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In Sandhausen das eigene Spiel spielen

Vorbericht

11.08.18

In Sandhausen das eigene Spiel spielen

Der Hamburger SV ist im Rahmen des 2. Spieltags der Zweitliga-Saison beim SV Sandhausen zu Gast. In der süddeutschen Provinz erwartet die Norddeutschen dabei eine besondere Atmosphäre. Doch die sollte angesichts eines klaren Auftrags am Sonntag nur zweitrangig sein. 

„HSV-Fans aufgepasst: So geht´s nach Sandhausen“ - unter diesem Motto erklärte der SV Sandhausen selbstironisch auf Werbe-Plakaten, die im Hamburger Hauptbahnhof angebracht wurden, den HSV-Fans die Anreise in die 15.000-Einwohner-Gemeinde. Sandhausen – das liegt sieben Kilometer südlich von Heidelberg und gehört mit dem SVS seit nunmehr sechs Jahren als kleinster Spielort der 2. Bundesliga an. „Wir! Echt anders.“ lautet der Slogan des Vereins. Er hält, was er verspricht. Die Rothosen werden bei ihrer ersten Auswärtsreise in der 2. Bundesliga ein spezielles Umfeld erleben. So hält etwa die Gästekabine nur das Nötigste bereit und ist mit knapp 20 Sitzplätzen und einer kleinen Sammeldusche ein Hochgenuss für alle Fußballromantiker. Einzig: den HSV-Spielern müssen und werden diese Umstände am Sonntagmittag (ab 13:15 Uhr, live im HSVnetradio) egal sein. „Ich habe in Holland gespielt. Dort sind die Clubs und Stadien manchmal noch kleiner. Das ist alles völlig egal, denn wir müssen unser eigenes Spiel spielen“, erklärt Innenverteidiger Rick van Drongelen.  

Orel Mangala wurde auf Leihbasis vom VfB Stuttgart verpflichtet und könnte in Sandhausen bereits ein Option sein.

Zwei Neuzugänge, Hunt und Steinmann fallen aus 

Nach der bitteren 0:3-Niederlage gegen Holstein Kiel zum Saisonauftakt vor ausverkaufter Kulisse im Volksparkstadion sitzt der Stachel beim Titz-Team noch immer tief. Die Rothosen – das zeigte ihre Körpersprache unter der Woche in den Trainingseinheiten – wollen in Sandhausen um jeden Preis eine Reaktion zeigen und sich nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen lassen. „Die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Kiel war sehr groß. Nach dem Abpfiff herrschte in der Kabine großes Schweigen. Keiner wusste so recht, was er sagen sollte. Erst am Tag danach sind wir in die Analyse gegangen und haben die Dinge gelöst", verrät van Drongelen. Des Rätsels Lösung lag und liegt dabei in der Fokussierung auf das eigene Spiel. Denn in der Nachbetrachtung musste sich selbst der schärfste Kritiker eingestehen, dass der HSV gegen die Störche in Halbzeit eins mit zahlreichen Großchancen auf einem guten Weg war. Einzig das Tor fehlte, um das Spiel in eine andere Richtung zu lenken, wie auch der holländische Youngster der Rothosen weiß: „Wir haben einen guten Start erwischt, aber anschließend nicht mehr unser Spiel gespielt und Kiel damit die Möglichkeit gegeben, zu gewinnen.“ An den eigenen Spielplan glaube die ganze Mannschaft und müsse das nun am Sonntag zeigen.

Mit Kapitän Aaron Hunt wird ein Schlüsselspieler dieses Spielplans auch im zweiten Spiel der Saison nicht zur Verfügung stehen. Der 31-Jährige zog sich einen Faszieneinriss in der Wade zu und wird auf die 90 Minuten in Sandhausen keinen Einfluss nehmen können. „Es steht außer Frage, dass Aaron ein wichtiger Spieler für unser Spiel ist“, erklärt HSV-Trainer Christian Titz. Auch Matti Steinmann wird dem HSV in Sandhausen fehlen. Den 23-Jährigen hatten zuletzt Probleme im Oberschenkel geplagt, für die Partie am Sonntag wird es daher noch nicht reichen. Dafür kann sich Titz aber gleichzeitig mit Mittelfeldspieler Orel Mangala (20) und Verteidiger Léo Lacroix (26), die am Mittwoch bzw. Freitag als Leihspieler verpflichtet wurden, auf zwei weitere personelle Alternativen freuen. Albin Ekdal und Filip Kostic bekamen vom Verein für das Wochenende frei, um Verhandlungen mit anderen Clubs führen zu können.

