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Last-Minute-Tor als ärgerliche Lernphase

Nachbericht

04.11.19

Last-Minute-Tor als ärgerliche Lernphase

Der späte Ausgleich in Wiesbaden wurmt die HSV-Verantwortlichen. Das Spiel müsse aber als Teil des Prozesses angenommen werden, ist Dieter Hecking um die richtige Einordnung bemüht.

Die Analyse des gestrigen 1:1-Unentschiedens beim SV Wehen Wiesbaden war auch mit einer Nacht Schlaf noch identisch: Völlig unnötig war das einhellige Credo, das auch Dieter Hecking nach dem Spielersatztraining noch einmal bestätigte: „Dass wir dieses Spiel gestern nicht gewonnen haben, ist ärgerlich. Wir waren zu fahrig in der ersten Halbzeit. Das hat man schon zu Beginn gesehen, wo Wiesbaden zu Möglichkeiten gekommen ist, die in der Form nicht passieren dürfen, weil wir unkonzentriert waren. Unsere Großchancen haben wir fahrlässig liegengelassen. Dadurch hast du dem Gegner gezeigt, dass heute vielleicht doch noch etwas geht“, analysierte der Coach, der schon bei der Ausführung des Eckballs in der 91. Minute eine Vorahnung hatte: „Da habe ich zu Dirk Bremser gesagt: ‚Jetzt knallst!‘ Das hast du im Gefühl, dass sich so etwas angebahnt“, verriet der Coach im Pressegespräch.

David Kinsombi schießt aufs Tor.
Drei Minuten nach dem Seitenwechsel war die HSV-Welt noch in Ordnung: David Kinsombi traf zur 1:0-Führung, die danach leider nicht ausgebaut wurde.

"Wir sind immer noch in einem Prozess"

In der zweiten Halbzeit, in der die Mannschaft bereits nach drei Minuten die 1:0-Führung durch David Kinsombi erzielte, habe die eigene Effektivität vor dem Tor gefehlt. Bei der Vielzahl der Chancen hätte man das 2:0 machen müssen. „Der Gegner nimmt sich was vor und gibt nie auf. Wenn du ihn am Leben lässt, wie wir gestern, dann passiert das mal“, erklärte Hecking weiter und läutete mit seinen Worten die Einordnung der Leistung ein. Denn diese möchte der Trainer nicht zu negativ bewertet sehen. „Ich denke, und das werde ich auch noch ein paar Mal sagen: Wir sind immer noch in einem Prozess. Wir sind keine Mannschaft, die wie das Messer durch die Butter durch die Saison gehen wird. Das sieht man ja auch bei anderen Mannschaften. Wenn das HSV-Umfeld glaubt, wir fahren irgendwo hin und es wird uns was geschenkt, dann ist es genau die Denke, die uns null hilft“, so Hecking. Es lasse sich eben nicht immer alles verhindern, auch wenn es sehr ärgerlich sei. Und dieses Ergebnis sei auch nichts, was ihn unruhig werden ließe. „Ich erkenne nicht, dass meine Mannschaft denkt, dass sie irgendetwas erreicht hätte. Wir würden auch gerne dominanter und besser spielen auswärts, aber das gelingt dir nicht immer wie zuhause. Du wirst immer mal so etwas wie in Wiesbaden haben. Das dreht sich auch im Laufe der Saison wieder,“ so der Cheftrainer. 

Gegen die Hessen hätte nach drei Topspielen innerhalb von 12 Tagen vielmehr die mentale Frische gefehlt, die es benötige, um dort am Ende die drei Punkte mitzunehmen. Dass nach Führungen in Regensburg und Bielefeld nun zum dritten Mal auswärts ein Vorsprung eingebüßt wurde, ärgert den Coach zwar ebenso sehr wie alle anderen, an die große Glocke will er dieses aber nicht hängen. „Das müssen wir auch als Lernphase annehmen. Wir müssen wieder zu Null spielen. Letzte Woche hing der Himmel hier voller Geigen, nachdem wir Stuttgart mit 6:2 geschlagen haben, alle haben geträumt. Ich ordne beide Spiele richtig ein.“

Timo Letschert auf dem Trainingsplatz.
Gegen Wiesbaden musste Timo Letschert noch mit Nackenproblemen passen. Heute stand der Niederländer schon wieder auf dem Platz.

"In Kiel dürfen wir einen kleinen Hexenkessel erwarten"

Und so soll es möglichst schon in Kiel wieder besser gemacht werden. Hecking erwartet auch dort einen hochmotivierten Gegner, der dem HSV alles abverlangen wird. „Kiel hat nach dem Trainerwechsel eine Entwicklung genommen. Sie wirken wieder deutlich stabiler in ihrer Art und Weise, wie sie Spiele angehen. Wir wissen alle: So viele Derbys haben wir dieses Jahr nicht. Das ist eins. Von daher werden wir da einen kleinen Hexenkessel erwarten dürfen und voll gefordert sein.“

Nicht mit von der Partie wird dann erneut Aaron Hunt sein, der gegen Wiesbaden mit einer Zerrung ausgefallen war und voraussichtlich sieben bis zehn Tage fehlen wird. „In der Regel dauert es so lange. Ich gehe nicht davon aus, dass er gegen Kiel dabei ist“, so Hecking. Auch bei Martin Harnik sieht es leider nicht besser aus. Bei einer eingehenden Untersuchung am Montag wurde beim Stürmer eine Oberschenkelzerrung diagnostiziert. Damit fällt er für das Spiel in Kiel ebenfalls aus. 

Timo Letschert ist derweil schon einen Schritt weiter. Der niederländische Innenverteidiger, der gestern mit Problemen im Nackenbereich ebenfalls nicht eingewechselt werden konnte, stand am Montag schon wieder auf dem Rasen. Seine seitliche Drehung sei noch eingeschränkt, bestätigte Hecking, deshalb dürfe er noch keine Kopfbälle machen, am Mittwoch solle es aber besser sein. Dann startet die gezielte Vorbereitung auf Kiel, in der die Erkenntnisse des Wiesbaden-Spiels sicher Berücksichtigung finden werden.

(Kopie 1)