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Verein 26.11.2015
"Es ist höchste Zeit, den Verteilerschlüssel anzupassen"

HSV-Marketing-Vorstand Joachim Hilke spricht im Interview mit HSV.de über die Möglichkeiten der Vermarktung der Bundesliga. 

Im Vorfeld der TV-Rechte-Ausschreibung diskutiert die Liga gegenwärtig die zukünftige Verteilung der Erlöse. HSV-Marketingvorstand Joachim Hilke, der sich bereits zu Beginn des Jahres dazu geäußert hatte, bezieht Stellung und schlägt eine entsprechende Neuordnung vor.
 
HSV.de: Joachim Hilke, wie ist Ihre Meinung zu dem vom FC St. Pauli gestellten Antrag, den Clubs, die die 50+1 Regelung nicht einhalten, von den Erlösen der zentralen Vermarktung auszuschließen? 
 
Joachim Hilke: Zurzeit erfüllen Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim die 50+1 Regelung nicht. Durch eine Sondergenehmigung der DFL partizipieren diese Clubs dennoch wie alle anderen an der Verteilung der Erlöse. St. Pauli möchte nun, dass die drei Clubs ausgeschlossen werden, weil sie als sogenannte Werksvereine beziehungsweise durch ihre finanzstarken Gesellschafter per se wirtschaftlich besser gestellt seien. Das ist ein ideologisch motivierter Vorstoß, der uns bei der grundsätzlichen Diskussion um den zukünftigen gerechten Verteilungsschlüssel nicht weiterhilft. Unabhängig davon hat sich die Gemeinschaft der Bundesligaclubs eine Satzung gegeben, die die Verteilung unter allen Mitgliedern regelt. Diese Regelung nun mehr anfechten zu wollen, ist unfair. Die betroffenen Clubs müssten adhok ihr Geschäftsmodell über Bord werfen. So kann man nicht miteinander umgehen. Wir verstehen die Argumente des FC St. Pauli, teilen diese jedoch in keiner Weise und werden bei der DFL-Mitgliederversammlung in der kommenden Woche gegen diesen Antrag stimmen.

Joachim Hilke sieht die Wachtspotenzilae der DFL in den außereuropäischen Märkten.

Soll denn alles bleiben wie bisher?

Hilke: Nein. Es ist höchste Zeit, den Verteilerschlüssel anzupassen. Wir brauchen vielmehr ein Verteilungskonzept mit zeitgemäßen Verteilungskriterien. Selbstkritisch muss ich sagen, dass es in dem Zusammenhang nicht reicht, einfach nur höhere Vermarktungserlöse von der DFL zu fordern. Wir sollten auch alle bereit sein, im Sinne aller Clubs die Qualität und die Nachfrage nach der Bundesliga mit intelligenten, durchdachten Maßnahmen weiter zu erhöhen. Nur wenn wir insgesamt einen größeren Kuchen backen, können wir über seine sinnvolle und faire Verteilung nachdenken.

Wie müsste der idealtypische Verteilerschlüssel ihrer Meinung nach aussehen?

Hilke: Leider ist es so, dass das Thema größtenteils von der Angst etwas einzubüßen getrieben wird und eine reine Politik der Eigeninteressen vorherrscht.

Ihre Empfehlung?

Hilke: Wir müssen uns in eine viel konsequentere Auseinandersetzung mit der Gesamtthematik begeben. Warum sollten wir nicht ein Gremium gründen, das die Aufgabe erhält, einen für das Wachstum und die aktuellen Rahmenbedingungen idealtypischen Verteilerschlüssel zu erarbeiten? Wir haben ja noch genug Zeit, bis der neue Zyklus 2017/18 beginnt. In einem solchen neutralen Gremium würde ich Vertreter der DFL, der Bundesliga und der 2. Liga sehen, aber auch neutrale Fachleute wie Uni-Professoren, Medienleute, Sponsoring- und Marketingexperten.

Wo liegen die Wachstumspotenziale?

Hilke: Ganz deutlich in den außereuropäischen Märkten. Man sollte daher überlegen, Reisen und Aktivitäten der Bundesliga-Clubs zur Stärkung des internationalen Geschäfts zur Lizenzauflage zu machen. Gleichermaßen sollten die Erlöse aus Touren und Freundschaftsspielen dann in einen gemeinsamen Topf einfließen.