Unangenehmer Gegner: Der SV Sandhausen um Markus Karl (am Ball) stellt in der Vorsaison mit 33 Gegentreffern die beste Defensive der Liga.

„Können uns nicht mit HSV vergleichen“ 

Verschiedene Alternativen, Optionen und Pläne – die attestierte unter der Woche auch SVS-Trainer Kenan Kocak seinem Gegenüber Christian Titz. Der 37-jährige Fußballlehrer warnte davor, die Auftaktniederlage der Hamburger zu überhöhen und sagte im Vorfeld der Partie: „Anders als es in vielen Medien dargestellt wird, habe ich am 1. Spieltag keine schlechte Hamburger Mannschaft gesehen. Der HSV hat eine klare Idee und neben Plan A auch die Pläne B und C im Köcher.“ Dementsprechend groß ist auch Kocaks Respekt vor dem Bundesliga-Absteiger, mit dem sich sein Team in keiner Weise vergleichen könne. Nichtsdestotrotz habe es die Möglichkeit, den HSV an einem guten Tag zu ärgern. 

Die Sandhäuser pochen ihrerseits nach der 1:3-Auftaktniederlage bei der SpVgg Greuther Fürth auf Wiedergutmachung. Dabei ist Trainer Kocak personell keinesfalls zu beneiden. So vermeldete der Verein unter der Woche, dass mit dem 33-jährigen Stürmer Karim Guede (Innenbandriss im Knie) und dem 31-jährigen Mittelfeldspieler Nejmeddin Daghfous (Kreuzbandriss) gleich zwei Akteure für längere Zeit ausfallen. „Das ist wirklich sehr schade. Beide haben im Training einen guten Eindruck gemacht und waren wichtige Bausteine in den Planungen für die kommenden Wochen. Wenn aber eine Mannschaft solche Verletzungen wegstecken kann, dann wir“, erklärte der in der Türkei geborene und in Mannheim aufgewachsene Fußballlehrer trotzig. Er setzt damit auf die Nehmerqualitäten seiner Truppe, die in der vergangenen Saison mit 43 Punkten den 11. Platz belegte. Gegen den HSV braucht es laut Kocak Spieler, die den unbedingten Willen zeigen. "Leute, die das Spiel genießen und sich wohlfühlen wollen und hinterher noch ein paar Fotos schießen wollen" seien dagegen fehl am Platz. 

„Wir fahren nicht als der große HSV nach Sandhausen, sondern als Mannschaft, die alles dafür tun muss, dort das Spiel zu gewinnen." 

Diese Einstellung verkörpert auch der 1,88 Meter große HSVer Rick van Drongelen und betont im Hinblick auf die Auswärtsreise: „Wir müssen nicht zu viel auf den Gegner gucken. Natürlich beschäftigt man sich im Vorfeld mit der Spielweise und den Stärken Sandhausens, aber am Ende kommt es auf unser Spiel an. Diesmal müssen wir die Tore schießen.“ HSV-Sportvorstand Ralf Becker bläst ins gleich Horn und erklärt im Hinblick auf die charmante Wegbeschreibung der Sandhäuser: „Das lenkt total ab. Wir fahren nicht als der große HSV nach Sandhausen, sondern als Mannschaft, die sportlich ehrgeizige Ziel hat und alles dafür tun muss, um dort das Spiel zu gewinnen.“

Unterstützt wird die Hamburger Mannschaft dabei von mehr als 4.000 HSV-Anhängern, die - ob mit oder ohne Wegbeschreibung - ins Stadion finden und ihre Farben lautstark unterstützen werden. Besondere Reise, ganz klarer Auftrag! 

Der Kader zum Spiel:

Tor: Pollersbeck, Mickel; Feld: Bates, Douglas Santos, Ferati, Holtby, Ito, Janjicic, Lacroix, Lasogga, Mangala, Moritz, Narey, Sakai, Samperio, Vagnoman, van Drongelen, Wintzheimer

So könnte Sandhausen spielen: Schuhen - Kister, Karl, Zhirov - Klingmann, F. Müller - Linsmayer, P. Förster, Zenga - Schleusener, Gislason

Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden)