Zum Inhalt springen

„Es ist belastend“

Nachwuchs

05.06.18

„Es ist belastend“

Arthur Filimonov aus der U16 des Hamburger SV ist Opfer von Identitätsmissbrauch. Seit eineinhalb Jahren gibt sich jemand im Internet für ihn aus und belästigt, beleidigt und bedroht unter seinem Namen junge Mädchen. Im Interview erklärt der 16-Jährige, was das für Folgen hat und wie er damit umgeht.

Arthur, welche Social-Media-Apps nutzt du?

WhatsApp, Instagram und Snapchat. Am aktivsten bin ich aber bei WhatsApp. Bei Facebook bin ich seit über einem Jahr gar nicht mehr.

Warum hast du dein Konto dort gelöscht?

Weil sich dort jemand für mich ausgegeben hat. Als Arthur Fiilimonov hat jemand Mädchen angeschrieben, sie beleidigt und bedroht. Ich musste schon so oft erklären, dass ich das nicht bin. Aber ich habe Beweise und mein Name wird auch anders geschrieben. Nur mit einem i nach dem f. Mittlerweile ist das Konto aber gelöscht. Jetzt gibt es ein anderes Konto mit dem Namen Artur Filimonov. Das bin ich aber auch nicht. 

Wie bist du erstmals darauf aufmerksam geworden?

Im Januar 2017 hat mich ein Mädchen aus der U17 des HSV bei WhatsApp angeschrieben und mich gefragt, warum ich sie bei Facebook beleidige und nach Nacktbildern frage. Ich habe mich nur gefragt, wie sie auf so eine Idee kommt. Ich habe ihr dann erklärt, dass ich das nicht war. Ich konnte es ihr auch beweisen. Danach haben mich auch bei Instagram immer mehr Leute angesprochen, warum ich sie beleidige und bedrohe.

Was hast du dann in Absprache mit deinen Eltern gemacht?

Wir sind zur Polizei gegangen und haben erzählt, was passiert ist. Uns wurde dann gesagt, wir sollen erst einmal abwarten. Als es nicht besser wurde, haben wir Strafanzeige gestellt, erst einmal gegen anonym. Als wir herausgefunden haben, wer dahintersteckt, haben wir die Person auch angezeigt. Er hat aber trotzdem weitergemacht. Die Fake-Konten bei Facebook, Instagram und Snapchat haben wir natürlich auch gemeldet.

Du glaubst also zu wissen, wer dahintersteckt?

Ja, wir wissen, wer er ist. Ich habe ein Mädchen, das ich kannte und das von ihm angeschrieben wurde, gebeten, ihn in eine Falle zu locken. Das hat geklappt. Wir wissen auch, dass er in ganz Deutschland Mädchen anschreibt, nicht nur in Hamburg. Wir haben seinen Namen auch an die Polizei weitergegeben und da werden jetzt auch weitere Schritte geprüft.

Wie fühlt es sich an, wenn man feststellt, dass jemand dich und deinen Namen für so etwas missbraucht?

Das ist belastend. Mein Ruf wird beschädigt. Es ist ein extrem schlechtes Gefühl, wenn ich durch die Stadt gehe und Mädchen treffe und die denken, dass ich das bin. Man fühlt sich richtig hintergangen. Ich hatte deswegen auch schon fast eine Prügelei, weil ein Mädchen aus meiner Schule angeschrieben wurde. Ihr Freund ist dann zu mir gekommen und wollte sich schlagen. Ich konnte es ihm aber noch erklären.

Hast du eine Vermutung, warum die Person dich ausgewählt hat?

Gar nicht. Es gibt keine Verbindung zwischen uns. Wir haben nicht denselben Freundeskreis, kennen nicht dieselben Leute. Ich weiß es nicht.

Welche Konsequenzen hast du für dich daraus gezogen und was würdest du anderen im Umgang mit den sozialen Medien empfehlen?

Am Anfang war ich komplett offline und habe gar nichts mehr gemacht. Jetzt bin ich bei allem deutlich vorsichtiger. Ich achte darauf, was ich poste und wer mir folgt. Bei Instagram habe ich mein Konto deswegen auf privat gestellt. Das würde ich sowieso alle raten.

Was hast du grundsätzlich aus der gesamten Situation gelernt und was würdest du anderen Betroffenen raten? 

Das Internet ist manchmal ein gefährlicher Ort, in dem vieles neu ist. Online weiß man nie, wer hinter einer Nachricht steckt. Man sollte also immer hinterfragen, woher eine Nachricht kommt und wer schreibt. Wenn anderen auch so etwas passiert, dann müssen sie sich Hilfe suchen. Bei Vertrauenslehrern, ihren Eltern oder Trainern. Das ist wichtig.