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25.09.2026
Der HSV trauert um Peter „Eiche“ Nogly
Der langjährige Kapitän der HSV-Ligamannschaft ist am 24. September im Alter von 79 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Die HSV-Familie verliert eine weitere herausragende Persönlichkeit und Leitfigur. Nogly war ein absoluter Publikumsliebling und einer der besten Verteidiger, die jemals das Trikot mit der Raute auf der Brust getragen haben.
Peter Nogly wechselte im Sommer 1969 aus Lübeck, aus der damals zweitklassigen Regionalliga, zum HSV. Im Volkspark reifte das große Talent zum Profi, zur festen Größe im deutschen Spitzenfußball und sogar zum viermaligen A-Nationalspieler. „Wie ein Phönix aus der Asche“ – diese Zeile umschreibt Peter Noglys HSV-Zeit treffend: Vom Fast-Absteiger während des Generationenwechsels, der auf das Ausscheiden von Uwe Seeler und Willi Schulz folgte, entwickelte sich der HSV mit Nogly Stück für Stück zum europäischen Spitzenteam und Titelsammler. Die Saison 1972/73 wurde nicht nur mit dem Klassenerhalt, sondern auch dem Sieg im DFB-Ligapokal gekrönt. Weitere Trophäen folgten: erst der DFB-Pokal (1976), dann der Europacup der Pokalsieger (1977) und schließlich die Meisterschale (1979). Die absolute Krönung zum Abschied blieb Peter Nogly indes verwehrt. Zu Saisonende 1980 verspielte der HSV erst die Bundesliga-Titelverteidigung und anschließend in Madrid gegen Nottingham Forest trotz großer Überlegenheit auch den Sieg im Landesmeister-Cup – für Nogly „meine größte Niederlage“. Dennoch: Peter Nogly prägte maßgeblich eine der erfolgreichsten Epochen der ruhmreichen Club-Geschichte. Am Ende seiner elf Jahre als HSV-Profi standen sagenhafte 634 Einsätze für die Liga-Mannschaft, darunter 414 Pflichtspiele, davon allein 320 in der Bundesliga.
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Peter Nogly glänzte in der HSV-Defensive zunächst als Vorstopper und Manndecker, später als Libero. Unverwüstlich und verlässlich. Einer, der immer voranging, der keine Trainingseinheit sausen ließ, selbst mit 39 Grad Fieber nicht. Ausgerechnet eine der wenigen Verletzungen sorgte für seinen Spitznamen: Als der Verteidiger bei der Messepokal-Partie im belgischen Gent einen Ellbogen ins Gesicht bekam und einen vierfachen Jochbeinbruch erlitt, kommentierte Torhüter Gert Girschkowski: „Jetzt ist die Eiche gefällt.“ Nogly setzte seine Robustheit und Körperlichkeit sehr bewusst und rational ein. Trotz aller Härte und Kompromisslosigkeit gegen sich und seine Kontrahenten flog er während seiner ganzen Karriere nicht ein einziges Mal vom Platz. Hart, aber in der Regel fair; Freund und Meister des gepflegten Pressschlags. Gegenüber hsv.de erzählte er vor einigen Jahren schmunzelnd: „Ich kam selten zu spät, war meist schon da und stand dem Gegner immer ganz gut im Weg. Die meisten meiner Gelben Karten habe ich deshalb auch nicht wegen Fouls, sondern wegen Meckerns bekommen.“
Peter Nogly bestach durch exzellentes Stellungsspiel, enorme Kopfballstärke und Torgefahr. „Für mich war es immer zu wenig, nur gegen den Mann zu spielen, ich wollte auch am Spiel nach vorne teilnehmen.“ Allein 52 Pflichtspiel-Tore für den HSV belegen, dass auch das bestens funktionierte. Sein wichtigster Treffer? Vielleicht das 1:0 im DFB-Pokal-Finale 1976 gegen Kaiserslautern. Sein schönster? Der artistische Flugkopfball gegen Mönchengladbach im Januar 1975, ausgezeichnet als „Tor des Monats“. Hinzu kamen etliche kernige Fernschüsse aus der Abteilung „Strahl“ – gradlinig wie sein Absender: „Der genaue, gerade Spannstoß war meine Spezialität.“
Einer der Ersten auf dem „Walk of Fame“
Peter Nogly war kein Laut- und schon gar kein Vielsprecher. Kein „Schnacker“, sondern ein Macher. Wenige, dafür aber umso klare Worte. Eine Führungsfigur. Völlig klar, dass der Junge vom Travemünder Priwall, der einst auf der Lübecker Schlichting-Werft Maschinenschlosser gelernt und „Seemann“ als Berufswunsch angegeben hatte, zum Kapitän wurde. Zwischen 1973 und 1980 führte Nogly den HSV allein in der Bundesliga in 122 Spielen an. Nur Uwe Seeler trug in der Eliteklasse häufiger die HSV-Spielführer-Binde.
