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HSV-Frauen

07.08.26

Celainy Obispo: „Das Team ist jetzt meine Familie“

Für den Neuzugang ist das Trainingslager in Arnheim eine schnelle Rückkehr in die Heimat. In einer Medienrunde sprach die Defensivspielerin über ihre ersten Wochen beim HSV, ihren Abschied von Feyenoord und ihre Verbindung zu Curacao.

Das Trainingslager in den Niederlanden: Ich kenne die Anlage bereits von früheren Testspielen. Sie ist riesig und hier trainieren viele olympische Athletinnen und Athleten. Es ist einfach ein großartiges Umfeld, umgeben von einigen der besten Sportlerinnen und Sportler der Niederlande. Unser Fokus liegt ganz klar auf dem Training. Es geht darum, die Intensität zu erhöhen, fitter zu werden und uns weiterzuentwickeln, weil die Saison immer näher rückt und wir am Samstag ein Testspiel gegen Mainz haben. Das Training steht im Mittelpunkt, aber wie immer nehmen wir uns auch Zeit, uns besser kennenzulernen und gemeinsam Teambuilding zu betreiben. Das macht wirklich Spaß. Die Mädels fragen mich ständig: „Wie sagt man das auf Niederländisch?“ oder „Wie heißt das?“ Ich freue mich dann, ihnen ein paar niederländische Wörter beizubringen. Das ist schön, weil ich im letzten Monat meistens diejenige war, die gefragt hat: „Was bedeutet das?“ Jetzt kann ich ihnen auch etwas von meiner Sprache mitgeben.

Ihre ersten Wochen beim HSV: Der erste Monat ist unglaublich schnell vergangen. Wenn ich darüber nachdenke, ist es verrückt, dass ich schon einen Monat hier bin. Es gibt so viel, woran man sich gewöhnen muss: ein neues Team, eine neue Stadt und all die organisatorischen Dinge wie die Wohnungssuche. Es war eine intensive Zeit, aber ich habe sie wirklich genossen. Der Verein hat mich großartig aufgenommen, meine Mitspielerinnen sind fantastisch und wir haben auch außerhalb des Trainings schon viel zusammen unternommen. Das hilft sehr, denn das Team ist meine Familie hier. Wenn man sein Zuhause verlässt, fragt man sich natürlich, ob man gut aufgenommen wird. Aber die Mädels haben mich wirklich herzlich willkommen geheißen.

Der Abschied von Feyenoord: Ich war fünf Jahre bei Feyenoord. Es war mein Heimatverein und der Club, den ich schon als kleines Mädchen unterstützt habe. Deshalb war die Entscheidung nicht leicht. Aber immer wenn ich merke, dass ich mich zu wohl fühle, weiß ich, dass es Zeit ist, mich selbst herauszufordern. So entwickelt man sich weiter. Von außen denken vielleicht viele, dass es verrückt ist zu gehen, nachdem man sich für die Champions League qualifiziert hat. Natürlich hätte ich das auch gerne mit meinem Verein erlebt, aber nach fünf Jahren hatte ich das Gefühl, bereit für ein neues Abenteuer zu sein. Ich habe mir gesagt, dass ich nur gehe, wenn sich wirklich alles richtig anfühlt – und genau dieses Gefühl hatte ich am Ende.

Die Entscheidung für Hamburg: Der wichtigste Grund war das Gefühl, das ich schon in den ersten Gesprächen hatte. Es ging nicht nur um Fußball. Ich habe mein Zuhause, meine Freunde und meine Familie verlassen. Deshalb wollte ich mich nicht nur als Spielerin, sondern auch als Mensch willkommen fühlen. Die Gespräche mit den Trainern und dem Staff haben sich einfach richtig angefühlt. Bevor ich meine Entscheidung getroffen habe, bin ich zum letzten Bundesliga-Spiel der vergangenen Saison gegen Bayern nach Hamburg gekommen. Ich wollte den Verein und die Stadt erleben, bevor ich entscheide, hier zu leben. Ich erinnere mich noch daran, wie ich im Stadion stand und die Fans das ganze Spiel über gesprungen sind und gesungen haben. In den Niederlanden erlebt man so etwas nicht jedes Wochenende. Ich habe mir gedacht: Stell dir vor, du stehst hier selbst auf dem Platz und spielst vor diesen Fans. Dieses Gefühl ist mir geblieben.

Das Niveau in der Bundesliga: Der größte Unterschied, den ich bisher gemerkt habe, ist die Intensität im Training. In Deutschland ist sie deutlich höher als ich es aus den Niederlanden gewohnt war. Das ist etwas Positives, weil man dadurch fitter wird und sich weiterentwickelt. Gleichzeitig muss man sich selbst auch Zeit geben, sich anzupassen. In eine neue Liga und ein neues Umfeld zu wechseln, passiert nicht von heute auf morgen.

Ihre Rolle als Führungsspielerin bei Feyenoord: Ich war schon immer jemand, der auf und neben dem Platz versucht hat, anderen zu helfen – egal, ob ich Kapitänin war oder nicht. Im Moment liegt mein Fokus aber erst einmal darauf, hier anzukommen. Um eine echte Führungsspielerin zu sein, muss man sich vollkommen wohl und sicher fühlen. Im Augenblick lerne ich noch, was es bedeutet, in der Bundesliga zu spielen. Wenn ich mich vollständig eingelebt habe, kann ich den nächsten Schritt gehen.

Cheftrainer Rodolfo Cardoso: Bevor ich hierherkam, wusste ich nur, dass er früher selbst Profi war. Deshalb dachte ich zuerst, dass er sehr fordernd sein würde. Aber ich wurde positiv überrascht. Natürlich fordert er viel von uns, aber der menschliche Aspekt ist ihm genauso wichtig. Er versteht die Spielerinnen, fragt nach, wie es uns geht, und erinnert uns immer wieder daran, dass sich die harte Arbeit auszahlen wird. Ich mag seine taktische Herangehensweise, aber genauso schätze ich, wie sehr ihm die Menschen hinter den Spielerinnen am Herzen liegen. Ich finde, das ist eine sehr wichtige Eigenschaft für einen Trainer.

Ihre Wurzeln auf Curaçao: Meine Eltern kommen aus Curaçao, ich selbst bin aber in den Niederlanden geboren und aufgewachsen. Trotzdem fühle ich eine sehr enge Verbindung zu Curaçao, weil dort noch ein großer Teil meiner Familie lebt. Ich war schon oft dort, spreche die Sprache und es fühlt sich für mich wie meine zweite Heimat an. Ich war unglaublich stolz, als sich Curaçao für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Als das 1:1 gegen Deutschland gefallen ist, habe ich laut gejubelt. Das war ein historischer Moment, und allein bei diesem Turnier dabei zu sein, hat dem Land sehr viel bedeutet.