
Trainingslager
21.07.26
Best of HSV-Trainingslager: Mit „Ferro“ und „Baka“
Die beiden dienstältesten HSVer bringen es gemeinsam auf 40 HSV-Trainingslager. Anhand einer Fotostory blicken sie auf HSV.de anekdotenreich zurück und erklären, worauf es im Camp ankommt.
Geballte HSV-Erfahrung: Defensivallrounder Bakery Jatta geht in seine elfte HSV-Saison, für Schlussmann Daniel Heuer Fernandes ist es die achte. Entsprechend häufig waren die beiden Routiniers auch Teil eines HSV-Trainingslagers: Das laufende Camp im Ötztal ist für „Ferro“ das 17. seiner HSV-Laufbahn, „Baka“ feiert sogar ein Jubiläum und ist zum 25. Mal dabei. Ein perfekter Anlass also, um anhand einer Fotostory mit beiden durch die Jahre zu reisen, Erinnerungen aufleben zu lassen und zugleich zu erfahren, worauf es im Trainingslager ankommt.
1. Das erste Mal
Seine Premiere in einem HSV-Trainingslager erlebte Bakery Jatta im Juli 2016 im schweizerischen Graubünden. Daniel Heuer Fernandes trug die Raute erstmals im Juli 2019 im österreichischen Kitzbühel.

Jatta: „Mein erstes Trainingslager mit Bruno (Labbadia, d. Red.). Mir fällt direkt die Story hinter dem Bild ein. (lacht) Wir haben diese Radtour hoch auf den Gipfel gemacht und ich habe die Einstellung des E-Bikes nicht verstanden. Während alle Teamkollegen langsam den Berg hochgefahren sind, habe ich Vollgas gegeben, bevor der Co-Trainer gemerkt hat, dass ich mit Unterstützung fahre, und mir erklärt hat, wie ich die Speed-Funktion ausschalte. (lacht) An diesem Tag sind viele krasse Geschichten passiert. Lewis Holtby ist auf der Abfahrt noch schwer gestürzt.
Generell war diese Zeit für mich sehr intensiv. Meine Reise beim HSV begann und entsprechend groß waren die Vorfreude, aber auch der Druck, mich unter so vielen guten Spielern behaupten zu müssen. Eine gemischte Gefühlslage.“

Heuer Fernandes: „Ich bin damals mit einer Riesenvorfreude gekommen, weil es für mich ein großer Schritt zum HSV war. Ich bin mit viel Spaß und großer Motivation in die Einheiten gegangen. Zugleich erinnere ich mich daran, dass es sehr kräftezehrend war. Ich hatte mit Kai Rabe einen Torwarttrainer, der immer Vollgas gegeben hat. Als Neuzugang ist die Belastung ohnehin eine andere, weil neben der körperlichen auch die mentale Komponente dazukommt. Es waren einfach ganz viele neue Eindrücke und Einflüsse.“
2. Work hard, play hard!
Im Trainingslager stehen zahlreiche intensive Einheiten an, die Profis werden bewusst an ihre Schmerzgrenze gebracht. Welche Coaches bleiben in Erinnerung und welches Trainingslager war das härteste?

Heuer Fernandes: „Die Belastung eines Trainingslagers hängt immer auch von den Themen und Zielen des Teams ab. Deshalb kann man insgesamt nicht sagen, welches am härtesten war. Kai war immer ein Typ, der Vollgas wollte und das vorgelebt hat. Er hatte Übungen dabei, die – wie auf dem Foto zu sehen – spektakulär aussahen. So etwas war neu für mich. Da gab es Tage, an denen man froh war, wenn das Training vorbei war, weil ein Limit erreicht war.
Das kannte ich aber auch schon aus meiner Zeit in Darmstadt unter Dimo Wache. Da ging es im Trainingslager immer einmal in die 'Sandkiste', also an den Strand oder auf ein Volleyballfeld, um unzählige Abdrücke im Sand zu machen. Das war eine Schweineeinheit und jeder Keeper wusste, dass sie irgendwann kommt. Du wusstest nie, wann – aber sie kam.“ (lacht)

