
02.07.2024
„Ich bin extrem stolz darauf“
Owen Ansah hat bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig am vergangenen Wochenende als erster Deutscher die magische Zehn-Sekunden-Marke über die 100 Meter geknackt – bei seiner Rückkehr nach Hamburg ließ er diesen Erfolg Revue passieren.
Am Ende steht ein historischer Triumph, doch dass es dazu kommen würde, hätte Owen Ansah nicht gedacht. „Im Augenwinkel habe ich lange Zeit Joshua Hartmann gesehen und war nicht sicher, ob ich es geschafft habe“, beschreibt der 23-Jährige seine Gedanken während des 100-Meter-Sprints am vergangenen Wochenende, der ihm einen Eintrag in die Geschichtsbücher sichern sollte. 9,99 Sekunden nach dem Start hatte es der HSV-Sprinter geschafft: Nun ist er der erste Deutsche, der die 100 Meter unter zehn Sekunden gelaufen ist.
„So langsam habe ich das realisiert und bin extrem stolz darauf“, sagt Ansah zwei Tage nach seinem Lauf, der in der deutschen Sportszene für Aufsehen gesorgt hat. Auf der Jahnkampfbahn in Hamburg-Winterhude, wo der gebürtige Hamburger den Grundstein für seine Erfolge legte, wird der 23-Jährige von HSV-Vertretern aus Präsidium, Geschäftsführung, Amateurvorstand und Abteilungsleitung willkommen geheißen und mit Blumenstrauß sowie einem Bild seines Erfolges geehrt. Groß und deutlich auf dem Bild zu sehen: Die 9,99, mit der Ansah künftig stets in Verbindung gebracht wird.
„Ich bin nach Braunschweig gefahren, um ganz vorne mitzurennen – dass ich so schnell werden würde, hätte ich nicht gedacht“, sagt Ansah, der nach mehr als einem Jahr verletzungsbedingter Pause erst seit rund zwei Monaten wieder im Sprinttraining ist – und zurückkam, als wäre er nie weg gewesen: In seinem ersten Rennen nach dem Comeback lief er in 10,11 Sekunden direkt seine drittschnellste Zeit, kurz darauf erreichte der HSV-Sprinter bei den Europameisterschaften in Rom als erster Deutscher seit zehn Jahren das Finale – und landete auf einem starken fünften Platz. Mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel holte Ansah in Rom sogar Bronze.
Nun der nächste Erfolg mit dem deutschen Rekord über die 100 Meter, mit dem er gleichzeitig die Norm für die Olympischen Spiele erfüllt hat und in Paris einen Einzelstart haben wird. Dazu gab es für den 23-Jährigen auch in der 4x100-Meter-Staffel Gold. „Ich habe von meiner Familie und meinen Freunden viel Unterstützung während meiner Verletzungspause erhalten“, sagt Ansah, für den jedoch auch angesichts der anstehenden Wettkämpfe in Paris klar ist: „Es ist noch nicht vorbei.“
Für Begeisterung sorgte der jüngste Erfolg Ansahs auch bei HSV-Präsident Marcell Jansen: „Der erste deutsche 100-Meter-Sprinter unter zehn Sekunden kommt vom HSV - Wahnsinn! Wir sind alle sehr stolz auf Owen. Er hat eine herausragende Leistung gezeigt, die richtig Bock auf die Olympischen Spiele macht“, so Jansen. Angesichts diverser rassistischer Kommentare, die nach Ansahs Rekordlauf in den sozialen Medien zu lesen waren, findet der 38-Jährige deutliche Worte: „Wir dürfen solchen Leuten keinen Zentimeter Platz für ihre absurden Aussagen lassen. Der HSV steht für Vielfalt und Diversität. Und jeder Mensch bei klarem Verstand weiß: Owen ist ein Aushängeschild für unseren Verein, für den deutschen Sport und für die deutsche Gesellschaft.“