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„Es wird einen großen Umbruch geben“

Saison

17.05.19

„Es wird einen großen Umbruch geben“

HSV-Sportvorstand Ralf Becker und Trainer Hannes Wolf sprachen in einer Pressekonferenz über das Ende der gemeinsamen Zusammenarbeit, die Analyse der zurückgelegten Saison und Veränderungen für die bevorstehende Spielrunde. 

Die Pressekonferenz anlässlich des 34. Zweitliga-Spieltags und der bevorstehenden Partie zwischen dem Hamburger SV und dem MSV Duisburg (19. Mai, ab 15.15 Uhr im HSVnetradio) fiel am heutigen Freitagmittag (17. Mai) anders als gewöhnlich aus. So gab HSV-Sportvorstand Ralf Becker zum Einstieg in die Gesprächsrunde die Trennung von Trainer Hannes Wolf nach Saisonende bekannt. Nach den letzten turbulenten Tagen symbolisierten die beiden Protagonisten gemeinsam auf dem Podium sitzend Geschlossenheit und betonten, die stets vertrauensvolle Zusammenarbeit würdig beenden zu wollen. Ralf Becker begründete dabei nicht nur die Gründe für die Trennung von Hannes Wolf, sondern zog auch Lehren und Schlüsse aus der Saison 2018/19 und sprach über die zukünftige Ausrichtung des Clubs und der Mannschaft. Hannes Wolf zeigte Verständnis für die Entscheidung des Clubs, ging in die Saisonanalyse und sprach über das letzte Spiel gegen Duisburg.  

Im Detail sprach Ralf Becker über…

… die Trennung von Hannes Wolf: Ich bin nach wie vor zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Hannes Wolf ein sehr guter Trainer ist. Wir haben gestern gemeinsam die Rückrunde, die gegenwärtige Situation und die Planungen für die kommende Runde analysiert. Wir sind als Verein dabei zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns von Hannes Wolf zum Saisonende trennen. Es war nach den letzten Tagen, die von unserer Seite verschuldet sehr unglücklich verliefen, der berechtigte Wunsch von Hannes, dies vor dem letzten Spiel zu kommunizieren. Das war uns auch beiden wichtig. Denn wir hatten in Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann ein sehr gutes, intensives und auch vertrauensvolles Verhältnis. Dies wollen wir bis zum Ende bewahren, auch wenn es sportlich in der Rückrunde natürlich überhaupt nicht zufriedenstellend verlief.   

… die Analyse der Saison und deren Schlüsse: Es wird einen großen Umbruch geben. Wir werden mit der klaren Zielsetzung in die neue Saison gehen, aufzusteigen. Wir werden noch nicht wissen, wie die Mannschaft konkret aussehen wird und wir müssen hart arbeiten, um eine gute Truppe zusammenzustellen. Wir sind aber davon überzeugt, dass wir das hinbekommen. In meiner Funktion gilt es jetzt, schnell nach vorn zu schauen und zu analysieren, was im nächsten Jahr besser werden muss, um aufzusteigen. In der Phase, in der keine Spiele sind, habe ich die Möglichkeit, am meisten einzugreifen.

… die zukünftige Zusammenstellung der Mannschaft: Wir hatten in dieser Saison an jedem Spieltag die jüngste Mannschaft auf dem Platz. Wir sollten unsere jungen Spieler nicht allein dafür verantwortlich machen, dass sie mit der Drucksituation nicht umgehen konnten. Wir haben festgestellt, dass wir in der Zukunft im Hinblick auf die Konstellation der Mannschaft eine klare Hierarchie brauchen. Wir brauchen eine Achse an Führungsspielern, die auf dem Platz vorweggehen und den jungen Spielern eine Stütze und Hilfe sind. Dennoch werden wie nach wie vor auf die Jugend setzen. Wir werden junge Spieler einbauen wollen und auch müssen. Die Kaderplanung müssen wir aber insofern ändern, dass diese jungen Spieler Leute an ihrer Seite brauchen, an denen sie sich orientieren können.           

… die hohe Anspruchshaltung beim HSV: Ich kann hier nicht als Sportvorstand des Hamburger SV sitzen und sagen, dass wir im nächsten Jahr Fünfter werden wollen. Das ist unmöglich und für uns nicht darstellbar. Es ist ein Teil der Wahrheit, dass wir das in Hamburg bei der großen Erwartungshaltung und Aufmerksamkeit, die uns entgegengebracht wird, nicht anders verkaufen können. Wir wissen um die große Herausforderung und ich nehme diesen Auftrag voll an.   

