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Hanno Behrens: "Ich werfe immer noch einen Blick mehr auf den HSV"

Gegnercheck

05.08.19

"Ich werfe immer noch einen Blick mehr auf den HSV"

Hanno Behrens ist das Herz im Spiel des 1. FC Nürnberg. HSV.de sprach mit dem 29-jährigen Mittelfeldspieler, der insgesamt sieben Jahren für die Rothosen auflief.

Wenn ein Profi-Fußballer in 129 von 137 möglichen Ligaspielen auf dem Rasen steht, dann spricht das einerseits für eine stabile körperliche Konstitution. Andererseits aber auch für ein starkes, sportliches Standing im Verein. Wenn der Akteur seine Mannschaft darüber hinaus auch noch als Kapitän auf das Spielfeld führt, dann kann gestrost von einem absoluten Schlüsselspieler gesprochen werden. All diese Attribute treffen im Falle des 1. FC Nürnberg auf Hanno Behrens zu. Seit seinem Wechsel zum "Club" im Sommer 2015 hat der zentrale Mittelfelspieler nur acht Ligaspiele verpasst und bei 127 seiner 129 Einsätze in der Startelf gestanden.

Eine beeindruckende Quote - die ihre Wurzeln in Elmshorn hat. Dort, vor den Toren Hamburgs, ist Hanno Behrens am 26. März 1990 geboren. Bis zu seinem 15. Lebensjahr spielte der großgewachsene Blondschopf für den ansässigen Raspo respektive FC und empfahl sich mit seinen starken Leistungen für einen Wechsel zum HSV, der im Sommer 2005 vollzogen wurde. Nach drei Jahren im Nachwuchsleistungszentrum der Rothosen (U17, U19) gelang Behrens schließlich der Sprung in die zweite Mannschaft, für die er beim 1:1 gegen den VFC Plauen am 17. August 2008 sein Debüt feierte. Wieder ein Jahr später packte der damals 19-Jährige sogar der Sprung in den Profi-Kader, für einen Pflichtspiel-Einsatz in der Bundesliga-Mannschaft reichte es allerdings nicht. 

Hanno Behrens treibt den Ball.
Ein Foto aus dem Sommer 2009: Hanno Behrens absolvierte damals das Trainingslager mit den HSV-Profis in Kematen (Österreich).

Im Sommer 2012 brach der robuste Abräumer seine Zelte in der Heimat ab und schloss sich dem aufstrebenden SV Darmstadt 98 an. Bei den "Lilien" verbrachte Behrens drei gute Jahre und feierte an deren Ende den nicht für möglich gehaltenen Aufstieg in die Bundesliga. Trotz des Erfolgs entschied sich der Norddeutsche nach Auslaufen seines Vertrages für einen Wechsel in noch südlichere Gefilde und unterschrieb beim 1. FC Nürnberg, der die Saison deutlich hinter dem SVD auf Rang 9 beendete, einen Kontrakt mit drei Jahren Laufzeit.

Bei den Franken avancierte der 1,88 Meter große "Sechser" endgültig zum Leistungsträger und etablierte sich als einer der besten Mittelfeldspieler in der 2. Bundesliga. Mit seiner Zweikampfstärke am Boden und in der Luft war (und ist) Behrens ein wichtiger Faktor im Spiel des FCN. Darüber hinaus entwickelte der Taktgeber mit zunehmender Zeit einen enormen Offensivdrang, der sich in der Saison 2017/18 in 14 Ligatreffern niederschlug. Diesen Wert konnte kein anderer Mittelfeldspieler in der Spielklasse überbieten. Mit seinen Toren führte Behrens den "Club" zurück in die Beletage des deutschen Fußballs und erfüllte sich damit seinen persönlichen Traum vom Bundesliga-Debüt. Das wiederum erfolgte am 25. August 2018 in Berlin (0:1). Weitere 33 Spieltage später standen für den Elmshorner zwar 30 Einsätze und sieben Scorerpunkte (vier Tore, drei Vorlagen) in der Statistik - den Abstieg konnte dieser Beitrag aber nicht verhindern.

Zudem ereilte den gereiften Mittelfeldmotor im Saisonverlauf eine weitere bittere Niederlage, als er im Februar 2019 das DFB-Pokal-Achtelfinale beim HSV mit 0:1 verlor. Es war Behrens' erstes Pflichtspiel gegen die Rothosen überhaupt. Nun steht das zweite bevor. Aus HSV-Sicht ist zu hoffen, dass das Siegerteam auch im Max-Morlock-Stadion die Raute auf der Brust trägt. Auch wenn sich Hanno Behrens, mit dem HSV.de im Vorfeld des Montagabendspiels (5. August, 20.30 Uhr) gesprochen hat, naturgemäß einen anderen Ausgang wünscht.

Du hast insgesamt sieben Jahre bei den Rothosen verbracht, zu einem Einsatz für die Profis kam es am Ende leider nicht. Wie blickst du trotzdem auf die Zeit beim HSV zurück?

Hanno Behrens: Auch wenn es zu keinem Profispiel gereicht hat, blicke ich dennoch sehr positiv auf die Zeit zurück. Ich habe trotzdem sehr viel gelernt. Für mich als ehemaligen HSV-Fan war es natürlich sehr schön, für den Verein spielen zu dürfen, auch wenn es nur für die zweite Mannschaft war. Gerade die Zeit in der Jugend war sehr schön, mit sehr vielen coolen Mitspielern.

