Zum Inhalt springen

Trotz personeller Probleme: Das Potenzial in Power umwandeln

Vorbericht

02.11.19

Trotz personeller Probleme: Das Potenzial in Power umwandeln

Der HSV will nach dem Pokal-Aus die zuletzt gezeigten Leistungen im Ligabetrieb bestätigen und in Wiesbaden die Tabellenführung behaupten.

„Wenn wir unser Potenzial nicht abrufen, wird es auch in Wiesbaden ein schweres Spiel“ – die Worte von Dieter Hecking, die er in der Pressekonferenz am gestrigen Freitag wählte, klingen einerseits wie eine Warnung an seine Schützlinge, andererseits demonstrieren sie auch das Vertrauen des Übungsleiters in die Stärken seines Teams. Schließlich deutet der 55-Jährige mit diesem Satz implizit an, dass das Potenzial auf jeden Fall vorhanden ist, um die Auswärtshürde beim SV Wehen Wiesbaden am morgigen Sonntag (3. November, ab 13.15 Uhr live im HSVnetradio) zu nehmen und damit die Tabellenführung in der 2. Bundesliga zu festigen. Dafür müssen die PS allerdings auf die Straße – in diesem Fall das Feld in der BRITA-Arena – gebracht werden. Einer, der reichlich Power unter der Haube hat, ist Sonny Kittel. Der Außenbahnflitzer, der auch im Motorraum des HSV-Spiels eingesetzt werden kann, zeigte im ersten Drittel der neuen Saison, dass er eine top Sommer-Verstärkung für die Rothosen war. Der Neuzugang vom FC Ingolstadt (passenderweise eine Autostadt) konnte in bisher 13 Pflichtspielen satte zehn Torbeteiligungen (acht Tore, zwei Assists) verbuchen und avancierte damit zum besten Scorer des neu formierten HSV-Teams. Seine Qualitäten im flotten Offensivspiel der Hamburger (bereits 26 Saisontore – Ligabestwert) würde der Mittelfeldmann wohl ganz besonders gerne auch am Sonntag in der hessischen Landeshauptstadt demonstrieren, schließlich ist der 26-Jährige im nur rund eine Autostunde entfernten Gießen geboren und musste gegen den SVWW einen der bittersten Momente seiner Karriere verkraften, als er im vergangenen Sommer mit den „Schanzern“ die Relegation gegen die Hessen verlor (2:1, 2:3) und in die 3. Liga abstieg. Umso motivierter wird der Mittelfeldspieler nun zu Werke gehen, wie er bereits im Vorfeld zu Protokoll gab: „Ich habe mir einige Karten für meine Familie und Freunde zurücklegen lassen, zudem sind die Erinnerungen an die verlorene Relegation noch sehr frisch. Jetzt schaue ich aber nur nach vorn und will am Sonntag das Spiel mit dem HSV gewinnen.“ 

Hunt, Hinterseer und Vagnoman applaudieren in Richtung Fankurve.
HSV -Kapitän Aaron Hunt (l.) und Josha Vagnoman (3. v. l.) werden in Wiesbaden verletzungsbedingt nicht mitwirken können.

HSV ohne Hunt und Vagnoman

Bei diesem Vorhaben können Aaron Hunt und Josha Vagnoman nicht mitwirken. Beide Akteure verletzten sich im DFB-Pokal-Spiel gegen den VfB Stuttgart (1:2 n.V.) und werden die Reise nach Wiesbaden nicht antreten können. Während beim Kapitän eine Oberschenkelzerrung diagnostiziert wurde, wird der Youngster aufgrund eines Bruchs im Fußwurzelknochen bis ans Jahresende ausfallen. Eine bittere Nachricht für den 18-Jährigen und die Rothosen, schließlich fällt auf dem Posten des Rechtsverteidigers bereits Jan Gyamerah (Wadenbeinbruch) längerfristig aus. Dennoch ist Dieter Hecking sicher, dass die verbleibenden Profis über ausreichend Qualität verfügen, um den Auswärtssieg einzufahren: „Ich gehe davon aus, dass wir die Einstellung und die Qualität haben, um am Sonntag in Wiesbaden ein erfolgreiches Spiel machen.“

Rüdiger Rehm lächelt.
Rüdiger Rehm ist beim SVWW seit Februar 2017 im Amt und schaffte in der Saison 2018/19 den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Wiesbaden mit starker Serie

Dass diese Aufgabe allerdings keine leichte wird, offenbart der Blick auf die Formtabelle der letzten vier Zweitliga-Spieltage: Dort steht der SV Wehen Wiesbaden mit acht Punkten auf einem hervorragenden dritten Platz und liegt damit nur knapp hinter dem HSV, den in dieser Statistik einzig das bessere Torverhältnis von den morgigen Gastgebern abhebt. Nach einem schweren Start in die neue Spielklasse (ein Punkt aus den ersten sieben Spielen) hat sich der Aufsteiger also in der 2. Bundesliga etabliert und agiert nun auf Augenhöhe mit den Kontrahenten. In diesem Kontext war der 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart am 9. Spieltag ein echtes Ausrufezeichen, das die Qualitäten der Hessen veranschaulichte: Aus einer kompakten Defensive heraus agierte die Elf von Cheftrainer Rüdiger Rehm zuletzt in einer 3-4-3-Grundordnung, die sehr flexibel ausgefüllt werden kann. Der Fixpunkt im Spiel mit dem Ball ist Mittelstürmer Manuel Schäffler, der bereits acht Saisontore erzielen konnte. 

Trotz all dieser bemerkenswerten Erkenntnisse in Bezug auf die Gastgeber geht der HSV als Favorit in das Aufeinandertreffen, schließlich werden die Rothosen aufgrund der Spieltagskonstellation (Arminia Bielefeld als Tabellenzweiter spielt ebenfalls erst am Sonntag) definitiv als Tabellenführer in den Vergleich mit dem SVWW gehen, der trotz der starken Serie zuletzt weiter auf dem letzten Tabellenplatz steht. Um der Favoritenrolle gerecht zu werden, muss der HSV allerdings sein Leistungslimit in der BRITA-Arena erreichen. Die Heimspielstätte der Gastgeber befindet sich im Umbau und fasst daher aktuell nur 9.100 Zuschauer. Rund 2.200 davon werden den HSV unterstützen – mit der berechtigten Hoffnung, dass die Mannschaft das Potenzial in Power umwandeln kann. 

Der HSV-Kader für das Spiel: Tor: Heuer Fernandes, Mickel; Feld: Amaechi, David, Dudziak, Ewerton, Fein, Harnik, Hinterseer, Jatta, Jung, Kinsombi, Kittel, Leibold, Letschert, Moritz, Narey, Samperio, van Drongelen, Wood

So könnte der SV Wehen Wiesbaden spielen: Lindner - Mockenhaupt, Dams, Medic - Kuhn, Niemeyer - Mrowca, Titsch Rivero - Aigner, Dittgen - Schäffler

Schiedsrichter: René Rohde (Rostock)

(Kopie 1)