Und wenn Fans für einen Spieler einen eigenen Gesang kreieren, sagt das erst recht eine Menge aus. Im Falle Noglys geschehen Ende der 1970er-Jahre, als eine Cover-Version des Schlagers „Schmidtchen Schleicher“ in der Westkurve des Volksparkstadions und in den HSV-Auswärtsblöcken der Republik populär wurde.
Weitere Belege für Noglys Legenden-Status: 2006 zählte das Ehrenmitglied neben Harry Bähre, Charly Dörfel, Manni Kaltz, Kuno Klötzer, Hermann Rieger und Willi Schulz zu den Ersten, die den mittlerweile mehr als 50 Personen umfassenden „Walk of Fame“ um den großen Uwe-Seeler-Fuß an der Nord-Ost-Ecke des Volksparkstadions eröffneten. Noch etwas exklusiver: Als die HSV-Fans anlässlich des 125. Vereinsjubiläums im Jahr 2012 per Internet die „Jahrhundert-Mannschaft“ wählten, schaffte es Nogly ebenfalls ins erlesene, lediglich 18-köpfige Aufgebot – in der Abwehr neben Weltmeister Jupp Posipal, Willi Schulz, Manfred Kaltz und Ditmar Jakobs.
Peter Nogly – auch darin typischer Norddeutscher – war eine ganz treue und verlässliche Seele. Seiner Heimat, dem Fußballsport und auch dem HSV blieb er stets eng verbunden (zeitweilig sogar in offizieller Funktion, als er von Juli 2014 bis Januar 2017 als Mitglied des Aufsichtsrats fungierte). Eine Eiche lässt sich eben nicht so leicht verpflanzen. Nach seiner HSV-Zeit und Ausflügen nach Übersee in die nordamerikanische Profiliga NASL zu den Edmonton Drillers und Tampa Bay Rowdies kickte Nogly noch in der 2. Liga für Hertha BSC und den FC St. Pauli sowie auf ambitioniertem Amateur-Niveau für den VfB Lübeck und den SC Wentorf. 1989 schloss er erfolgreich den DFB-Lehrgang zum Fußball-Lehrer ab und engagierte sich bei Amateurklubs im südlichen Holstein und in und um Hamburg.
Die Stollenschuhe an den Nagel hängen? Für einen Fußball-Verrückten wie Peter Nogly kam das nicht in Frage – eigentlich bis zuletzt nicht. In unzähligen Einsätzen für die „Uwe-Seeler-Traditionself“ und die „HSV-Altliga“, später für die neuformierte HSV-Traditionsmannschaft ließ er manch „Youngster“ im Zweikampf ganz schön alt aussehen. Dazu Tennis, Eishockey, Golf … Nogly zehrte von seiner Vitalität, blieb bis ins hohe Alter drahtig und stets die beeindruckende „Eiche“, die noch im Sommer 2021, im 75. Lebensjahr, als Best-Ager-Fotomodel glänzte, das stolz das neue HSV-Auswärtstrikot präsentierte. Diese Bilder werden bleiben.
Der HSV ist traurig. Er wird seinem langjährigen Kapitän und Meisterspieler stets ein ehrendes Andenken bewahren. Jetzt sind unsere Gedanken bei seiner Familie, seinen Freunden und allen seinen Wegbegleitern.
Ahoi, Käpt’n. Ruhe in Frieden, „Eiche“.
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