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Pollersbeck: "Mit Leistung vorangehen"

Interview

18.01.19

Pollersbeck: "Mit Leistung vorangehen"

Im Interview mit HSV.de spricht der Schlussmann des HSV über das Torwart-Training im Trainingslager, laute Ansagen und die Rückrunde in der 2. Bundesliga.

Dass er über eine herausragende Technik verfügt, bewies Julian Pollersbeck vor wenigen Tagen im Training, als er die Übungseinheit als Feldspieler absolvierte und eine Flanke zunächst mit der Brust annahm und dann mit einem Volleyschuss im Tor versenkte. Es war der finale Treffer und beendete damit auch die Übung. Der Rest ging im großen Jubel unter. Feiern möchte Pollersbeck auch am Ende der Saison und das große gemeinsame Ziel erreichen. Dafür müsse die Mannschaft in den verbleibenden 16 Spielen alles andere zurückstellen und jede Woche über das Maximum gehen, sagt er. Die Grundlagen dafür werden gerade im Trainingslager in La Manga gelegt. Was neben der Arbeit auf dem Platz dabei eine weitere wichtige Rolle spielt, was Pollersbeck für die Rückrunde erwartet und wie sich das Torwarttraining in der Vorbereitung abspielt, verrät er im Interview mit HSV.de.

Julian, im Trainingslager geht es für Mannschaften neben technischen Sachen oft um das Einstudieren von taktischen Systemen. Woran arbeitet eigentlich ein Torwart in dieser besonderen Phase?

Julian Pollersbeck: Ich versuche noch gezielter an den Sachen zu arbeiten, die wir zusammen mit unserem Torwarttrainer im Laufe der Hinrunde als ausbaufähig identifiziert haben, oder an denen man selber arbeiten möchte.

Torwarttrainer Nico Stremlau wirft Julian Pollersbeck einen Ball zum Fangen zu.
"Gutes Gefühl für die Stärken und Schwächen" - Nico Stremlau und Julian Pollersbeck verstehen sich sehr gut in der Zusammenarbeit.

Man nimmt also gezielt einzelne Elemente des Torwartspiels heraus, an denen man im Bundesliga-Alltag nicht arbeiten kann?

Unser Torwarttrainer Nico Stremlau gibt uns immer sehr viel und sehr gutes Feedback. Er kennt unsere Stärken und Schwächen und hat auch ein gutes Gefühl dafür, was wir brauchen und in was wir mehr Trainingszeit investieren sollten. Im Trainingslager können wir einige Dinge intensivieren, weil wir deutlich mehr Einheiten hintereinander haben, ohne dass ein Pflichtspiel ansteht. Aber auch in der Vorbereitung hängt es natürlich stark davon ab, inwieweit wir im Mannschaftstraining gebraucht werden.

Wie sehr seid ihr generell in mannschaftstaktische Sachen eingebunden?

Wir sind bei allen Besprechungen dabei. Und das ist auch wichtig. Als Keeper musst du möglichst über jede Position Bescheid wissen. Am meisten über die Jungs, die direkt vor dir spielen. Für mich ist es aber genauso wichtig, wo zum Beispiel der Stürmer hinlaufen soll. Ich habe hinten alles vor mir. Natürlich ist es schwer, den Stürmer im Spiel zu erreichen, aber selbst wenn es laut ist, kann ich ihn hin und wieder coachen.

Wirst du dann auch selber mal laut?

Grundsätzlich bin ich nicht der Typ, der dazwischen haut. Es muss mich schon etwas brutal aufregen, bevor ich durchdrehe. In Spielen ist mir das zwar schon das eine oder andere Mal passiert, aber ich versuche, nicht so viel Energie damit zu verschwenden.

Warum nicht?

Manchmal muss man verbal vielleicht dazwischen hauen. Mir sind andere Sachen aber wichtiger. Ich möchte lieber durch Leistung sprechen. Wenn man sich darauf konzentriert, dann muss man nicht rumschreien. Nur vom Reden hat noch niemand etwas gewonnen. Ich gebe laute Anweisungen, um den Jungs vor mir ein gutes Gefühl zu geben. Aber ich weiß selber, wie es mit 19 oder 20 war. Da hast du keinen Bock, dass du ständig einen vor den Latz gehauen bekommst. Wichtig ist für mich, bei mir anzufangen, und zu schauen, ob bei mir alles passt. Wenn ich mit Leistung vorangehe, können sich die anderen daran orientieren. Wenn sich dann noch Zeit findet, dann kann ich zu den anderen schauen und Hinweise geben. In welcher Tonlage auch immer.

