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Bildung

11.01.22

"Sinneswandel" im Hamburger Weg Klassenzimmer

Wie bewältigen blinde und sehbehinderte Menschen ihren Alltag und welche Herausforderungen bringt beispielsweise ein Stadionbesuch mit sich? Zu diesen Fragen erhielt eine Hamburger Schulklasse zu Beginn des Jahres (11.01.) spannende Einblicke im Hamburger Weg Klassenzimmer und erlebte einen persönlichen Austausch auf Augenhöhe.

Im Rahmen des Kooperationsworkshops „Sinneswandel“ erhielten Siebtklässler der Heinrich-Hertz-Schule die Möglichkeit, ihr Bewusstsein für die großen Herausforderungen für Menschen mit einer Sehbehinderung im Alltag und bei einem Stadionbesuch zu schärfen. Begleitet wurde der Workshop von zwei besonderen Experten: Sozialpädagogin Giuseppina „Pina“ Dolle unterstützte das Team des Hamburger Weg Klassenzimmers ebenso wie der freie Journalist und Sportwissenschaftler Broder-Jürgen Trede. Die Sozialpädagogin hat selbst eine Sehbehinderung und kümmert sich seit vielen Jahren um die berufliche Rehabilitation blinder Erwachsener. Zudem ist sie seit 1991 Mitglied im „Fanclub Sehhunde“ für blinde und sehbehinderte Menschen und besucht seit mehr als 20 Jahren regelmäßig Fußballspiele von der Kreisklasse bis zur Weltmeisterschaft. Broder-Jürgen Trede kommentiert als Reporter das HSVnetradio und übernimmt bei HSV-Heimspielen im Volksparkstadion u.a. die Live-Reportage für blinde und sehbehinderte Fans. 

Nach der Ankunft der Schulklasse im Hamburger Weg Klassenzimmer statteten sich alle Beteiligten mit Dunkelbrillen aus und stellten sich einander vor. Sie sahen somit Guiseppina Dolle nicht und nahmen erstmalig die Perspektive eines sehbehinderten Menschen bei einer neuen Begegnung ein. Frei vom stark beeinflussenden Sehsinn wurde anhand von neuen Wahrnehmungen wie z.B. der Stimme darüber spekuliert, wen die Schulklasse vor sich hatte. Der erste Aha-Effekt stellte sich schnell ein. Im Anschluss stellte sich „Pina“ den Fragen der interessierten Schüler in einer offenen Gesprächsrunde und stand bereitwillig Rede und Antwort, als es um die Herausforderungen im Alltag und bei einem Stadionbesuch ging. 

Nach einer ausgewogenen Brotzeit erhielten die Jugendlichen eine thematische Stadionführung, in der ein besonderes Augenmerk auf die Hörplätze im Block 3C und das taktile Wegeleitsystem gelegt wurde.  Anschließend wurden die Schüler erneut mit der Praxis konfrontiert und konnten sich selbst ausprobieren. Die Aufgabe erschien auf den ersten Blick recht simpel. So sollten sie eine zuvor abgesteckte Strecke im Volksparkstadion abgehen. Allerdings gab es dabei einen kleinen Haken: Die Teilnehmer absolvierten den Weg als Besucher mit einer Sehbeeinträchtigung. Damit der Perspektivwechsel für die Jugendlichen auch spürbar und greifbar war, wurde ihre Erfahrung mit Hilfe von Dunkelbrillen und Langstöcken intensiviert. Sofort spürten die Jugendlichen die Herausforderungen am eigenen Körper und stellten sich bereits kleinen Hürden wie etwa Treppenstufen. „Pina“ gab dabei hilfreiche Tipps und Tricks, die die Schulklasse sofort umsetzen konnte. Anschließend übernahm Broder-Jürgen Trede das Kommando. Er erklärte mithilfe von praktischen Beispielen die Herausforderungen bei einer Blindenreportage. Anhand des Elfmeterschießens der Zweitrundenpartie des DFB-Pokals zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem HSV, präsentierte Broder seine Live-Reportage und ließ die Schüler anschließend emotional vor ihrer Schulklasse reportieren. 

Für die Jungen und Mädchen ging damit zugleich ein ereignisreicher Tag im Volksparkstadion zu Ende. Durch die vielen Eindrücke erlebten sie den Perspektivwechsel hautnah und schärften ihr Bewusstsein für die Herausforderungen von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen im Stadion.