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Ron-Robert Zieler: „Habe immer gerne in Hamburg gespielt“

Gegnercheck

30.08.19

Ron-Robert Zieler: „Habe immer gerne in Hamburg gespielt“

Ron-Robert Zieler hat in seiner Karriere viel erlebt. Anlässlich des Gegnerchecks hat HSV.de mit dem Weltmeister von 2014 gesprochen und die aktuelle Situation in Hannover und der 2. Bundesliga analysiert.

Ron-Robert Zieler weiß, wie es ist, wenn man große Ziele erreicht. Schließlich wurde der damals 25-Jährige anno 2014 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Als dritter Torwart leistete der gebürtige Kölner in Brasilien einen wichtigen Beitrag für das Mannschaftsklima und wurde vom Trainerteam rund um Jogi Löw für seine loyale Haltung innerhalb der Gruppe gelobt. Seitdem sind mehr als fünf Jahre vergangen – im Profifußball ist das eine halbe Ewigkeit. Davon kann auch der Protagonist des Gegnerchecks berichten, der sich zwei Jahre nach dem Triumph in Brasilien für einen Wechsel von Hannover 96 zu Leicester City entschied.

Mit dem Transfer zu den „Foxes“ vollzog Zieler eine Rückkehr in seine zweite Heimat, schließlich stand der Sohn von Fußball-Lehrer Raimunt (ehemals Cheftrainer der U17 des 1. FC Köln) schon zwischen 2005 und 2010 bei Manchester United unter Vertrag. Die zweite Periode in Großbritannien verlief allerdings eher durchwachsen (nur 13 Pflichtspiel-Einsätze), so dass schon ein Jahr später die Rückkehr in die wohlbekannte Bundesliga erfolgte. Nach einer soliden Premieren-Saison mit dem VfB Stuttgart (Platz 7) folgte im vergangenen Juni der sportliche Tiefpunkt in der Karriere des 1,88 Meter großen Torhüters: In der Relegation zogen die Schwaben gegen Union Berlin den Kürzeren und mussten den bitteren Abstieg in die 2. Bundesliga verkraften. In dieser Spielklasse geht fortan auch der hochdekorierte Zieler an den Start, allerdings nicht mit dem VfB, sondern seiner alten Liebe Hannover 96. Im Gegnerinterview mit HSV.de vor dem am Sonntag stattfindenden Nordderby (ab 13.15 Uhr live im HSVnetradio) erklärt der inzwischen 30-Jährige die Beweggründe für seine Rückkehr an die Leine, die erneute Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Rothosen-Coach Mirko Slomka und seine Sichtweise auf den HSV aus Hamburg. Zudem zeigt Zieler auf, dass er mit den Niedersachsen ein weiteres großes Ziel vor Augen hat: den direkten Wiederaufstieg.

Bereits kurz nach seinem Wechsel zu Hannover 96 im Sommer 2010 wurde Ron-Robert Zieler Stammkeeper bei den "Roten" und avancierte zum Publikumsliebling.

Ron, du bist im Sommer – drei Jahre nach deinem Abschied – zu Hannover 96 zurückgekehrt. Wie kam diese Entscheidung zustande?

Natürlich habe ich mir den Schritt gut überlegt. Ich bin 30 und da machst du keine verrückten Dinge. Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen habe ich große Lust gespürt, hier beim Neuanfang dabei zu sein. Mir war schnell klar, dass ich das machen will – und zwar ligaunabhängig. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich auch andere Angebote hatte. Aber es war mein Wunsch, zu 96 zu gehen.

Vor deiner Rückkehr in die niedersächsische Landeshauptstadt musstest du mit dem VfB Stuttgart den bitteren Gang in die 2. Liga antreten, jetzt kämpfst du mit 96 um den Aufstieg in die Bundesliga. Wie schwer ist es, sich nach so einem Negativ-Erlebnis direkt wieder auf ein neues, großes Ziel zu fokussieren?

Nach den Relegationsspielen mit Stuttgart war die Pause kurz in diesem Sommer. Aber letztlich war es kein Problem, mich wieder zu fokussieren. Ich hatte die Möglichkeit, bei meinem Herzensclub ein Teil des Neuanfangs zu werden und wollte dabei sein. Im Laufe der Jahre habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass vor allem ein Umfeld, in dem man sich persönlich rundum wohl fühlt, ein ideales Fundament dafür bietet, sportlich auf dem höchsten Niveau etwas abliefern zu können. Und das ist ja als Profi mein Ziel und Anspruch. Hannover als Stadt und die Menschen hier geben mir dieses Umfeld. Nach meiner Rückkehr habe ich wirklich überhaupt keine Eingewöhnungszeit benötigt.