Hanno Behrens mit Kapitänsbinde.
Seit der Saison 2017/18 führt Hanno Behrens den 1. FC Nürnberg als Kapitän aufs Feld.

Apropos Mitspieler, mit Christian Mathenia, Törles Knöll und Fabian Nürnberger stehen noch drei weitere, ehemalige HSVer im aktuell FCN-Kader. Sind die Rothosen daher - gerade in der Woche vor dem Spiel - immer mal wieder Gesprächsthema bei euch?

Wir haben natürlich viel über den HSV gesprochen, nicht nur mit den drei Jungs, sondern auch mit allen anderen. Gerade in dieser Woche, in der das Spiel ansteht, unterhält man sich viel über den Gegner.

Du hast dich in den vergangenen Jahren zu einem torgefährlichen Mittelfeldspieler entwickelt. Hast du bewusst daran gearbeitet oder haben sich die offensiven Qualitäten einfach ergeben?

Ich trainiere nach dem Mannschaftstraining gerne noch einmal Abschlüsse, wobei ich glaube, dass ich schon immer eine gute Torgefährlichkeit als Mittelfeldspieler hatte. Die Qualität hatte ich schon in der Jugend. Da habe ich schon das eine oder andere Tor aus dem Mittelfeld heraus geschossen.

Mit keinem anderen Spieler hast du im Laufe deiner Profikarriere öfter zusammengespielt als mit Tim Leibold (106 Spiele). Was hältst du als Spieler und Mensch vom HSV-Neuzugang?

Tim Leibold ist als Mensch ein Super-Typ. In der gemeinsamen Zeit in Nürnberg hat sich eine gute Freundschaft entwickelt. Ich war sogar mit ihm zusammen im Urlaub. Für uns ist es sehr schade, sowohl menschlich als auch sportlich, dass er weggegangen ist, weil er eine große Qualität auf dem Platz hat. Sein Weggang hat uns schon wehgetan, aber ich denke, dass wir trotzdem gut aufgestellt sind. Menschlich ist “Leibe“ eine absolute Eins.

Nach dem Abstieg wurde Damir Canadi als neuer Club-Trainer vorgestellt. Welche Herangehensweisen des Österreichers haben dir besonders gut gefallen?

Der Trainer wollte neue Impulse setzen. Dafür hat er von Anfang an den Blick nach vorne gerichtet, nicht mehr viel zurückgeschaut. Die letzte Saison aus den Köpfen zu kriegen, war ganz wichtig. Das ist uns schnell gelungen und jetzt blicken wir gemeinsam nach vorne. Diese Herangehensweise war sehr wichtig für uns.  

Auch der HSV hat in der laufenden Transferperiode einen großen Umbruch vollzogen und bereits elf Neuzugänge verpflichtet. Wie bewertest du die Entwicklungen an deiner alten Wirkungsstätte?

Es ist eine sehr spannende Zeit beim HSV. Jetzt das zweite Jahr in der 2. Liga wird es nicht unbedingt einfacher, gerade weil dieses Jahr die Liga sehr gut besetzt ist. Ich werfe natürlich immer noch einmal einen Blick mehr auf den HSV. Ich denke, dass man gute Transfers getätigt hat, leider auch von uns, aber auch andere Spieler, die die 2. Liga kennen und wissen, auf was es ankommt. Von daher glaube ich, dass sie sehr gute Einkäufe gemacht haben. 

Am Montag bestreitest du dein zweites Spiel gegen den HSV. Das erste Aufeinandertreffen konnten die Rothosen im vergangenen Februar mit 1:0 gewinnen. Was sind deine Erwartungen an die Partie in Nürnberg?

Ich freue mich sehr auf das Spiel gegen den HSV. Diesmal spielen wir zuhause. Ich denke, dass es ein anderes Spiel werden wird, als letzte Saison im DFB-Pokal in Hamburg. Das war eine Phase, in der wir gar nicht gut waren und unsere Leistung in diesem Spiel gar nicht auf den Platz bekommen haben. Am Montag wird es ein ganz anderes Spiel. Wir werden voll da sein. Ich hoffe natürlich, dass wir die Punkte bei uns behalten können.

Sowohl der FCN als auch der HSV gelten als einer der Favoriten, wenn es um den Aufstieg in die Bundesliga geht. Wie schätzt du die Chancen der beiden Teams ein und welche Konstellation nach dem 34. Spieltag würde dir gefallen?

Die Chance ist für beide Vereine da. Ich glaube, es gibt mit Stuttgart einen Top-Favoriten und dahinter dann drei Vereinen, den HSV, Nürnberg und Hannover, die auch große Namen haben. Aber man weiß es nie. Es wird wichtig sein, gut in die Saison reinzukommen und dann stabil zu spielen. Mir würde es natürlich sehr gefallen, wenn wir aufsteigen und auch der HSV. Als ehemaliger HSVer und Hamburger drückt man natürlich auch die Daumen, dass sie in die 1. Liga aufsteigen, genauso wie wir. Am besten wir auf Platz eins und der HSV auf Platz zwei.