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Tim Leibold: Auf der Überholspur

Team

17.10.19

Tim Leibold: Auf der Überholspur

Als ständiger Antreiber im Offensivspiel der Rothosen und zugleich zuverlässige Absicherung auf der linken Seite hat sich Neuzugang Tim Leibold in Windeseile beim HSV eingefunden.  

Sprint Richtung Grundlinie. Ein Kontakt mit links. Punktgenaue Flanke aufs linke Torraumeck. Eine Steilvorlage für Jeremy Dudziak, der die Kugel per Flugkopfball nur noch zum 1:0 über die Linie wuchten muss. Ausgangspunkt des wichtigen 1:0 am 9. Spieltag gegen die SpVgg Greuther Fürth: Tim Leibold. Der Linksverteidiger der Rothosen, der in diesem Sommer mit der Empfehlung von 32 Bundesliga- und 70 Zweitliga-Spielen (acht Tore, acht Vorlagen) vom 1. FC Nürnberg an die Elbe wechselte, war einmal mehr auf der Überholspur unterwegs, so dass den Gegenspielern nur der Blick auf die Rücklichter des 1,74 Meter großen Wirbelwindes blieb. Ein Offensivmuster, das sich bis dato stringent wie ein Ferrari durch die Formel 1-Geschichte durchs HSV-Spiel zieht. Vier Treffer bereitete der gebürtige Schwabe in den ersten neun Zweitliga-Spielen bereits vor - ligaweit hinter Mats Möller Daehli (sechs) und Sebastian Stolze (fünf) Platz 3 und Platz 1 unter allen Außenverteidigern. Zum Vergleich: Sein hochgeschätzter Vorgänger Douglas Santos, der mittlerweile für Zenit St. Petersburg in der Champions League aufläuft, brachte es in der Vorsaison als bester HSV-Vorbereiter in 33 Spielen auf sechs Assists.

Leibold im Zweikampf mit Fürths Maximilian Sauer.
Leibold mag das Einschalten ins Offensivspiel, steht aber auch in der Deckung seinen Mann - hier gegen Fürths Maximilian Sauer.

Position gesucht und gefunden  

„Ich sehe mich als dynamischer Linksverteidiger. Ich habe einen großen Offensivdrang, möchte auch vorn die Stürmer bedienen. Priorität hat im Zweifelsfall aber immer das Verteidigen. Wenn man keine Tore kassiert, dann verliert man schließlich nicht“, hatte Tim Leibold zu Beginn der Saison seinen Spielstil charakterisiert. Bisher klappt beides: Denn auch den Rückwärtsgang weiß der Linksverteidiger, der sich bis dato mit 94,54 zurückgelegten Kilometern (Rang 28) als äußerst lauffreudig präsentiert, in seinem Getriebe souverän einzulegen. Mit sieben Gegentoren stellt der HSV nach neun Spieltagen die beste Abwehrreihe der 2. Liga. 

Leibold als Prototyp des modernen Außenverteidigers - das war nicht immer so. Der kleine Mann aus Böblingen, einer beschaulichen Kleinstadt 20 Kilometer südlich von Stuttgart, wurde beim VfB Stuttgart einst in der Jugend aussortiert und schaffte sozusagen erst auf dem zweiten Bildungsweg über den Oberligisten SGV Freiberg den Sprung ins Profigeschäft. Sein damaliger Trainer Ramon Gehrmann, seit Juni dieses Jahres übrigens Übungsleiter bei den Stuttgarter Kickers, stellte „Leibe“, der zuvor auf der „Sechs“ spielte, nach hinten links und verhalf ihn damit ebenso wie seinen Schützlingen Jeremias Lorch (heute SV Wehen Wiesbaden) und Maximilian Rohr (FC Carl Zeiss Jena) zu einer Profikarriere. „Es hat relativ schnell ganz gut geklappt und hinten links stehe ich bis heute“, blickt der Neuzugang auf die Zeit beim SGV Freiberg zurück. 

Tim Leibold bejubelt gemeinsam mit seinen Teamkollegen den 1:0-Führungstreffer gegen Bochum.
Teamplayer: Auch beim Torjubel ist Leibold meist ganz vorn dabei, gilt in Mannschaftskreisen als geschätzter Teamkollege.

Schnelle Taten, ruhige Worte

Leibold ließ sich von Rückschlägen nicht ausbremsen, kehrte 2013 zum VfB Stuttgart zurück und feierte am 20. Juli desselben Jahres mit der 2. Mannschaft des Traditionsclubs in der 3. Liga gegen Borussia Dortmund II sein Profidebüt. Seither sind 176 Pflichtspiele im bezahlten Fußball dazugekommen, darunter zehn für den Hamburger SV, in denen „Leibe“ wie eingangs erwähnt reichlich Duftmarken setzen konnte. Der 25-Jährige übt sich trotz seines persönlichen Traumstarts und vielleicht gerade wegen seines ungewöhnlichen Werdegangs bisher aber in nordischer Zurückhaltung. „Erst liefern, dann reden“ sowie „Teamwohl über Ego“ lauten die Mantras. „Ich wollte erst mal in Hamburg ankommen und mich auf den Fußball konzentrieren“, erklärt Leibold, der vom Fachmagazin "kicker" hinter Adrian Fein (2,61) als notenstärkster HSVer (2,83) gelistet wird, und führt bescheiden aus: „Wenn es als Mannschaft läuft, hat man es als Einzelspieler leichter, in ein neues Team zu finden. Es freut mich natürlich, dass ich bislang auch meinen Teil dazu beitragen kann. Noch ist es aber früh in der Saison, man muss erst mal sehen, wo die Reise hingeht.“

Auf der linken Bahn des HSV geht die Reise bis dato zielgerichtet vors gegnerische Tor: Blinker links, Überholspur, Flanke ins Zentrum - Tim Leibold ist im Fuhrpark des Volksparkstadions angekommen und will im nächsten Punktspiel in Bielefeld den nächsten Turbo zünden!   

(Kopie 1)