Da dürften dann doch aber die Topclubs aufschreien, die beispielsweise in Asien Millionengagen erzielen, während kleine Aufsteiger plus minus null aus so einer Reise kämen.

Hilke: Das sehe ich anders. Auch die Topclubs haben ein großes Interesse an der internationalen Vermarktung der Bundesliga und an einer Verbesserung unseres Gesamtprodukts. Außerdem heißt „gemeinsamer Topf“ ja nicht, dass am Ende alle gleich viel bekommen sollen. Der FC Bayern, das beste Produkt der Bundesliga mit der größten Strahlkraft, sollte natürlich auch den größten Anteil bekommen. Auch das regelt dann die Mechanik einer neuen Verteilung.

Haben Sie konkrete Vorschläge, was beim künftigen Verteilerschlüssel gewährleistet sein sollte?

"Es reicht nicht, einfach nur höhere Vermarktungserlöse von der DFL zu fordern", sagt Joachim Hilke.

Hilke: Ja. Grundsätzlich gilt: Für die großen Vereine muss die Liga weiterhin attraktiv und ertragreich sein, damit die Idee einer Europaliga endgültig vom Tisch ist. Darüber hinaus muss bei der Verteilung die Nachfrage nach den einzelnen Clubs deutlich mehr ins Gewicht fallen. Die tatsächliche Nachfrage kann man zum Beispiel wunderbar an den Einschaltquoten festmachen. Wer mehr gesehen wird, bekommt auch mehr. Dies gilt im Übrigen auch für den Split zwischen Erster und Zweiter Bundesliga. Welche Liga generiert welchen Anteil an der gesamten Nachfrage? Die kategorische Beantwortung der Frage führt automatisch zu einer marktgerechteren Verteilung. Für die Absteiger aus Erster und Zweiter Liga bedarf es darüber hinaus aus meiner Sicht innerhalb der Verteilung eine Art „Fallschirm“, um die existenzbedrohende Situation eines Abstiegs zu meistern und einen substanziellen Neuaufbau planen zu können.

Wo führt die Diskussion mittelfristig hin?

Hilke: Wir werden über Möglichkeiten sprechen müssen, wie die Vermarktungschancen der Bundesliga-Clubs zu vergrößern sind.

Wie könnte das aussehen?

Hilke: Wir können im außereuropäischen Ausland eigenverantwortlich Spiele und Turniere organisieren, bei denen wir die Vermarktungsmöglichkeiten wesentlich besser als bisher nutzen können. Wir werden irgendwann sicherlich auch nicht an der Diskussion vorbei kommen, ob wir offizielle Liga-Spiele in z.B. Asien austragen wollen, um die Ernsthaftigkeit bei der Weiterentwicklung des internationalen Geschäfts zu unterstreichen. "Darmstadt gegen HSV in Shanghai" klingt erst einmal verrückt und wirkt treulos den heimischen Fans gegenüber. Diese Überlegungen sind jedoch alles andere als neu und nur Ausdruck einer konsequenten Entwicklung. Die englische Premier League diskutiert diese seit längerem. Und schlussendlich wird man sicherlich auch über eine Erweiterung der Bundesliga - mehr Clubs pro Liga - nachdenken, um das angestrebte Wachstum überhaupt erreichen zu können. Wir sehen in allen Bereichen der Bundesliga, dass eine Erweiterung des Fußball-Angebots zu einem mindestens linearen Anstieg des Konsums der Inhalte führt. Dies in Verbindung mit einer konsequenten Umsetzung der internationalen Aktivitäten aller Clubs lässt eine Erweiterung nur folgerichtig erscheinen.

Wie lautet ihr Fazit zur aktuellen Gemengelage?

Hilke: Wir sollten den Grundsatz der Solidargemeinschaft bei all den Überlegungen, wie die Erlöse substanziell zu vergrößern sind, nicht aus den Augen verlieren. Dann vermeiden wir auch eine völlig ungesunde Spreizung in gesund und erfolgreich sowie krank und existenzgefährdet, wir berücksichtigen die Interessen der Marktführer und sorgen gleichzeitig für eine verbesserte, verursachergemäße Verteilung und schaffen ein insgesamt weiter expandierendes Produkt Bundesliga.

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