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"Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen"

Nachbericht

04.08.18

„Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen"

HSV-Cheftrainer Christian Titz versuchte gar nicht erst, das bittere 0:3 zum Zweitliga-Auftakt gegen Holstein Kiel schönzureden. Der 47-Jährige bemängelte vor allem das fehlerhafte Defensivverhalten, richtete den Blick aber dennoch zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben. 

Als am gestrigen Freitagabend der Schlusspfiff im Volksparkstadion ertönte, sanken viele HSV-Profis fassungslos zu Boden. Den Saisonauftakt hatten sich die Rothosen ganz anders vorgestellt. Nach einer guten Vorbereitung sollten die erarbeiteten Inhalte gegen Holstein Kiel deutlich zum Vorschein kommen, um den Gegner aus Schleswig-Holstein in die Knie zu zwingen. Gerade in der ersten Halbzeit waren tatsächlich viele Elemente zu sehen, die einen erfolgsversprechenden Ansatz hatten. Der Haken an der Sache: Die zahlreichen Großchancen im ersten Durchgang konnten allesamt nicht verwertet werden. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den die „Störche“ aus Kiel letztendlich verdient für sich entschieden. Am Tag nach der Auftaktniederlage, als die Stammspieler eine regenerative im Trainingszentrum und die Reservisten eine Einheit auf dem Platz absolvierten, ging der Blick von HSV-Coach Christian Titz dennoch zuversichtlich in Richtung des kommenden Auswärtsspiels in Sandhausen. Besonders die bedingungslose Unterstützung der HSV-Fans macht dem Übungsleiter in diesem Kontext großen Mut, wie er in der Presserunde zu Protokoll gab.

HSV-Fans zeigen eine Choreographie.
Die HSV-Fans sorgten vor dem Anpfiff für einen Gänsehaut-Moment.

Im Detail sprach der Trainer über…

… die Fehleranalyse nach der Niederlage: Eine Analyse nehmen wir natürlich grundsätzlich vor. Gerade aufgrund der Fehlerhäufigkeit war es nach dem gestrigen Spiel allerdings besonders wichtig. Es war leider so, wie Spiele oftmals laufen: Wir kommen gut ins Spiel rein, können es auch frühzeitig für uns entscheiden, aber wir nutzen die Chancen nicht. In der zweiten Halbzeit war es dann so, dass wir gegen den Ball nicht mehr gut gearbeitet haben. Da hatten wir zu große Abstände. Nach dem 0:1 hat die Mannschaft dann die Linie verloren. Im weiteren Verlaufe des Spiels haben wir dann nicht mehr die richtige Antwort gefunden. Es hat sich eine gewisse Verunsicherung breit gemacht und dann ist es natürlich schwer, den Hebel umzulegen. Wir wissen, dass wir eine Leistung gebracht haben, die am Ende nicht ausreichend war, um das Spiel für uns zu entscheiden. Wir dürfen jetzt aber auch nicht alles über den Haufen werfen.

… die Reaktion der Mannschaft nach dem Abpfiff: Ich habe die Mannschaft als sehr enttäuscht wahrgenommen. Gleichzeitig waren die Jungs aber auch sehr selbstreflektiert. Die Spieler unterhalten sich auch untereinander und wissen, was wir gut und was wir nicht so gut gemacht haben. Wir waren nicht überheblich, aber gestern war ein Tag, der einfach auch gegen uns gelaufen ist. Das war eine Partie, die nehmen wir richtig ernst und wissen auch, dass uns das in Zukunft nicht mehr passieren darf. Dennoch müssen wir die Mannschaft jetzt nicht verteufeln, sondern unsere Lehren daraus ziehen und es in Sandhausen besser machen.

… die Stimmung im Stadion: Die Fans waren natürlich voller Erwartungshoffnung, dementsprechend war die Stimmung auch über die gesamte Spieldauer sehr gut. Das während des Spiels auch mal negative Stimmen kommen finde ich nicht ungewöhnlich. Alles in allem haben die Leute die Mannschaft dennoch sehr positiv unterstützt. Ich weiß, dass das nicht leicht ist, wenn du dann mit einer Niederlage startest. Aber ich hoffe, dass wir weiter zusammenstehen und dass die Jungs die Unterstützung bekommen. 

… die Akklimatisierung in der 2. Bundesliga: Im Spiel gestern haben wir eher zu viele lange Bälle geschlagen, obwohl uns ja unterstellt wird, dass wir zu oft flach eröffnet haben. Wir haben zudem gegen einen Gegner gespielt, der selbst auch mutig Fußball gespielt hat. Die Spielidee der Kieler war es nicht, auf Konter zu warten, sondern vielmehr selbst aktiv zu sein. Ich gebe zu, dass ich gedacht habe, dass wir vor allem mit dem Ball eine andere Stärke zeigen. Da hat uns ein Stück weit der Mut gefehlt. Das war auch mit ein Grund dafür, dass der Gegner dann mutiger wird. Trotzdem haben wir durch ein gezieltes Pressing auch Chancen erarbeitet. Wenn du da die Tore machst, dann hast du auch mehr Selbstbewusstsein. Diese Sicherheit haben wir uns gestern aber leider nicht geholt und so wurde Holstein Kiel dann gestärkt. 

HSV-Trainer Titz coacht seine Spieler.
HSV-Coach Christian Titz sah vor allem im Defensivverhalten viele Mängel.

… die Rollen von Albin Ekdal und Filip Kostic: Die beiden Spieler stehen bei uns unter Vertrag und sind ganz normale Mitglieder im Kader. Albin hatten wir gestern ja auch schon auf der Bank und wenn hinten wirklich Not am Mann gewesen wäre, hätte er auch 15 bis 20 Minuten spielen können. Ich gehe davon aus, dass beide Spieler im Laufe der nächsten Woche große Fortschritte machen. Die Spieler sind Bestandteil der Mannschaft und genauso behandeln wir sie auch.

… das Fehlen von Kapitän Aaron Hunt: Aaron hat in den vergangenen Spielen gezeigt, dass er ein Spieler ist, der so ein Spiel wie gestern auch mal beruhigen kann. Dass macht er nicht nur verbal, sondern auch mit einer Körpersprache. Klar ist das für uns ein wichtiger Spieler, aber gestern ist er leider ausgefallen und wir konnten das nicht richtig auffangen. Aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern.

… das kommende Spiel in Sandhausen: Wir wissen, dass wir eine gute Qualität im Kader haben. Wir wissen natürlich auch, dass wir eine andere Griffigkeit und Grundeinstellung über die gesamte Spielzeit brauchen. Aber zu sagen, dass wir nicht gut kicken können, wäre der falsche Weg. Wir werden die Sachen mit der Mannschaft angehen und werden das auch reinkriegen. Sandhausen spielt sehr variabel. Mal stehen sie tief, mal gehen sie vorne drauf. Darauf werden wir uns einstellen.

… die Rekonvaleszenten: Momentan sieht es bei Aaron so aus, dass die Wade nach wie vor Probleme bereitet und behandelt werden muss. Aktuell kann er nicht trainieren und wird auch am Montag nicht einsteigen. Wir gehen von einer Verhärtung aus, aber wenn es über das Wochenende nicht besser wird, müssen wir weitere Untersuchungen vornehmen. Besser sieht es bei Bakery Jatta, Moritz-Broni Kwarteng und Stephan Ambrosius aus. Die Spieler können allesamt am Montag wieder ins Training einsteigen.