Jatta: „Die Sprints auf dem Foto waren unter Daniel Müssig, einem engen Begleiter von mir. Intensives Training gehört einfach dazu. Es hilft dir, an dein Limit und darüber hinaus zu gehen. Nach so einer Einheit denkst du manchmal: 'Oh Mann, ich bin tot.' Aber genau das hilft dir. Die härtesten Trainingslager waren auf jeden Fall unter Bruno (Labbadia, d. Red.). Es gab viele Läufe und eigentlich wurde immer zweimal am Tag auf dem Platz trainiert.“
Zwangsläufig stellt sich die ehrliche Frage, wie viel Spaß ein Trainingslager nach all den Profi-Jahren noch macht.
Jatta: „Es macht schon noch Spaß – besonders nach der längeren Sommerpause. Man freut sich einfach darauf, die Teamkollegen endlich wiederzusehen und zu erfahren, was sie erlebt haben. Außerdem ist man gemeinsam direkt motiviert, wieder an die Arbeit zu gehen. Die Vorfreude auf die neue Saison und die gesteckten Ziele ist schnell wieder da.“

Heuer Fernandes: „Wenn man ehrlich ist, dann ist die Vorbereitung der wichtigste Teil der Saison. Dort legst du den Grundstein für alles, was danach passiert. Jeder, der mal eine Vorbereitung verpasst hat, weiß, wie schwer es ist, dann voll in die Saison reinzukommen. Dein Fitnesslevel ist deutlich schlechter als das derjenigen, die die komplette Vorbereitung absolviert haben. Deshalb ist sie wirklich enorm wichtig. Und sie macht Spaß, wenn du weißt, dass du als Team gemeinsam leiden musst.“
3. Aktivitäten abseits des Platzes
Apropos Spaß: Ein Trainingslager bietet bekanntlich auch die Möglichkeit, abseits des Platzes als Team zusammenzurücken – etwa bei Aktivitäten wie dem Drachenbootrennen 2021 in Grassau oder dem Apnoe-Tauchen mit Weltrekordler Christian Redl in Kitzbühel 2024.

Heuer Fernandes: „Das Drachenbootrennen war so ein typisches Tim-Walter-Ding, weil es selbst beim Teambuilding auf dem Drachenboot wieder ums Gewinnen ging. Ich weiß noch genau, wie wir über den See gejagt sind – Tim hinten im Boot voll dabei. Grundsätzlich bieten solche Maßnahmen immer eine gute Abwechslung.“

Jatta: „Ich erinnere mich an dieses Event noch genau. Es war das erste Mal, dass ich unter Wasser getaucht bin. Am Anfang hatte ich Angst, weil ich das noch nie gemacht hatte. Doch gegen Ende der Einheit habe ich es über zwei Minuten unter Wasser geschafft. Man hat gespürt, was möglich ist, wenn man über den Punkt geht und wie viel sich am Ende allein im Kopf entscheidet. Für uns als Sportler ist es das Wichtigste, diese Grenze immer wieder zu verschieben.“
Heuer Fernandes: „Ergänzend dazu: Das war wirklich ein geiler Tag, weil Christian Redl in seinem Workshop viele gute Dinge gesagt hat. Wir konnten vieles auf den Fußball übertragen und für unser Mindset mitnehmen. Vor allem die Botschaft: Mit dem richtigen Bewusstsein geht locker noch viel mehr. Daran habe ich im Saisonverlauf noch häufiger gedacht.“
4. Zimmerkollegen
Im laufenden Trainingslager in Oberlängenfeld haben „Ferro“ und „Baka“ jeweils ein Einzelzimmer. Doch selbstverständlich sind die vergangenen Trainingslager auch eng mit den Teamkollegen verbunden, mit denen die Zimmer geteilt wurden – allen voran Jan Gyamerah und Anssi Suhonen.

