
25.03.2022
Mojtaba Kamali: "Die Unterstützung des HSV ist enorm"
2019 kam Mojtaba Kamali zum Rollstuhlbasketball-Team des HSV, den BG Baskets Hamburg. An der Elbe hat sich der 23-Jährige zum Topscorer der 1. Rollstuhlbasketball Bundesliga entwickelt – und profitierte dabei von den Bedingungen in Hamburg, wie er im Interview in der HSVlive verrät.
Moji, du bist mittlerweile seit zweieinhalb Jahren beim HSV. An deinem ersten Tag in Hamburg bist du am Flughafen angekommen und noch mit deinen Koffern direkt zur Arena gefahren. Wie hast du deine Anfangszeit in Deutschland in Erinnerung?
Mein erster Tag in Hamburg war sehr verrückt! Nachdem ich im Oktober 2019 endlich mein Visum für Deutschland bekommen hatte, habe ich direkt einen Tag später einen Flug nach Deutschland genommen. An diesem Tag war auch noch mein Geburtstag, aber den konnte ich nicht groß feiern. (lacht) Vom Flughafen ging es für mich direkt in die edel-optics.de Arena, wo ich meine Teamkollegen das erste Mal getroffen habe. Ich habe mich sehr drauf gefreut, endlich für die BG Baskets zu spielen, weil ich wusste, dass ich dort von meinem Landsmann Alireza Ahmadi trainiert werden würde. Er ist eine Legende im Iran. Nur zwei Tage später hatte ich mein erstes Spiel im HSV-Trikot und habe direkt 13 Punkte gegen die RSB Thuringia Bulls erzielt – das Spiel haben wir aber leider verloren.
Du bist damals als 21-Jähriger alleine nach Deutschland gekommen, deine Familie lebt weiterhin im Iran. Wie schwer ist dir dieser Schritt gefallen?
Ich bin schon mit 18 Jahren alleine in die Türkei gegangen, von daher ist mir dieser Schritt nicht allzu schwergefallen. Natürlich versuche ich, so oft es geht mit meiner Familie den Kontakt zu halten – meistens über WhatsApp.
Du hast es gerade erwähnt: Bevor du nach Hamburg gekommen bist, hast du in der zweiten türkischen Liga Rollstuhlbasketball gespielt. Welche Unterschiede erkennst du zwischen dieser Liga und der 1. Rollstuhlbasketball Bundesliga in Deutschland?
Der Wettkampf in Deutschland ist deutlich intensiver als in der Türkei. Auch das Training hier ist viel anspruchsvoller und bringt mich weiter.

Im Sommer 2021 spielte Mojtaba Kamali mit der iranischen Nationalmannschaft bei den Paralympics in Tokio – zwei Jahre zuvor war er noch U23-Nationalspieler. Foto: Steffie Wunderl
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Mit Saman Balaghi und Alireza Ahmadi spielen zwei weitere Iraner beim HSV. Sind die beiden eine Stütze für dich?
Die beiden haben eine enorme Bedeutung für mich. Ali ist für mich wie ein Vater und hilft mir immer, wenn ich ihn brauche. Ich bin ihm unendlich dankbar. Saman ist ein alter Freund von mir, den ich schon kenne, seitdem ich neun Jahre alt bin. Wir machen viel in der Freizeit zusammen.
Direkt in der ersten Saison wurde die Spielzeit pandemiebedingt in der ersten Playoff-Runde abgebrochen. Wie hast du diese Zeit in Erinnerung?
Es war natürlich nicht einfach, wenn du in ein fremdes Land ziehst, um deinen Sport auszuüben – und dann kannst du genau das nicht in dem Maße tun, das du dir erwünscht hättest. Das war eine sehr herausfordernde Zeit, auch für das Team: Wir hatten ein gutes Gefüge im Kader und hatten gute Chancen, Dritter in der Liga zu werden. Wir haben aber versucht, positiv zu bleiben und uns fit zu halten, so gut es ging. Als es wieder losging, waren wir gut vorbereitet.
Was hat dir in dieser Zeit geholfen?
Die Unterstützung des HSV in dieser Zeit war enorm. Für uns als Spielerinnen und Spieler hat sich im Trainingsalltag wenig geändert, sodass wir unsere gewohnten Abläufe absolvieren konnten – nur das Spiel am Wochenende hat gefehlt. Durch eine Genehmigung der Stadt Hamburg konnten wir unser Training fortführen, sodass ich meine Teamkolleginnen und -kollegen drei bis viermal pro Woche gesehen habe. Das war sehr wichtig, um weiterhin im Rhythmus zu bleiben und als Team zu wachsen.

Im BG Klinikum haben die Spieler der BG Baskets beste Bedingungen, sich fit zu halten. Foto: BG Klinikum Hamburg
Im Laufe deiner Zeit in Hamburg hast du dich von einem U23-Nationalspieler zu einem Paralympics-Teilnehmer mit der iranischen Nationalmannschaft entwickelt – dazu bist du mittlerweile der Topscorer der Liga. Hättest du diesen Schritt binnen zwei Jahren erwartet?
Ich war mir auf jeden Fall sicher, dass solch eine Entwicklung möglich ist, weil ich stark an die Arbeit von Alireza Ahmadi geglaubt habe. Er ist einer der besten Trainer der Welt, sein intensives Training hat mir extrem weitergeholfen. Dazu habe ich in Hamburg sehr gute Trainingsbedingungen wie etwa im Kraftraum oder regelmäßige Einheiten beim Physiotherapeuten. Und auch von meinen Mitspielerinnen und Mitspielern konnte ich einiges lernen.
Welche Erinnerungen hast du an deine ersten Paralympischen Spiele in Tokio?
Wir hatten etwas Pech, weil wir auf vier Spieler verzichten mussten, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Auch wenn wir bereits nach der Gruppenphase ausgeschieden sind, war es eine sehr wertvolle Erfahrung. Pandemiebedingt gab es natürlich einige Einschränkungen – es war aber sehr faszinierend, all die Sportler aus der ganzen Welt zu sehen. Auch die Eröffnungszeremonie war ein besonderes Erlebnis.
Was sind deine weiteren sportlichen Ziele?
Ich arbeite jeden Tag hart daran, ein besserer Athlet zu werden. Ich versuche, kontinuierlich zu wachsen und eines Tages zu den besten Spielern der Welt zu gehören.
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Foto: MSSP