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„Die müssen nur alle schön auf dem Teppich bleiben“

Interview

14.12.17

„Die müssen nur alle schön auf dem Teppich bleiben“

Es geht weiter. Bernhard Peters und der Hamburger SV arbeiten auch in den kommenden drei Jahren gemeinsamen an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Clubs. Der 2018 auslaufende Vertrag des 57-Jährigen wurde bis 2020 verlängert. Im Interview mit HSV.de spricht der Direktor Sport über kommende Projekte, die Talententwicklung bei den Rothosen und strategische Ziele. 

Herr Peters, Sie gehen mit der Vertragsverlängerung jetzt in Ihre zweite Amtszeit. Wie hat sich der HSV seit Ihrem Antritt 2014 entwickelt? 

Natürlich gab es in diesen drei Jahren sehr viele unruhige Zeiten mit vielen Wechseln auf wichtigen Positionen. Wir haben uns da aber in der Entwicklung von Infrastruktur, Personal, Trainern und leistungssportlich strukturgebenden Elementen nicht aus dem Konzept bringen lassen und diese stetig weiterentwickelt. Wir haben unseren Mitarbeiterstab deutlich erweitern und höherqualifizieren können. 

Was heißt das im Detail? 

Wir hatten in der Vergangenheit zum Beispiel nicht ausreichend Physiotherapeuten für unsere Nachwuchsmannschaften. Auch das Individualtraining, das in anderen Sportarten etabliert ist, haben wir zu einem Merkmal unserer Ausbildung gemacht. Durch die vielen Experten, die jetzt eng an unseren Nachwuchsspielern arbeiten, und durch das individualisierte Training haben wir eine Verbesserung unserer Mannschaften in der Gesamtperformance erzielt. Wir haben auch das Konzept von der U23 zur U21 gestrafft und arbeiten jetzt von der U15 bis zur U21 mit ganz anderen Übernahmequoten. Durch die Planung, die Umsetzung und den Bezug der Alexander-Otto-Akademie haben wir einen deutlichen Motivationsschub erhalten. Es ist uns so gelungen, eine leistungssportliche Mentalität zu etablieren.

Wie schlägt sich diese Entwicklung auf den Platz nieder? 

Das individuelle Ausgangsniveau unserer Spieler ist deutlich höher. Wir haben klare Spielprinzipien festgelegt und versuchen, effizienter zu spielen. Es geht dabei nicht um Ballbesitz, sondern um Zielstrebigkeit und Variabilität in Richtung Strafraum und Torabschluss. Wir denken nicht in Spielsystemen, sondern in der variablen Anwendung der richtigen Prinzipien im Spiel mit und gegen den Ball. Da sind wir aggressiver geworden, das muss aber noch deutlich besser werden.  

Wie genau sieht Ihr Aufgabengebiet als Direktor Sport aus? 

Ich bin für die strategisch perspektivischen Entwicklungsthemen zuständig und die internationalen Kooperationen. Dazu habe ich die Oberaufsicht über das gesamte Nachwuchsleistungszentrum. 

Die Alexander-Otto-Akademie steht, die U21 und die U19 sind in ihren Ligen Tabellenführer und mit Jonas Behounek, Fiete Arp und Tatsuya Ito haben es in dieser Saison gleich drei Eigengewächse in den Bundesligakader geschafft. Sind das die ersten Früchte der strategischen Neuausrichtung vor wenigen Jahren? 

Es ist das Ergebnis einer kontinuierlich besser werdenden Teamarbeit. Von einer guten Führung in Person von NLZ-Leiter Dr. Dieter Gudel, von einer guten Kaderzusammenstellung in allen Jahrgangsstufen, an der Benjamin Scherner als Nachwuchs-Chefscout, Sebastian Harms als Sportlicher Leiter im Leistungsbereich und Florian Graudegus als Koordinator im Aufbaubereich maßgeblichen Anteil haben. Hier greift die gute Teamarbeit und führt zu nächsten Entwicklungsschritten, die auch noch weitere interessante Jungs hervorbringt. Mit Stephan Ambrosius, Patric Pfeiffer, Josha Vagnoman, Tobias Knost, Marco Drawz oder auch Lenny Borges kommen sehr vielversprechende Spieler nach. Die müssen nur alle schön auf dem Teppich bleiben.

Welche strategisch wichtigen Entwicklungsthemen stehen jetzt auf der Agenda? 

Wir müssen den Konkurrenzdruck auf einzelne Positionen im Bundesligakader über unsere Perspektivspieler erhöhen. Wir sollten mittelfristig auch anstreben, mit der U21 in der 3. Liga zu spielen und mit der U17 und U19 in ein Halbfinale oder Endspiel einer deutschen Meisterschaft einzuziehen. Wir wollen die Übernahmezahlen von der U16 bis hoch in die U21 weiter zwischen 70 und 90 Prozent hochhalten. 

Das bezieht sich alles auf das Geschehen auf dem Platz. Was soll abseits davon passieren? 

Wir brauchen am HSV-Campus zwingend an Platz sechs noch Umkleidekabinen, um auf diesem Topplatz mit unserer U17 und U19 Bundesligaspiele durchführen und um noch mehr HSV-Mannschaften an das Volksparkstadion holen zu können. Wir wollen die Digitalisierung der Dokumentation aller leistungsbestimmenden Faktoren in unserem eigenen Sportportal vorantreiben, um klare Spielerentwicklungen objektivieren zu können. Wir müssen uns noch stärker für Skills Labs interessieren, mit denen wir die kognitive Handlungsschnelligkeit des einzelnen Spielers fußballtechnisch trainieren können. Es geht uns dabei vor allem um stabiles und erfolgreiches Entscheidungsverhalten in Spielsituationen. 

Und was haben Sie sich persönlich für die kommenden Jahre vorgenommen? 

Ich möchte weiter unangenehm und konsequent bleiben. Es muss immer den nächsten Step geben. Wenn du dich im Leistungssport ausruhst, nutzen andere es sofort aus. Das darf es bei uns nicht geben.