Wie schon in deiner ersten Zeit bei 96 ist aktuell Mirko Slomka als Cheftrainer angestellt. Inwiefern hat sich der ehemalige HSV-Coach im Gegensatz zu seiner ersten Amtszeit verändert? 

Mirko Slomka habe ich zu verdanken, dass ich als junger Spieler in die Bundesliga kam. Er hat mich damals ins kalte Wasser geworfen und mir Vertrauen geschenkt. So wie ich mich verändert und weiterentwickelt habe, hat auch er sich weiterentwickelt. Er hat nach wie vor eine ganz klare und ruhige Ansprache, geht gut mit uns als Team um. Mirko Slomka ist ein guter Trainer. Und für mich ist ganz klar – auch wenn man es an den Ergebnissen noch nicht 100-prozentig sieht: Wir sind auf dem richtigen Weg!

Mit Jan Schlaudraff hast du insgesamt 129 Spiele bestritten, seit Sommer ist der ehemalige Spielmacher nun Sportdirektor bei 96. Was ist das für ein Gefühl, wenn dein Vorgesetzter ein ehemaliger Mitspieler ist?

Das ist ganz normal. Über viele Jahre haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt und er konnte stets gut einschätzen, was mir gut tut. Das hat auch dabei geholfen, dass wir uns schnell einigen konnten.

Wiedervereint bei 96: Früher spielte Jan Schlaudraff (l.) unter Mirko Slomka bei den Niedersachsen, heute arbeitet der 36-Jährige als Sportdirektor mit Cheftrainer Slomka zusammen.

In Hannover gab es in den letzten Jahren rund um Martin Kind, die 50+1-Regel und die Ultras viele kontroverse Diskussionen. Wie nimmst du aktuell die Stimmungslage rund um den Verein wahr?

In der Zeit, in der ich nicht hier in Hannover war, hat es mir wehgetan, diese Differenzen mitzubekommen. Mannschaft, Staff, Stadion, tolle Fans, gute Sponsoren – bei 96 ist alles vorhanden. Es gab Zeiten und Phasen, da haben wir uns hier in Hannover das Leben unnötig schwer gemacht. Natürlich kriegst du solche Strömungen auch auf dem Platz mit. Und ich muss jetzt ganz deutlich sagen: Es ist toll, wie uns die Fans zu Hause und auswärts bei unserem Neuanfang unterstützen. Jetzt sind wir in der Verantwortung, etwas zurückzugeben.

Mit dem ehemaligen 96-Coach Dieter Hecking hat der HSV einen guten Saisonstart hingelegt. Wie bewertest du die Entwicklungen in Hamburg nach dem nicht erfolgten Aufstieg im vergangenen Sommer?

Ich glaube, dass der HSV gute Leute dazubekommen hat, sowohl unter den Verantwortlichen als auch im Kader. Und natürlich ist es auch von Vorteil, dass der HSV aufgrund der letzten Saison die 2. Liga gut kennt und weiß, was man benötigt, um da konkurrenzfähig zu sein.

Deine Bilanz gegen den HSV ist mit vier Siegen, drei Remis und sechs Niederlagen fast ausgeglichen. Was müsst ihr am Sonntag machen, um die Bilanz aufzubessern?

Ich glaube, es wird schon ein schweres Spiel. Aber es ist auch ein tolles Spiel, ich habe immer gerne in Hamburg gespielt, weil es einfach auch ein tolles Stadion mit tollen Fans ist. Für uns ist wichtig, dass wir uns hundertprozentig darauf einlassen, dagegenhalten und in bestimmten Momenten die spielerischen Mittel anwenden, um erfolgreich zu sein.

Sowohl der HSV als auch Hannover 96 gelten als einer der Favoriten, wenn es um den Aufstieg in die Bundesliga geht. Wie schätzt du die Chancen der Teams ein?

Das ist unheimlich schwer vorherzusehen. Zu den großen Favoriten zählen, denke ich, der VfB Stuttgart und der HSV – aber auch wir müssen uns nicht verstecken. Und vielleicht auch noch die Nürnberger und eine Überraschungsmannschaft, die noch keiner auf dem Zettel hat. Es ist eine sehr ausgeglichene Liga, in der letztendlich alle Mannschaften die Möglichkeit haben, am Ende erfolgreich zu sein.