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Interview mit Albin Ekdal: „Wir müssen die Verantwortung übernehmen“

Trainingslager

06.01.18

„Wir müssen die Verantwortung übernehmen“

Im Interview mit HSV.de spricht Defensivspezialist Albin Ekdal über das Trainingslager in Jerez, seine körperliche Verfassung und seinen Anspruch als Führungsspieler. 

Für Albin Ekdal glich die Hinrunde mit dem HSV mal wieder einer Achterbahnfahrt mit einigen Höhen und Tiefen. Auch in seiner dritten Saison an der Elbe blieb der schwedische Nationalspieler nicht von Verletzungen verschont. Rücken- und Oberschenkelprobleme bremsten ihn diesmal in sechs Hinrunden-Spielen aus. Wenn der 28-Jährige allerdings einsatzbereit war, dann zeigte er seine ganze Klasse und war ein gewohnt wichtiger Baustein im Spiel der Rothosen. Dies zeigen nicht zuletzt die nackten Zahlen. So holte der HSV mit Albin Ekdal an Bord elf seiner insgesamt 15 Punkte. Im Interview mit HSV.de spricht der Schwede über diesen Wert, seine körperliche Verfassung nach anstrengenden Tagen im Trainingslager und seinen Anspruch als Führungsspieler.  

Albin Ekdal mit Zimmerkollege Lewis Holtby -
das Bad in der Eistonne darf im Trainingslager nach anstrengenden Einheiten nicht fehlen.

Albin, das Trainingslager befindet sich langsam auf der Zielgeraden. Wie lief es bisher? 

Bisher läuft alles gut. Wir haben die letzten Tage sehr hart und viel trainiert. Für den Körper war das für uns alle zunächst ein kleiner Schock, weil es nach dem Urlaub direkt wieder mit Vollgas losging. Deshalb war auch der gestrige Regenerationstag wichtig - besonders nach dem Testspiel. Nun haben wir noch drei Tage, die wir erneut mit Vollgas angehen werden und dann geht´s zurück nach Hamburg.  

Du sprichst das Testspiel gegen Malaga an. Was konntet ihr dort bereits umsetzen?

Trotz der müden Beine, die wir nach fünf Einheiten in zwei Tagen hatten, haben wir eine gute Intensität an den Tag gelegt und viel auf Ballbesitz gespielt. Wir haben gegen einen Erstligisten gewonnen und das ist immer ein gutes Gefühl für die Gruppe und die Stimmung.

Nun geht es morgen im zweiten Testspiel gegen Ligakonkurrent Freiburg. Inwiefern ist dieser Test eine Standortbestimmung?        

Im Spiel gegen Freiburg ist der Druck vielleicht ein Stück weit größer. Die Erwartungshaltung der Fans ist dann eine andere. Auch für uns ist es ein wichtiges Spiel, weil es der letzte Test vor dem Punktspiel gegen Augsburg ist. Ich hoffe, dass wir auch dieses Spiel gewinnen können, so dass wir mit einem gestärkten Selbstbewusstsein in die Rückrunde starten können.

Albin Ekdal schreckt im Trainingslager in den Zweikämpfen nicht zurück. Im Gegenteil: Die harten Tacklings zählen zu seiner robusten Spielweise.

Kommen wir auf dich zu sprechen. Die vielen Verletzungen sind ein leidiges Thema, das dich zuletzt immer wieder begleitet hat. Wie fit fühlst du dich aktuell? 

Ich fühle mich jeden Tag besser. Es gab zwei bis drei Aktionen im Training, bei denen ich einen harten Schlag abbekommen habe, aber ansonsten ist alles okay. Ich hoffe, dass ich die nächsten fünf Monate körperlich fit bleibe und viele Spiele machen kann. Es soll bezüglich der Fitness besser laufen als in der Hinrunde, wo ich leider nicht alle 17 Partien absolvieren konnte.

Solche Schläge zählen am Trainingsplatz zu den Schockmomenten für Mitspieler, Staff und Zuschauer. Wie gehst du mental mit den Verletzungen um und wie schaffst du es, dich immer wieder zurückzukämpfen? 