… das Verhältnis zu Bernd Hoffmann: Die letzten Tage waren sicherlich nicht glücklich. Bernd und ich hatten von Anfang an ein sehr gutes und offenes Verhältnis zueinander. Wir sind nicht immer einer Meinung. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, die auch dazu gehören. Diese Woche haben wir es nicht gut hinbekommen, aber wir haben das ausgeräumt. Wir sitzen in einem Boot und werden gemeinsam alle Entscheidungen in der Zukunft treffen.  

Im Detail sprach Hannes Wolf über… 

… das Aus beim HSV: Wenn jemand nach dem 2:0 gegen Darmstadt nach 20 Minuten dieses Szenario skizziert hätte, dann hätte man gesagt: Im Fußball passiert viel, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Natürlich sind es schwierige Wochen für mich. Wir haben die ganze Zeit sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet und deshalb war es mir wichtig, dass wir das heute nochmal zeigen und die Zusammenarbeit mit Würde und Anstand zu Ende bringen. Deshalb sitzen wir heute zusammen hier. Wir haben uns das alle anders gewünscht. Die Entscheidung ist für mich nach dem Verlauf der letzten Wochen und im Hinblick auf die Hypothek für die kommende Saison nachvollziehbar. Ich hatte bisher viel Glück in meinem Trainerleben. Dass etwas nicht klappt, ist aber leider auch ein Teil davon.   

… die Vorbereitung auf das Paderborn-Spiel: Nach dem Ingolstadt-Spiel gab es ein Gespräch mit Bernd Hoffmann, Ralf Becker und Michael Mutzel, in dem gesagt wurde, dass wir darüber reden müssen, wie wir weiterarbeiten, wenn wir die Relegation verpassen. Das hat bei mir persönlich aber überhaupt nichts verändert. Ich bin ja kein Idiot. Es ist doch klar, dass man dann darüber sprechen muss. Für mich war es sogar eine Extra-Motivation und ein Vertrauensbeweis, dass der Vorstand gesagt hat, dass er die höchste Wahrscheinlichkeit darin sieht, mit mir als Trainer in Paderborn zu gewinnen. Ich habe die ganze Energie in die Vorbereitung gesteckt und wollte es unbedingt schaffen.

… die zurückgelegte Saison: Ich habe bei meinem Amtsantritt die große Chance gesehen, es zu schaffen. In den ersten Spielen haben wir personell und von der sportlichen Leistung an unserem Limit gespielt. Wir haben extrem diszipliniert agiert, sind häufig über 120 Kilometer gelaufen und das hat gereicht, um die Spiele knapp zu gewinnen. Dieses Limit haben wir in der Rückrunde nicht mehr erreicht. Allein das Fehlen von Aaron Hunt hat dazu geführt. Danach sind Stück für Stück Dinge passiert, die uns davon weggebracht haben. In der Offensive hatten wir über die ganze Zeit Probleme, in den letzten Wochen ist dann ein defensives Thema dazu gekommen. Wir haben nicht nur keine Tore mehr geschossen, sondern auch Tore hergeschenkt. Natürlich bin ich ein Teil davon. Wir haben es trotz eines guten Teams um das Team, das hart für unser gemeinsames Ziel gekämpft hat, nicht mehr hinbekommen, diese Entwicklung zu drehen. Am Ende ist es für uns und mich natürlich eine große Niederlage. Es wird einen großen Umbruch geben und auch geben müssen. 

… sein letztes Spiel gegen Duisburg: Der HSV ist ein fantastischer Verein. Die Fans sind außergewöhnlich. Auch in Zukunft werde ich dem Club sowie den Anhängern und Mitarbeitern des HSV komplett die Daumen drücken. Ich wünsche mir, dass die Mannschaft nochmal Vollgas gibt und ein gutes Spiel zeigt. Ich habe keine Lust, dass das Ende scheiße wird und es nochmal ein schlechtes Spiel wird. Es geht darum, für einen vernünftigen Abschied zu sorgen. Ich möchte nicht passiv sein, sondern es so gut wie es geht gestalten. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.