
20.08.2022
Der Tag nach dem gebrauchten Tag
Am Freitag hatten im Volkspark die Emotionen reagiert, einen Tag nach dem bitteren und geräuschvollen 1:2 gegen den SV Darmstadt 98 ging es dann um Sachlichkeit.
Verflogen war der Frust über das 1:2 gegen den SV Darmstadt 98 (Jonas Meffert: "Dass wir dieses Spiel verloren haben, ist einfach scheiße") auch am Sonnabend noch nicht, als sich die Rothosen im Trainingszentrum versammelten, im Volkspark laufen gingen bzw. das Spielersatztraining absolvierten.
Zumindest aber konnte wieder ein wenig besonnener auf das Geschehene geschaut werden, das am Vorabend noch für explodierende Emotionen im Hexenkessel Volksparkstadion gesorgt, auch auf dem Heimweg und daheim vor den Fernsehern reichlich Gesprächsstoff geboten und eine sachliche Einordnung des Spiels unmittelbar nach dem Schlusspfiff für jedermann sicherlich schwierig gestaltet hatte.
Der HSV war eigentlich gut in die Partie gestartet und verzeichnete durch Sonny Kittel die erste Chance des Spiels, hatte dann aber zweimal entscheidend das Nachsehen. Beide Male bestraften die Gäste dies per Kopf, wobei dem ersten Gegentreffer von Patric Pfeiffer ein völlig unnötiger und selbstverschuldeter Eckball vorausging und beim zweiten nur das lange Bein von Sebastian Schonlau um wenige Zentimeter eine Abseitsstellung des Torschützen Phillip Tietz verhinderte, wie die VAR-Bilder zeigten.
Trotz des frühen Rückstands standen die Fans wie eine Wand hinter ihrer Mannschaft und trieben sie weiter nach vorn, was auch direkt nach dem Darmstädter Doppelpack Früchte trug, als sich die Rothosen drei, vier gute Abschlusssituationen erarbeiteten, diese aber - und auch das stand symptomatisch für diesen Abend - nicht in die ganz große Torgefahr ummünzen konnten.
Grund hierfür war auch die sehr gute Abwehrarbeit der Lilien, die es mit ihrer sehr variablen Spielweise schafften, den HSV zumeist aus der ganz gefährlichen Zone herauszuhalten. Hierfür wechselte das Lieberknecht-Team immer wieder das tiefe Zurückziehen samt Fünferkette vor dem eigenen Strafraum mit sehr hohem Pressing am Hamburger Strafraum, was die Rothosen nicht so richtig in den eigenen Spielfluss finden ließ.
So entwickelte sich im weiteren Verlauf eine Partie, in der der HSV mehr Spielanteile besaß und in der zweiten Hälfte über die eingewechselte Flügelzange Jatta/Dompé auch immer öfter bis zur Grundlinie durchbrechen konnte, der SVD aber mit seinem schnellen Umschaltspiel die klareren Torchancen vorweisen konnte. Daniel Heuer Fernandes vereitelte beispielsweise in der 50. Minute mit einer Großtat gegen Tietz dessen zweiten Kopfballtreffer und damit das frühe 0:3 sowie die Vorentscheidung.
Dass die Hamburger mit einigen Schiedsrichter-Entscheidungen - Elfmeter nach Foulspiel an Robert Glatzel aufgrund einer vorangegangen und vor allem falschen Abseitsentscheidung nicht gegeben, Ransford Königsdörffer überhart wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit vom Platz gestellt und bei einem Tor, drei Platzverweisen im zweiten Durchgang mit zeitintensiven Diskussionen sowie sehr langen Behandlungspausen für Miro Muheim und Frank Ronstadt auf insgesamt nur sechs Minuten Nachspielzeit entschieden - nicht gerade im Glück waren, darf man schon so sagen. Aber ebenso das, was Meffert nach dem Spiel zu Protokoll gab: "Ich möchte ganz klar betonen, dass wir das Spiel keinesfalls wegen des Schiedsrichters verloren haben."
Und so blieb auch am Sonnabend nur die Erkenntnis, dass der Freitag aus Hamburger Warte ein in jeglicher Hinsicht gebrauchter Tag gewesen war. Und dass ein unglücklicher Start ins Spiel trotz einer Leistungssteigerung und der großartigen Unterstützung der Zuschauer gegen einen an diesem Tag starken und unangenehmen Gegner, der in diesen 90 Minuten alle Begebenheiten der 2. Liga in sich vereinte, nicht mehr in Zählbares umgewandelt werden konnte. Es bleibt also wie immer in dieser Liga alles eng beisammen und sehr spannend, und es wird weiter hart gearbeitet werden. An dem richtigen Start ins Spiel, an der offensiven Durchschlagskraft und an der Effektivität.
Dabei mithelfen wird ab sofort Jean-Luc Dompé, der sich am Freitagabend im zweiten Durchgang den HSV-Fans vorstellen durfte und hierbei bereits mehr als nur andeuten konnte, dass er im Offensivspiel des HSV eine echte verstärkung sein kann. Mit seinen Dribblings, seinem Tempo und seinen Flanken kann er in der Zukunft ein wichtiger Faktor werden. Vielleicht ja auch schon in genau einer Woche, wenn es am kommenden Sonnabend zum 1. FC Nürnberg geht. Der konnte am 5. Spieltag sein Auswärtsspiel beim SV Sandhausen in letzter Minute mit 2:1 gewinnen, so dass jeder in Reihen des HSV weiß, dass auch dieses Duell natürlich kein leichtes werden wird. Da wird es bei ganz sachlicher Betrachtung schon einen ungebrauchten Tag brauchen, um erfolgreich zu sein.
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