Für einen Fußballspieler sind Schmerzen hier und da ganz normal. Auch im Training bekommst du immer mal einen härteren Schlag ab. Ich glaube, für die Außenstehenden ist das immer eher ein Thema. Das ist nun mal Fußball. Da gibt es viele harte Zweikämpfe und diese gehören auch zu meinem Spielstil. Ich schrecke deshalb nicht vor den Tacklings zurück und lasse mich nicht von zurückliegenden Verletzungen beeinflussen.

Für die Mannschaft ist es verdammt wichtig, dass du fit bist und bleibst. Denn mit dir gab es im Schnitt mehr Punkte. Ist dir das bewusst? 

Nein, das interessiert mich auch nicht. Ich bin ein absoluter Mannschaftsspieler. Wir sind ein Team mit etwa 25 Spielern und elf davon auf dem Platz. Wenn wir gewinnen, dann hatte jeder seinen Anteil daran. Und wenn wir verlieren, dann hat vielleicht auch jeder seine Sache nicht ganz so gut gemacht. Mein Punkteschnitt interessiert mich folglich nicht. Es kommt nur darauf an, dass wir als Team mehr Zähler als in der Hinrunde einfahren. 

Der schwedische Nationalspieler sieht sich in der Verantwortung und möchte gerade die jungen Spieler führen.

Cheftrainer Markus Gisdol hat zum Ende der Hinrunde die Führungsspieler verstärkt in die Pflicht und Verantwortung genommen. Fühlst du dich diesbezüglich angesprochen?

Ja, definitiv. Wenn ich fit bin, dann komme ich häufig zum Einsatz. Außerdem bin ich jetzt schon meine dritte Saison hier beim HSV und gehöre zu den dienstälteren Spielern. Wir haben viele junge Spieler mit viel Talent, die wir Führungsspieler anleiten müssen.  Mergim, Papa, Bobby, Aaron und ich - wir alle müssen die Verantwortung übernehmen und stets Vorbilder sein. 

Wird man als Führungsspieler eigentlich geboren oder kommt die Führungsstärke mit dem Alter?

Das ist eine gute Frage und schwer zu beurteilen. Was mich angeht, ist es einfach mein Stil, dass ich versuche selbstbewusst und wie ein Anführer Fußball zu spielen. Ich spiele nun seit zehn Jahren professionell Fußball und wahrscheinlich kommt das auch mit der Erfahrung. Ich möchte immer mein Bestes geben, aber das erwarte ich auch von allen anderen Spielern - ganz unabhängig von ihrer Rolle im Team. Nur so können wir es in der Rückrunde umdrehen.

"Ich habe mit Spielern wie Del Piero, Nedved, Buffon oder Trezeguet trainiert. Die mussten gar nicht viel sagen. Alleine vom Zugucken habe ich etwas gelernt."

Du warst früher auch mal ein junger Spieler und bist mit 18 zu Juventus Turin gewechselt. Wer waren denn dort die Vorbilder in puncto Leadership?    

Damals war ich natürlich noch sehr jung. Das war ein großer Moment meiner Karriere und ich habe viele gute Erinnerungen. Ich habe mit Spielern wie Alessandro Del Piero, Pavel Nedved, Gianluigu Buffon oder David Trezeguet trainiert. Die mussten gar nicht viel sagen. Alleine vom Zugucken habe ich etwas gelernt. Ich habe gelernt, was man machen muss, um ein großer Spieler zu werden. Du musst stets professionell sein, immer positiv bleiben und verdammt hart und oft trainieren. 

Abschließend gefragt: Das Jahr 2018 ist noch jung, welche sportlichen Vorsätze hast du?    

Mein Hauptziel ist natürlich der Klassenerhalt mit dem HSV. Wir haben in der Vorrunde ganz gut gespielt, aber die Punkte blieben aus. Wir wollen jetzt direkt zum Rückrundenstart gegen Augsburg und Köln fleißig punkten. Darüber hinaus ist die WM im Sommer ein Traum für mich. Es ist das erste Mal seit zwölf Jahren, dass Schweden wieder dabei ist und für mich wäre es die erste Weltmeisterschaft überhaupt.