
Interview
05.08.26
Leila Peneau: „Ich habe einfach unglaublich viel Energie“
Im Interview während des Trainingslagers in Arnheim spricht die neue HSV-Spielerin über ihre ersten Eindrücke aus Hamburg, ihr Studium der Rechtswissenschaften und eine besondere französische Verbindung.
HSV.de: Moin Leila, du bist im Sommer von der SKN St. Pölten zum HSV gewechselt. Seit rund vier Wochen trägst du nun die Raute auf der Brust. Wie waren die ersten Tage? Bist du schon angekommen?
Leila Peneau: Es war total intensiv, aber auch richtig aufregend. Alles ist neu und es gibt so viel zu entdecken – das neue Umfeld, meine Mitspielerinnen, das Team. Es war wirklich sehr schön bisher. Ich fühle mich schon sehr wohl in Hamburg und beim HSV.
Hast du schon etwas von der Stadt sehen können?
Ich glaube, am besten kenne ich bisher den Campus und die Trainingsplätze. (lacht) Ich war aber auch schon an der Elbe und habe ein paar richtig gute Cafés ausprobiert. Das war schön. Wir haben einige Kaffee-Liebhaberinnen im Team. Das ist echt schön, weil wir dann gemeinsam verschiedene Cafés ausprobieren können. Aber abgesehen davon habe ich bisher noch nicht so viel von der Stadt gesehen.
Aktuell seid ihr im Trainingslager in Arnheim und bereitet euch auf die anstehende Bundesliga-Saison vor. Wie sind deine Eindrücke von den ersten Tagen?
Es ist anstrengend, aber auf eine gute Art, weil wir das brauchen, um besser zu werden. Es ist auch super für das Team, weil wir rund um die Uhr zusammen sind. Die Stimmung ist richtig gut, alle lachen viel. Nur mit der Hitze hätte ich in den Niederlanden nicht gerechnet. (lacht)

Mit Magou Doucoure bist du jetzt die zweite Französin im Team. Gibt es da nach dieser kurzen Zeit schon eine besondere französische Connection?
Ja! Wir haben den Trainern schon gesagt, dass sie uns im Training öfter in dieselbe Gruppe stecken sollten, damit wir diese französische Verbindung noch mehr aufbauen können. (lacht) Aber im Ernst: Es ist immer schön, jemanden aus dem eigenen Land im Team zu haben, der dieselbe Sprache spricht. Wir verstehen uns wirklich sehr gut.
Und wie läuft es mit dem Deutsch lernen?
Es ist wirklich schwer, aber gleichzeitig auch eine schöne Herausforderung. Ich werde Unterricht nehmen, weil ich die Sprache unbedingt lernen und mich noch besser im Land integrieren möchte. Es ist schwierig, aber ich werde besser werden. Ich würde sogar sagen, dass ich die deutschen Kommandos auf dem Platz schon ganz gut verstehe. Vielleicht können wir dieses Interview später in der Saison ja dann noch einmal auf Deutsch führen. (lacht)
Kommen wir zurück aufs Sportliche: Am Sonnabend hast du dein erstes Spiel in deiner neuen Heimat bestritten. Gegen Everton habt ihr am Ende knapp mit 0:1 verloren. Trotzdem war es eine Leistung, auf die sich aufbauen lässt. Wie war der erste Härtetest im Volksparkstadion für dich?
Es war wirklich unglaublich. Während des Spiels merkt man gar nicht richtig, wie viele Menschen im Stadion sind, weil man komplett fokussiert ist. Aber als wir nach dem Spiel eine Runde über den Platz gelaufen sind, um uns bei den Fans zu bedanken, habe ich mir gedacht: Du hast dein ganzes Leben lang hart gearbeitet, um diese Momente erleben zu können. Es war einfach großartig, so viele Fans da zu haben. Ich möchte mich jetzt schon bei ihnen bedanken, dass sie gekommen sind, denn es war ja „nur“ ein Freundschaftsspiel und trotzdem waren so viele da. Das gibt einem natürlich noch einmal extra Energie und man will noch mehr geben. Es war ein großartiger Tag, an dem ich gespürt habe, wofür dieser Verein steht. Ich freue mich jetzt schon auf alles, was noch kommt – vor allem auf unsere Heimspiele im Volksparkstadion.
Wie würdest du dich als Spielerin beschreiben?
Ich würde sagen, dass ich sehr aktiv bin und mich immer anbiete, um die Bälle im Mittelfeld zu verteilen. Ich bin eher eine technische Spielerin. Meine Einstellung ist, immer nach vorne zu denken, im Training alles zu geben und alles für das Team zu investieren. Ich habe einfach unglaublich viel Energie.
Ist Leila neben dem Platz genauso?
Ja, würde ich schon sagen – zumindest die meiste Zeit. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, knüpfe gerne Kontakte und rede viel. Ich verbreite gerne gute Stimmung. Aber wenn ich zu Hause bin, genieße ich es auch, einfach mal ruhig zu sein und Zeit für mich zu haben. Das erwarten viele gar nicht von mir, weil ich nach außen sehr offen bin. Aber ich brauche ab und zu auch meinen Freiraum, um meine Batterien wieder aufzuladen.
Wie lädst du deine Batterien auf? Liest du? Hörst du Musik?
Eigentlich beides. Ich liebe Musik, das ist ein großer Teil meines Lebens. Ohne Musik wüsste ich gar nicht, wie ich klarkommen würde. Ich lese auch sehr gerne und ziemlich viel in meiner Freizeit. Im Moment lese ich zum Beispiel eine französische Thriller-Reihe und bin schon beim letzten Band. Die gefällt mir richtig gut. Außerdem koche ich total gerne.
Hast du ein Lieblingsgericht, das du besonders gut kannst?
Wahrscheinlich alles, was mit Brunch zu tun hat – natürlich zusammen mit einem guten Kaffee. Ich würde auch gerne meine Kaffeemaschine aufrüsten, damit ich zu Hause noch besseren Kaffee machen kann.
Neben dem Fußball hast du vergangenes Jahr auch deinen Master in Rechtswissenschaften erfolgreich absolviert. Wie kam es dazu? Und vor allem, wie hast du das neben dem Profisport gemeistert?
Ja, das stimmt. Aber ich verstehe gar nicht, warum alle darüber immer so überrascht sind. (lacht) Ich wusste schon früh, dass ich auch eine Ausbildung für die Zeit nach meiner Fußballkarriere brauche. Damals nach der Schule wollte ich außerdem bewusst etwas machen, das nichts mit Fußball zu tun hat, damit ich den Kopf zwischendurch auch mal frei bekomme. Meine Mutter ist Anwältin, deshalb bin ich überhaupt auf das Thema gekommen. Ich habe ein paar Vorlesungen besucht, um zu sehen, ob es mir gefällt – und das hat es. Deshalb habe ich mich dafür entschieden. Meinen Bachelor habe ich ganz normal in Präsenz an der Universität gemacht gemacht, den Master dann online – parallel zu meiner Karriere als Profifußballerin. Das war natürlich anstrengend, aber mir hat es viel Spaß gemacht, mich beim intensiven Lernen mal mit etwas ganz anderem zu beschäftigen und nicht ans Training oder das nächste Spiel zu denken.
