohle des Ganzen, auch einmal seine Meinung zu überdenken.

Wenn im Zuge der Bestrebungen, den Aufsichtsrat zu verkleinern, die „Reformer“ nun zunächst den Delegierte der Gemeinschaft der Senioren und den des HSV Ochsenzoll-Norderstedt * entfallen lassen wollen, entlarven sie ihre mangelnden Wertschätzung und Kenntnis der Bedeutung dieser Satzungsorgane im HSV. Haben deren Delegierte doch in den vergangenen 15 Jahren bewiesen, dass sie die Interesen unseres Vereins, oft als Urgesteine des HSV hervorragend wahrgenommen haben (Horst Eberstein, Gerd Krug, Holger Criwitz und Otto Rieckhoff) und damit gerade die von der Satzung gewollte Vertretung der HSVer im Aufsichtsrat verkörpert haben. Wenn der Aufsichtsrat schon eine Kulturdiskussion im Verein anregt, sollte er aber zunächst selbst mit gutem Beispiel vorangehen, und die anderen Gremien im Verein nicht minder wertschätzen als sich selbst.
 
Kluge Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie aus Erfahrungen lernen. Eine Satzungsänderung bedarf einer Mehrheit von ¾ der gültigen Stimmen der Mitgliederversammlung. Dies ist eine bewusst hohe Hürde, um eine Satzung vor Anträgen aus aktuellen Anlässen zu schützen. Auf der Mitgliederversammlung im Jahre 2008 hatte ein damals eingesetzter Satzungsausschuss mehrheitlich eine Verkleinerung des Aufsichtsrates auf neun Personen beantragt. Dieser Antrag wurde nach heftigen Diskussionen in der Mitgliederversammlung abgeschmettert.
 
Ein von der Mitgliederversammlung am 9.Januar 2011 eingesetzter Satzungsausschuss hat sich nun in der öffentlichen Sitzung vom 19. Mai 2011 mit einem Stimmverhältnis von acht zu drei für die Beibehaltung des Aufsichtsrates mit acht von der Mitgliederversammlung gewählten und vier delegierten Mitgliedern* ausgesprochen. Das sollten die“ Reformer“ zur Kenntnis nehmen!

Zusammenfassend empfehle ich den Gedanken fallenzulassen, die Effektivität des Aufsichtsrates durch Verkleinerung des Gremiums zu verbessern. Dies wäre ein Irrweg und hätte in der Mitgliederversammlung keine Chance. Wichtiger wäre, bei der Wahl der Aufsichtsratsmitglieder deren nachgewiesene Fähigkeiten zu bewerten, Aufsichtsratsmitglieds des HSV sein zu können.
Die Gemeinschaft der Senioren hat am 5.September 2011 die Gelegenheit und als bedeutendes Organ des HSV auch die Verpflichtung bei der Nachwahl ihres Vertreters hohe Maßstäbe anzulegen.

 
Dieter Horchler
Vorsitzender des Seniorenrats

 

* unabhängig von aktuellen Entwicklungen hier



 
Die European Club Association (ECA) ist die Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine, der insgesamt 201 Vereine aus 53 UEFA-Mitgliedsländern angehören. Der Verband löste die Interessenvertretung G-14 ab. Der HSV ist einer von nur vier Bundesligavereinen mit einer Vollmitgliedschaft. Mehr darüber gibt es auf der Homepage der ECA.
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