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Zeit, gemeinsam Geschichte zu schreiben!

Vorbericht

23.04.19

Zeit, gemeinsam Geschichte zu schreiben!

Im Halbfinale gegen RB Leipzig hat der Hamburger SV die große Chance, seit 32 Jahren wieder ins Endspiel um den DFB-Pokal in Berlin einzuziehen. 

Als der Hamburger SV am 31. März 1987 mit einem 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach zum letzten Mal ein Halbfinale im DFB-Pokal gewann, war mit Ausnahme von Aaron Hunt noch kein Spieler im aktuellen HSV-Kader geboren. Der heutige HSV-Kapitän war an dem besagten Abend, als Manfred Kastl den Goldenen Treffer für den HSV erzielte und damit den Weg zum dritten und bis heute letzten Pokal-Triumph des Clubs ebnete, gerade mal 208 Tage alt. Dieser Fakt allein verdeutlicht, welch besonderes Spiel dem HSV heute Abend um 20.45 Uhr (ab 20.30 Uhr im HSVnetradio) gegen den Bundesligisten RB Leipzig im Volksparkstadion bevorsteht. 

Aaron Hunt im Duell mit Leipzig Konrad Laimer.
Kapitän Aaron Hunt und die Hamburger treffen im Pokal-Finale mit RB Leipzig auf einen vermeintlich übermächtigen Gegner. Dabei kann der HSV als elfter Zweitligist in der Pokal-Historie ins Finale einziehen.

„Ein Riesenspiel für uns“

64 Mannschaften sind in dieser Spielzeit in der 1. Hauptrunde des beliebten DFB-Pokals an den Start gegangen, der HSV steht nun gemeinsam mit RB Leipzig, Werder Bremen und dem FC Bayern München ausgerechnet in seinem ersten Zweitliga-Jahr wieder in der Runde der letzten vier. „Wir haben ein Riesenspiel vor uns mit der Riesenmöglichkeit, nach Berlin zu fahren. Es ist nur noch dieses eine Spiel bis zum Finale. So werden wir es angehen und alles reinhauen“, erklärt Hunt, der mit Werder Bremen (2008/09) und dem VfL Wolfsburg (2014/15) bereits zweimal den 52 Zentimeter hohen und 5,7 Kilogramm schweren Pott gewinnen konnte und seinen Mitspielern damit erneut etwas voraus ist. „DFB-Pokal-Halbfinale – für viele ist das einer der größten Momente in ihrer Karriere. Auch für mich. Ich freue mich riesig darauf und erwarte ein richtig geiles Spiel“, sagt Teamkollege Pierre-Michel Lasogga, seines Zeichens 27 Jahre jung und mit aktuell sechs Treffern im laufenden Wettbewerb auf der Jagd nach vereinsinternen DFB-Pokal-Rekorden der HSV-Größen Edmund Adamkiewicz (1939, acht Tore) sowie Horst Hrubesch und Jimmy Hartwig (1980/81, sieben). „Wer weiß, wann und ob jeder Einzelne von uns, nochmal ein Heimspiel im DFB-Pokal-Halbfinale erleben wird“, stimmt letztlich Torhüter Julian Pollersbeck in den Chor ein. Keine Frage, die HSV-Rasselbande, die in dieser Spielzeit als jüngstes Team im deutschen Profifußball schon so einige Höhen und Tiefen durchlebt hat und über Siege gegen Erndtebrück (5:3), Wiesbaden (3:0), Nürnberg (1:0) und zuletzt Paderborn (2:0) das Halbfinal-Ticket löste, weiß um die fast schon historische Bedeutung des Duells mit den Sachsen.

Zum zweiten Mal nach dem Achtelfinale gegen den Bundesligisten 1. FC Nürnberg ist der HSV im DFB-Pokal dabei offiziell das unterklassige Team und geht als krasser Underdog ins Duell. Mit RB Leipzig kommt nämlich nicht nur die drittstärkste Fußballkraft in Deutschland, sondern das absolute Team der Stunde ins Volksparkstadion. Die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick ist wettbewerbsübergreifend seit 14 Spielen ungeschlagen und konnte seine letzten sechs Spiele allesamt gewinnen. Auswärts feierten die "Roten Bullen" gar acht Pflichtspielsiege in Serie und waren zuletzt am Sonnabend mit 2:1 in Mönchengladbach erfolgreich. „Wir gehen das Spiel mit einem ganz gesunden Selbstbewusstsein an. Am Ende zählt nur, dass wir mit allen, was wir haben, ins Finale wollen. Wir spielen dabei gegen einen gefühlten weiteren Bundesligisten“, sagte Rangknick, dessen Team sich auf dem Weg ins Halbfinale gegen Viktoria Köln (3:1), Hoffenheim (2:0), Wolfsburg (1:0) und Augsburg (2:1 n.V.) bereits gegen drei Bundesligisten durchsetzte, im Vorfeld der Begegnung.     

Choreographie im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Nürnberg.
Im letzten DFB-Pokal-Heimspiel präsentierten die HSV-Fans eine großartige Choreographie. Auch für das Halbfinale gegen Leipzig dürfen die Spieler mit einem solchen Empfang rechnen.

„Wir brauchen extreme Lautstärke“

Mehr Favorit geht eigentlich nicht und dennoch glaubt der HSV an seine Chance. „Es ist ein Halbfinale. Für solche Spiele lebt man als Fußballer. Da ist es jetzt auch ziemlich egal, wer uns da gegenübersteht“, sagt Julian Pollersbeck. „Natürlich spielen wir gegen eine sehr starke Mannschaft. Niemand erwartet, dass wir Leipzig an die Wand spielen. Es wird eine Mammutaufgabe, aber im Pokal ist alles möglich.“ Der 24-jährige U21-Europameister, der in der aktuellen Pokal-Saison noch kein Gegentor hinnehmen musste, weiß als Wettkampftyp dabei, worauf es ankommen wird: „Jedem muss am Dienstagabend bewusst sein, was wir hier für eine besondere Chance haben. Wir brauchen eine extreme Lautstärke, denn so etwas schüchtert den Gegner ein. Ich hoffe, dass unsere Fans alles raushauen werden. Nicht nur die Nordtribüne, sondern das ganze Stadion. Wenn mehr als 50.000 HSVer hinter uns stehen, dann macht das beim Gegner Eindruck. So können wir uns auch im Duell David gegen Goliath durchsetzen.“

Auch HSV-Trainer Hannes Wolf glaubt bei aller Qualität der Gäste an seine Mannschaft und eine mögliche Pokalüberraschung. „Das Spiel ist sehr wichtig für uns. Wir wissen, dass mit RB Leipzig eine sehr, sehr gute Mannschaft ins Volksparkstadion kommt. Trotzdem hast du im Fußball immer eine Chance! Wir wollen alles, was in unserer Macht steht, auf den Platz bringen. Es ist ein Spiel, in dem wir in allen Bereich unser Bestes geben müssen. Wir brauchen einen sehr guten Torwart und auch etwas Glück.“

Es ist der Zauber des Fußballs, die Möglichkeit, dass der Underdog in einem Spiel über sich hinauswachsen und auch den größten Favoriten niederringen kann, der sich vermeintlich in keinem anderen Wettbewerb besser entfalten kann als im DFB-Pokal. Ein Spiel. 90 Minuten plus x. David gegen Goliath. Es ist an der Zeit, gemeinsam Geschichte zu schreiben... 

So könnte RB Leipzig spielen: Gulacsi - Mukiele, Konaté, Klostermann - Laimer, Kampl, Halstenberg - Sabitzer, Forsberg - Matheus Cunha, Werner

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)