Julian Pollersbeck trägt beim Jubeln Lewis Holtby.
Keine Stinkstiefel: Julian Pollersbeck, hier mit Vize-Kapitän Lewis Holtby beim Jubeln, lobt die Stimmung in der Mannschaft.

Wie siehst du in diesem Zusammenhang das Gefüge innerhalb der Mannschaft?

Das sehe ich sehr gut. Es gibt keinen Stinkstiefel innerhalb der Mannschaft. Das heißt nicht, dass es im Training nicht auch mal knallen kann. Da wird sich schon die Meinung gesagt. Es ist bei uns nicht nur alles Friede, Freude, Eierkuchen. Grundsätzlich verstehen wir uns aber super, jeder kann im Grunde mit jedem. Und jeder bringt seine Qualitäten mit seinem Background ein.

Wie meinst du das?

Wir haben so viele unterschiedliche Kulturen und Charaktere in unserer Mannschaft. Das äußert sich in den verschiedensten Dingen, zum Beispiel an der Sprache, am Musikgeschmack oder an der Mentalität. Die Brasilianer bringen zum Beispiel immer gute Laune rein, die Deutschen bringen sie dann wieder runter (lacht). Es ist eine bunte Mischung. Der Trainer führt uns dabei zudem sehr gut.

Im Trainingslager scheint das gut zu klappen.

Dafür sind die Trainingslager auch da. Zuallererst um sportlich weiterzukommen, aber auch um menschlich zusammenzurücken. Das ist wichtig, für das, was wir vorhaben. Die menschliche Komponente gibt einem im Laufe der Saison ein paar Prozentpunkte mehr, vielleicht nicht bewusst, aber unterbewusst. Der Wohlfühlfaktor spielt eine große Rolle.

Zeichnet das die Mannschaft aus?

Jeder leistet im Moment seinen Beitrag dazu. Auch die, die im Moment nicht so oft spielen. Das ist für eine erfolgreiche Mannschaft wichtig. Jeder weiß, dass wenn er Gas gibt, er auch seine Chance bekommt. Durch die guten Trainingsleistungen pushen wir uns.

Julian Pollersbeck stemmt ein Gewicht im Kraftraum.
Immer alles geben und über das Maximum hinaus gehen: Pollersbeck erwartet eine spannende Rückrunde.

Auf was muss sich die Mannschaft im zweiten Teil der Saison einstellen?

Mir gefällt ein Satz, den mein alter Trainer Norbert Meier oft gesagt hat: 'In der Hinrunde werden es mehr Spiele, in der Rückrunde weniger.' Man hat gesehen, dass jedes Spiel eng umkämpft war. Wir hatten vom Ergebnis kaum ein klares Spiel. Ich glaube aber, dass uns das auch guttut. Die Mannschaft braucht diesen Druck, nachlegen zu müssen. Vom Charakter sind wir eine Mannschaft, die damit gut umgehen kann.

Erwartest du bis zum Schluss ein enges Rennen?

Ich denke, dass bestimmt vier bis fünf Mannschaften um die Aufstiegsränge kämpfen. Auch in der letzten Saison sind in der 2. Liga nur ein paar Mannschaften rausgefallen, der Rest war auf einem Niveau. Jeder kann jeden schlagen. Da musst du jedes Spiel voll nehmen und Respekt vor dem Gegner haben.

Wie ordnest du in diesem Zusammenhang das letzte Spiel gegen Kiel ein?

Dieses Spiel war im Nachhinein lehrreich. Das sollte jedem zeigen, was uns blüht, wenn wir ein bisschen nachlassen und denken: ‚Es geht schon irgendwie.‘ Es geht nur, wenn wir uns jede Woche den A…. aufreißen. Es sind nur 16 Spiele, das ist nicht viel. Für diese 16 Spiele müssen wir alles zurückstellen. Wir müssen bereit sein, jede Woche über das Maximum zu gehen. Dann können wir unser gemeinsames Ziel erreichen.