
02.05.2022
Per Krimi zur EM
Am heutigen Dienstag (3. Mai) beginnt die U17-Europameisterschaft in Bosnien-Herzegowina. Mit dabei sind auch einige Fußballerinnen des Hamburger SV – das DFB-Team um ein HSV-Trio qualifizierte sich mit einem Drehbuch, das man kaum besser hätte schreiben können, wie die Story aus der aktuellen HSVlive beleuchtet.
Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit schien die Partie eigentlich schon verloren zu sein. Die deutschen U17-Fußballerinnen lagen gegen Österreich mit 0:2 zurück, dazu mussten sie nach einer Gelb-Roten Karte ab der 45. Minute in Unterzahl antreten. In der entscheidenden Qualifikationspartie zur Europameisterschaft drohte der große Traum zu platzen - dabei war das DFB-Team zuvor sehr souverän aufgetreten: In der ersten Qualifikationsrunde im vergangenen Jahr hatten sie ihre drei Partien gegen Portugal, Finnland und Bosnien-Herzegowina abgeklärt gewonnen. Auch in der zweiten und entscheidenden Runde, die im März dieses Jahres im Kosovo ausgetragen wurde, lief es zunächst optimal: Nach dem 4:0 gegen den Gastgeber zum Auftakt gab es ein hart erkämpftes, aber verdientes 2:1 gegen Slowenien. Vor dem finalen Spiel war klar: Es musste ein Sieg her – denn auch Österreich hatte zuvor alle Partien gewonnen.
Und dann das: 0:1 nach 16 Minuten, Unterzahl ab der 45. Minute, das 0:2 nur wenige Sekunden nach dem Seitenwechsel. Für das Team von Nationaltrainerin Friederike Kromp gab es zwei Optionen: Sich seinem Schicksal ergeben – oder das Herz in die Hand nehmen. Und das DFB-Team entschied sich für Variante zwei. In der 66. Minute traf Marie Steiner zum Anschlusstreffer, nur drei Minuten später markierte Lilly Reimöller den Ausgleich. Und es wurde noch besser: Wiederum nur eine Minute später erzielte Alara Sehitler das viel umjubelte 3:2 – der Siegtreffer und damit das Ticket für die Europameisterschaft.

Im Liga-Alltag Rothosen, nun mit dem Nationalteam gefordert: Paulina Bartz (l.) und Emily Wallrabenstein (r.).
(Kopie 2)
„Ich arbeite Tag für Tag, um solche Spiele zu erleben. Das war ein echter Krimi“, erinnert sich HSV-Spielerin Svea Stoldt, die bei jedem Spiel in Kosovo in der Startelf gestanden hatte. Ein Krimi, der auch einen gewissen Lerneffekt mit sich bringt: „Dass wir trotz der Rückschläge noch gewinnen konnten, hat mir gezeigt, dass man niemals aufgeben sollte“, sagt die 16-Jährige, die auch bei den HSV-Frauen in der Regionalliga zum Stammpersonal gehört. Mit Paulina Bartz und Hannah Günther waren zwei weitere Spielerinnen des Hamburger SV im Kosovo dabei, Bartz hatte jedoch Pech: Ursprünglich war sie ebenfalls für die Startelf vorgesehen, verletzte sich jedoch beim Aufwärmen vor der ersten Partie und fiel für die Qualifikationsspiele aus. Auch Emily Wallrabenstein, die im Liga-Alltag für die U17 der Rothosen in der Bundesliga aufläuft, hatte eine Einladung für die Spiele im Kosovo erhalten, musste jedoch krankheitsbedingt absagen.
Letztlich glückte dem DFB-Team dennoch die Qualifikation zur EM-Endrunde, die vom 3. bis 15. Mai in Bosnien-Herzegowina ausgetragen wird. Während Bartz, Stoldt und Wallrabenstein für den finalen EM-Kader berufen worden, stehen Günther sowie Marlene Deyß, die ebenfalls bei den HSV-Frauen spielt, auf Abruf zur Verfügung. „Wenn mir jemand vor neun Jahren, als ich mit dem Fußball angefangen habe, gesagt hätte, dass ich mal an einer EM teilnehmen könnte, hätte ich ihm niemals geglaubt und wahrscheinlich gelacht – jetzt wird es tatsächlich wahr“, zeigt sich Stoldt voller Vorfreude.

Das Heimturnier vor Augen: Bosnien-Herzegowina um Helena Gavrilovic (l.) richtet die U17—Europameisterschaft aus.
Ein HSV-internes Aufeinandertreffen ist gut möglich – denn im Team des Gastgebers spielt eine weitere Hamburgerin: Helena Gavrilovic aus der U17 der Rothosen gehört zum Kader Bosnien-Herzegowinas. „Meine Vorfreude ist riesengroß“, sagt die Hamburgerin Gavrilovic, die einige Verbindungen zum Heimatland ihres Vaters hat: Viele ihrer Familienmitglieder leben dort, die Sprache spricht die 16-Jährige perfekt. „Vor heimischem Publikum spielen zu können, ist natürlich eine weitere Motivation“, sagt Gavrilovic, deren Team als Gastgeber automatisch für die Endrunde qualifiziert war. „So konnten wir viel rotieren und verschiedene Taktiken ausprobieren“, verrät die Offensivspielerin, die in einem der letzten Testspiele zwei Tore zum 4:0-Sieg gegen Griechenland beisteuerte.
Zu den Topfavoriten gehöre Bosnien-Herzegowina nicht, gibt Gavrilovic zu, „wir sind eher der Underdog.“ Aber: „Man hat schon oft bei internationalen Turnier gesehen, dass der vermeintliche Underdog besonders gefährlich sein kann. Wir werden eine große Unterstützung durch das Publikum vor Ort haben, das wird uns einen Push geben. Man sollte uns nicht abschreiben.“ Zunächst geht es für das bosnische Team zum Auftakt gegen die Niederlande, bevor das Duell mit Dänemark ansteht. In der letzten Partie der Gruppenphase geht es dann gegen Deutschland. Auf Seiten des DFB-Teams zeigt sich Svea Stoldt ebenfalls optimistisch: „Wenn wir zeigen, was in uns steckt, haben wir sehr gute Chancen. Ich bin mir sicher, dass uns das gelingt.“
Hier geht es zur kompletten Ausgabe der HSVlive.
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Foto: Getty Images/DFB
Die Partien der HSV-Spielerinnen in der Gruppenphase
Dienstag, 3. Mai (14 Uhr): Dänemark - Deutschland
Dienstag, 3. Mai (20 Uhr): Bosnien-Herzegowina - Niederlande
Freitag, 6. Mai (14 Uhr): Bosnien-Herzegowina - Dänemark
Freitag, 6. Mai (20 Uhr): Deutschland - Niederlande
Montag, 9. Mai (14 Uhr): Deutschland - Bosnien-Herzegowina