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Dezentrale Trainerfortbildungen

Deutlich mehr als nur „Schnick-Schnack-Schnuck“

Die dezentralen Trainerfortbildungen des HSV stoßen auf große Resonanz bei den Vereinen.

Das herbstliche Wetter zeigt sich an diesem Dienstagabend nicht von seiner schönsten Seite. Leichter Nieselregen und Temperaturen etwas über dem Gefrierpunkt versuchen die am Rand stehenden Eltern und Trainer mit Mützen und Handschuhen zu begegnen. Die Jungs auf dem Rasen frieren nicht, einer von ihnen trägt sogar eine kurze Hose. Das heutige Training für die 2005er Jahrgänge des SV Eichede ist ein besonderes, denn neben zwei Übungsleitern des SVE stehen mit Tobias Kabel und Frederic Duteau auch zwei Trainer des HSV auf dem Platz. Sie gestalten dort den praktischen Teil einer „dezentralen Trainerfortbildung“. Diese bietet der HSV in diesem Jahr interessierten Trainern direkt in ihren Vereinen an – und das Interesse daran ist groß. Bei Trainern und Spielern. So groß, dass die Kälte an diesem Tag keine Rolle spielt.

„Die Jungs saugen die Informationen förmlich auf“

Die Spieler stehen an den Hütchen und warten auf die Aufgabe
Spielerisches und abwechslungsreiches Training bieten die Trainer des HSV an.

„Training der Handlungsschnelligkeit, Umschalten und Dribbling/Finten“ lautet der Arbeitstitel des heutigen Trainings in Eichede. Unter Handlungsschnelligkeit werden besonders auch die kognitiven Informationsverarbeitungsprozesse verstanden. Was sich im ersten Moment nicht unbedingt spannend anhört, wird in der Praxis von den Kids mit Begeisterung angenommen. Durch verschiedene Spielformen wird das Umschaltspiel mit Leben gefüllt, das altbekannte „Schnick-Schnack-Schnuck“ beispielsweise lässt sich schließlich auch mit einem Fußball austragen und fordert die Kinder eben nicht nur physisch, sondern auch mental. „Es hat sehr viel Spaß gemacht“, berichtet Hannes Hermann nach dem Training ein wenig erschöpft, aber stolz. Er nimmt seit mehr als einem Jahr auch beim Kinderperspektivtraining des HSV teil. Das bedeutet, dass talentierte Nachwuchsspieler aus den Jahrgängen der U9, der U10 und U11 (hier stellt der HSV allerdings auch eine eigene Mannschaft) in ihren Heimatvereinen in Hamburg oder Umland bleiben, aber regelmäßig alle drei Wochen in der Saison beim HSV zum Training zusammenkommen.

"Wenn sich der HSV ankündigt, ist die Freude immer groß"

Dort werden die Einheiten von Trainern des HSV geleitet. „Die Kinder können länger in ihren Vereinen bleiben, aber wir können sie trotzdem beobachten, wie sie sich entwickeln“, erklärt Christian Neumann, der beim HSV für die dezentralen Fortbildungen verantwortlich ist, die Idee des Kinderperspektivtrainings, welches mit den dezentralen Trainerfortbildungen Hand in Hand geht. „Wir wollen partnerschaftlich durch diese Fortbildungen vor Ort mit den kleineren Amateurvereinen zum Thema Kindertraining zusammenarbeiten und uns verbessern. Wie gestalten wir ein Training für Kinder, das Spaß macht, das den kindlichen Bedürfnissen entspricht und das bei den Kindern einen gekonnten Einstieg in eine möglichst lange erfolgreiche Laufbahn ermöglicht? Hier sind wir ein ehrlicher Partner, für den gutes Kindertraining ein echtes Anliegen ist“, sagt Direktor Sport Bernhard Peters.

Sowohl der HSV als auch die Vereine, bei denen die Fortbildungen stattfinden, profitieren von diesem Modell – und nutzen das Angebot gerne. „Wenn sich der HSV ankündigt, ist die Freude immer groß. Wir haben dann einen Trainer zum Anfassen und Nachfragen, die Jungs saugen die Informationen förmlich auf. Die Idee mit den Kinderperspektivteams begrüßen wir ebenfalls. So wird das Niveau der kleineren Vereine in den jungen Jahrgängen angehoben und die ganze Region profitiert“, erklärt Lars Konietzko, Koordinator beim SV Eichede, der seit neun Jahren ein Kooperationsverein des HSV ist. 

Trainer und Spieler analysieren die getätigten Übungen.
Jede Übung wird anschließend in der Theorie analysiert.

„Wir wollen einen aktiven Austausch gestalten“

Aus acht Trainingsmodulen können die Vereinstrainer im Vorfeld drei wählen, welche an den ausgewählten Tagen ausgeführt werden. Eines davon gestalten sie in enger Absprache mit dem HSV selbst, die anderen beiden leiten die Trainer der Rothosen, während die leitenden Vereinstrainer zuhören und Fragen stellen beziehungsweise weitere Trainer des Vereins das Training am Spielfeldrand verfolgen. „Die Vereine können ihre Trainingsqualität im Kinderbereich weiterentwickeln und erhalten neuen Input zusätzlich zu den Fortbildungen vom Fußballverband, während wir unsere Trainingsidee verbreiten können“, erzählt Neumann. Nach mehr als zwei Stunden Praxis, in der die Trainer beider Vereine immer wieder  im Dialog zusammenstehen, folgt in den Räumen des SVE noch der gemeinsame Theorieteil der Fortbildung. Bei Kaffee und Keksen vermitteln Kabel und Duteau, der sich mit den drei weiteren Kinderpespektivtrainern bei den Fortbildungen an der Seite von Tobias Kabel abwechselt, Allgemeines zum Kindertraining, zur Kommunikation mit den Eltern und weiteren Themen, die Trainer stellen Fragen und bekommen Antworten. Beinahe vier Stunden ist der Theorieteil an diesem Abend lang. Es ist eine sinnvoll investierte Zeit, für beide Seiten. „Wir wollen einen aktiven Austausch gestalten“, sagt Kabel.

Acht bis zehn dezentrale Trainerfortbildungen im Monat will der HSV für diese Vereine anbieten. Beim SV Eichede ist der HSV jedenfalls stets willkommen. „Wenn man sich auf unseren Trainingsplätzen umschaut, tragen sechzig bis siebzig Prozent unserer Spieler HSV-Klamotten“, erzählt Lars Konietzko. Durch die Zusammenarbeit im Kinderperspektivtraining und die dezentralen Trainerfortbildungen wird diese enge Verbindung weiter gestärkt. „Das Interesse daran ist groß“, freut sich Neumann. In Zukunft sollen deswegen auch Vereine in den Genuss der Fortbildungen kommen, deren Kinder (noch) nicht am Kinderperspektivtraining teilnehmen.

Vereine, die an dezentralen Trainerfortbildungen interessiert sind, können sich per Mail direkt an Christian Neumann wenden: christian.neumannhsvde

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