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Vom Gejagten zum Jäger

Vorbericht

03.05.19

Vom Gejagten zum Jäger

Der HSV will die geänderte Rolle annehmen und mit einem Erfolg gegen Ingolstadt den Druck auf Union Berlin und Paderborn erhöhen. Dafür werden Spieler benötigt, die sich zerreißen.

Wenn der HSV am morgigen Sonnabend den FC Ingolstadt im Volksparkstadion empfängt (Anstoß: 13 Uhr, ab 12.45 Uhr live im HSVnetradio) hat sich etwas Entscheidendes verändert: Mit der Niederlage gegen den FC Union Berlin am vergangenen Sonntag sind die Rothosen zum ersten Mal seit dem 10. Spieltag nicht mehr unter den ersten drei Plätzen der 2. Bundesliga zu finden. Das große Ziel ist damit drei Spieltage vor dem Ender der Saison in Gefahr geraten. Die Mannschaft muss nun wieder Boden gutmachen und kann etwas zurückgewinnen. „Wir waren lange die Gejagten, jetzt müssen wir jagen. Diese Rolle wollen wir leben. Dafür brauchen wir unsere maximale Kraft und eine Überzeugung der eigenen Stärke“, sagt Hannes Wolf.

Die Mannschaft läuft sich in einer großen Gruppe ein.
Die Mannschaft rückte in Rotenburg noch enger zusammen - nicht nur auf dem Trainingsplatz.

Mangala fit, Hunt nicht

Die Fokussierung holte er sich mit seinem Team in den letzten drei Tagen in Rotenburg an der Wümme. Im Kurztrainingslager im niedersächsischen Kleinstädtchen wurden die Sinne noch einmal geschärft und das Gruppenverhalten gestärkt. Schon 2017 unter Markus Gisdol suchte der HSV im Saisonendspurt zweimal die Ruhe in Rotenburg und dem Hotel Landhaus Wachtelhof auf, um sich auf wichtige Aufgaben einzuschwören. Mit Erfolg. Gegen den VfL Wolfsburg gelang bekanntlich mit einem 2:1-Sieg noch im letzten Moment der Sprung auf Platz 15. Den entscheidenden Treffer erzielte seinerzeit Luca Waldschmidt. Es war sein Premierentreffer im Dress des HSV.

„In den letzten Spielen brauchen wir Spieler, die sich für die Aufgabe und für den Verein zerreißen“, forderte Wolf in dieser Woche und schürte damit in den letzten Trainingstagen den Konkurrenzkampf. „Jeder kann sich noch einmal dafür qualifizieren, am Samstag auf dem Platz zu stehen“. Aaron Hunt hat es leider nicht geschafft. Das lag allerdings weniger an seiner Einstellung, sondern an Problemen im Rücken, an denen der Kapitän seit dem Spiel gegen Union laboriert. Nach einem letzten Härtetest am Freitag setzte sich der Mittelfeldspieler ins Auto, anstatt mit der Mannschaft ins Teamhotel Grand Elysee zu fahren. Einer konnte dafür aber grünes Licht geben: Orel Mangala saß im Bus und ist damit für das Heimspiel gegen Ingolstadt einsatzbereit. Wie Wolf taktisch plant und wem er das Vertrauen in der Startelf gibt, das ist offen wie nie. „Wie wir genau aufstellen, können und wollen wir auch erst spät entscheiden“, ließ sich er Fußball-Lehrer nicht in die Karten schauen.

Tomas Oral in Nahaufnahme.
Seit Tomas Oral das Zepter beim FCI übernommen hat, gab es noch keine Niederlage.

Respekt vor Ingolstadt

Auch sein Gegenüber, Tomas Oral, kann fast aus dem Vollen schöpfen. Außer Top-Scorer Sonny Kittel (8 Tore, 6 Vorlagen), der aufgrund seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist, stehen alle Spieler zur Verfügung. Unter der Regie des neuen Trainers blieben die Schanzer in vier Spielen bislang ungeschlagen (3 Siege, 1 Unentschieden) und sammelten stolze zehn Punkte. Zweimal gewann man davon auswärts (in Duisburg und in Bielefeld) bei einem Torverhältnis von 7:3. Mit diesem Zwischenspurt liegen die Ingolstädter zurzeit nur einen Punkt hinter dem Relegationsplatz, den im Moment die Magdeburger innehaben. "Es wird eine interessante Begegnung am Samstag, in der beide Teams alles reinbuttern werden. Wir hoffen, am Ende die Nase vorne zu haben“, gibt sich FCI-Coach Oral in der Pressekonferenz selbstbewusst.

Hannes Wolf weiß derweil um die Aufgabe, die den HSV erwartet: „Natürlich brauchen wir Respekt vor dem Gegner. Wir brauchen konstante Intensität und wollen darüber hinaus unseren Fußball spielen.“ Nur mit einem Sieg kann der HSV den Druck auf Union Berlin und den SC Paderborn erhöhen und den Gejagten die Plätze zwei und drei wieder streitig machen. „Was wir beeinflussen können, wollen wir komplett beeinflussen“, so der Trainer.

Der HSV-Kader: Tor: Pollersbeck, Mickel; Feld: Arp, Bates, Douglas, Hwang, Janjicic, Jatta, Jung, Lacroix, Lasogga, Mangala, Narey, Özcan, Sakai, Vagnoman, van Drongelen, Wintzheimer

So könnte Ingolstadt spielen: Neumann, Paulsen, Mavraj, Paulo Otavio - Cohen - Krauße, Gaus - Kerschbaumer - Kutschke, Lezcano

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

(Kopie 1)