Zum Inhalt springen

Bildung

16.03.19

Hamburger Weg Klassenzimmer in Action - Perspektivwechsel

Eine 9. Klasse der Heinrich-Hertz-Schule schlüpfte heute in die Rolle von Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung und erlebte die vielfältigen Herausforderungen eines Stadionbesuches mit eingeschränkter Sehfähigkeit.

Anlässlich des 10. Jahrestages der UN-Behindertenrechtskonventionen fand im Hamburger Weg Klassenzimmer heute ein Aktionstag zum Thema „Perspektivwechsel“ statt. Der Workshop reihte sich in die 44 Veranstaltungen ein, die im Rahmen des Aktionstages der Stadt Hamburg über das gesamte Stadtgebiet verteilt angeboten wurden.

Pünktlich um 10 Uhr traf die wissbegierige Schulklasse im Volksparkstadion ein, noch nicht wissend, was sie heute erwarten würde. Der vollgepackte Tagesablauf zielte in erster Linie darauf ab, ihr Bewusstsein für die Herausforderungen für Menschen mit einer Sehbehinderung bei einem Stadionbesuch zu schärfen. Dabei sollten sie neue Perspektiven einnehmen und innovative Lösungswege zur Bewältigung dieser Herausforderung erarbeiten.

Zu Beginn versammelten sich die Mädchen und Jungen in der Hamburger Weg Lounge, um ihr Wissen über die UN-Behindertenrechtskonventionen zu erweitern. Doch nach der kurzen theoretischen Einführung wurden die Schülerinnen und Schüler sogleich mit der Praxis konfrontiert. Die Aufgabe erschien auf den ersten Blick relativ simpel. So sollten sie eine vorher abgesteckte Strecke im Stadion abgehen. Allerdings gab es dabei einen kleinen Haken: Die Teilnehmer absolvierten den Weg aus der Sicht eines Besuchers mit einer Sehbeeinträchtigung. Damit der „Perspektivwechsel“ für die Jugendlichen auch wirklich greifbar war, wurde ihre Bewegungserfahrung mit Hilfe von Dunkelbrillen und Langstöcken noch intensiviert. Sofort spürten die Jugendlichen die Herausforderungen am eigenen Körper und hatten sichtlich Probleme, die kleinsten Hürden, wie etwa Treppenstufen, zu bewältigen.

Glücklicherweise hatten sie in Guiseppina „Pina“ Dolle eine fachkundige Unterstützung an ihrer Seite. Die Sozialpädagogin hat selbst eine Sehbeeinträchtigung und kümmert sich seit vielen Jahren um die berufliche Rehabilitation blinder Erwachsener. Zudem ist sie seit 1991 Mitglied im „Fanclub Seehunde“ für Blinde und Sehbehinderte und besucht seit mehr als 20 Jahren regelmäßig Fußballspiele von der Kreisklasse bis zur Weltmeisterschaft. Mit ihren langjährigen Erfahrungen konnte sie die Jugendlichen für die Herausforderungen von Sehbehinderten im Stadion sensibilisieren und ihnen einige nützliche Hinweise geben.

Anschließend übernahm Broder Jürgen Trede das Wort, der als Reporter des HSVnetradio die HSV-Heimspiele kommentiert und zudem bei Heimspielen im Volksparkstadion die Livereportage für Blinde und Sehbehinderte Fans übernimmt. Die Klasse lauschte gebannt seinen Ausführungen und durfte dann selbst eine Livereportage mitverfolgen, die er zum Besten gab.

Für die Jungen und Mädchen ging damit zugleich ein ereignisreicher Tag im Volksparkstadion zu ende. Durch die vielen Eindrücke erlebten sie den Perspektivwechsel hautnah und schärften ihr Bewusstsein für die Herausforderungen von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen im Stadion.