Heuer Fernandes: „Ich kenne Gyambo schon seit vielen Jahren, habe in Bochum in der Jugend mit ihm gespielt und miterlebt, wie er seinen Weg nach oben gemacht hat. Ein geiler Mensch und überragender Fußballer, der jetzt endlich Bundesliga spielen darf – eigentlich viel zu spät, weil er es schon viel früher hätte schaffen können. Wir stehen noch in engem Kontakt.
Und es gibt auch eine lustige Anekdote: Wir waren im Trainingslager, kurz nachdem sein erster Sohn geboren worden war. In der ersten Nacht hat er mich im Schlaf angefasst und gesagt: 'Alles gut, mein Sohn.' Er hatte gedacht, er wäre noch zu Hause. (lacht) Ich war im Halbschlaf und hatte nicht die Kraft, mich dazu zu äußern. Er hatte gehofft, dass ich es nicht mitbekommen habe. Am nächsten Morgen habe ich ihn aber direkt gefragt: 'Junge, was war los?'“
Jatta: „Anssi ist ein guter Junge mit einem tollen Charakter, der immer wieder für lustige Momente sorgt. Das einzige Problem, das wir miteinander hatten: Wenn es abends 22 Uhr war, wollte er schlafen. Ich habe gesagt: 'Junge, das ist zu früh. Ich telefoniere noch, du kannst ja schlafen.' (lacht)
Darüber hinaus war ich viel mit Rick van Drongelen auf dem Zimmer – bis heute ein enger Kumpel. Eigentlich waren sie alle mal bei mir: Dompé im ersten Jahr, Willi unter Tim Walter und auch mal mit dir, Ferro. Für mich ist das kein Problem. Ich sage immer: Ich kann an der Seite von jedem schlafen.“
5. Schnappschüsse
Rund 25 Fotos liegen auf dem Tisch im Aqua Dome, einige davon unter der Kategorie „Schnappschüsse“ – oder: „Was war da denn los?“

Jatta: „Das war in Dubai – tolle Erinnerungen. Schau dir die ganzen alten Kollegen an und auch das, wie ich finde, sehr schicke Trikot. Ich weiß noch, dass ich in der zweiten Hälfte spielen durfte und wir nach dem Testspiel sogar einen Pokal erhalten haben.
Von dem Trip ist mir aber noch eine andere Geschichte in Erinnerung geblieben. An einem freien Nachmittag sind wir mit dem Team zu einem riesigen und recht tiefen Swimmingpool gegangen. Ich konnte damals nicht schwimmen, aber alle anderen waren im Wasser. Ich bin deshalb mit einer Rettungsweste rein, um auf Nummer sicher zu gehen. Das war für die Teamkollegen natürlich ein lustiger Anblick.“ (lacht)
Heuer Fernandes: „Corona – es ist krass, wenn man das heute so sieht. Man muss im Nachhinein glücklich sein und deutlich mehr wertschätzen, dass das alles möglich war und so viel in die Hand genommen wurde, damit wir unserem Beruf weiter nachgehen konnten. Es war ja ein Riesenaufwand mit all den Testungen, damit wir weiter trainieren und spielen durften.“

Zum Abschluss ein Blick auf das aktuelle Trainingslager und die kommende Saison, in der „Ferro“ und „Baka“ als dienstälteste Akteure mit reichlich Erfahrung eine wichtige Rolle einnehmen.
Heuer Fernandes: „Wenn ich auf das erste Bild zurückblicke, hat sich meine Ausgangslage natürlich komplett verändert. Mit all den Erfahrungen, die ich gesammelt habe, und dem Standing, das ich mir erarbeitet habe, ist heute eine ganz andere Rolle mit mir verbunden. Ich bin froh, dass ich das geschafft habe und jetzt die Möglichkeit habe, etwas von dem weiterzugeben, was ich mir über die Jahre erarbeitet habe.
Wir stehen noch ganz am Anfang. Es ist klar, dass die Mannschaft noch nicht final steht und es weitere Veränderungen geben wird. Aber ich spüre, dass alle bereit sind und richtig Bock auf das Training haben. Mit Blick auf die Intensität hauen wir aktuell alles raus – und genau das ist die Basis, um besser zu werden. Auch die jungen Spieler bringen das richtige Mindset mit.“
Jatta: „Ich habe mit diesem Club eine unglaubliche Reise erlebt. Jedes Jahr habe ich etwas Neues gelernt, das mich als Fußballer und Mensch wachsen lassen hat. Für mich ist das ein Privileg. Ich bin damals so gestartet wie die Youngster heute. Ich war bereit zu lernen. Du musst dich anpassen, den älteren Spielern zuhören und dann wirst du schnell besser. Das ist für mich eine Grundlage, die ich weitergeben möchte.
Jetzt starten wir in eine neue Saison und alle wissen, was vor uns liegt. Wir hatten bereits einige Meetings mit dem Coaching-Team, in denen uns klar gesagt wurde, was von uns erwartet wird. Jeder muss auf derselben Linie sein und 100 Prozent geben. Wir sind auf einem guten Weg – alle sind committed.“
