
Interview
05.08.26
„Ich mag es, wenn wir zusammen etwas kreieren“
Rayane Philippe ist in der bisherigen Vorbereitung Aktivposten im Training und in den Testspielen. Bei HSV.de spricht der Franzose über seine Form, die Lehren aus der Vorsaison und seine Ziele für die neue Spielzeit.
Zwei Sessel auf dem „Home Ground“ mit Blick auf das Trainingsgelände bilden die Kulisse für das Interview. In einen davon setzt sich Rayan Philippe. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt in der fünften Woche der Vorbereitung bereits vier Trainingseinheiten hinter sich hat, lässt er sich nicht hineinfallen, sondern sitzt aufrecht auf der vorderen Kante des Sessels. Der 25-jährige Franzose hat in den Testspielen gegen den 1. FC Heidenheim (3:1) und den FC Everton (1:2) ein Tor und eine Vorlage beigesteuert und macht auch sonst im Training einen aktiven Eindruck. Bei HSV.de spricht Philippe reflektiert über seine Form, die Lehren aus der Vorsaison, das Verteidigen als Angreifer und seine Ziele für die neue Spielzeit.
HSV.de: Rayan, Herzogenaurach ist das dritte Trainingslager der Vorbereitung. Wie fühlst du dich?
Rayan Philippe: Ich fühle mich einfach gut. Ich habe vor dem Start der Vorbereitung, als ich noch im Urlaub in Südfrankreich war, entsprechende Vorkehrungen getroffen. Wenn ich auf dem Platz stehe, habe ich ein gutes Gefühl. Damit meine ich nicht nur körperlich, weil ich keine Beschwerden habe, sondern auch vom Kopf her. Ich hoffe, dass dieses Gefühl weiter so anhält.

Vor allem in den Testspielen zeigst du eine Verbindung zu deinen Mitspielern.
In unserem System haben wir viele Spieler, die sich im Zentrum aufhalten. Das hat den Vorteil, dass man auf engem Raum schnell miteinander kombinieren kann. Das liegt mir. Ich mag es, mich im Zentrum aufzuhalten. Ich mag es, wenn ich meine Mitspieler in der Nähe habe und wir zusammen etwas kreieren. Außerdem ist es für den Gegner nicht so leicht, dies zu verteidigen. Das liegt daran, weil er sich entscheiden muss, wie er den Halbraum attackiert. Reagiert er auf das, was ich oder meine Mitspieler machen? Dann tun sich eventuell andere Räume für uns auf.
Wie groß ist der Stellenwert der Vorbereitung mit Blick auf eine neue Saison?
Es ist sehr wichtig, wirklich fit zu sein. Während der Saison kann man die Intensität aus der Vorbereitung einfach nicht wiederholen. Ich bin der Meinung, dass man in einer Saison nur gut performen kann, wenn man in der Vorbereitung Gas gegeben hat. Deshalb muss man in der Vorbereitung hart arbeiten, um für die Saison bereit zu sein. Ich will mich zeigen, weil ich natürlich mehr Spielzeit sammeln möchte, aber ich tue das nicht nur für mich, sondern auch für die Mannschaft. Ich will dem Team helfen, indem ich mein Bestes gebe und damit auch die anderen Jungs antreibe.
Ist das Trainingslager auf dem „Home Ground“ das intensivste der Vorbereitung?
Ja, das würde ich schon so sagen. Wir befinden uns in der fünften Woche der Vorbereitung und kommen dem Pflichtspielstart immer näher, es ist normal, dass die Intensität dann sehr hoch ist. Zudem ist es wirklich sehr warm, aber das mag ich. Für mich sind das sogar die perfekten Bedingungen. Es ist anspruchsvoller, bei Temperaturen wie diesen zu trainieren, das macht einen noch widerstandsfähiger. Trotzdem war es nicht einfach, als wir gestern ohne Ende sprinten mussten. (lacht)
Wie hast du deine erste HSV-Saison für dich eingeordnet, womit warst du zufrieden und womit nicht?
Es gab Höhen und Tiefen. Ich war mit der ersten Saisonhälfte zufrieden, weil ich regelmäßig gespielt und Tore geschossen habe. Es lief also in Ordnung für mich. Das sah in der zweiten Saisonhälfte anders aus, in der weniger gespielt und weniger Tore geschossen habe. Zudem war ich nicht bei Hundert Prozent, weil ich Beschwerden hatte. Ich arbeite jetzt in der Vorbereitung hart, um nicht nur mit einer halben Saison zufrieden zu sein – ich will übers gesamte Jahr gute Leistungen zeigen.
Beim 2:1-Auswärtssieg in Wolfsburg standest du aus sportlichen Gründen nicht im Kader. Cheftrainer Merlin Polzin lobte in der Zeit danach deine Reaktion auf die Entscheidung und wie du mit ihr umgegangen bist.
Es ging hauptsächlich ums Verteidigen. Ich weiß, dass niemand perfekt ist, trotzdem ist das mein Anspruch. Ich versuche, alles zu geben, zu lernen und besser zu werden. Ich möchte an meinen Schwächen arbeiten. Wenn verlangt wird, dass ich besser verteidige, dann werde ich besser verteidigen. Ich habe mich auch mit den Abwehrspielern unterhalten, aber am meisten habe ich mich mit den Trainern ausgetauscht. Sie sind die Experten und können es mir am besten erklären, was sie fordern. Ich möchte natürlich spielen, und wenn ich es nicht tue, frage ich nach, was die Gründe dafür sind. Ich bin einfach so, dass ich Fragen stelle, um Dinge zu verstehen, besser zu werden und dem Team zu helfen. Ich weiß, dass ich der Mannschaft helfen kann.
(Das Interview wird kurz von Otto Stange und Daniel Elfadli unterbrochen, die vom Trainingsgelände kommen und den Blick in Richtung Rayane Philippe werfen. Stange sagt zweimal „Oui“, alle drei schmunzeln.)

Was hast du dir für die Vorbereitung und die neue Saison vorgenommen?
Für den Moment gebe ich einfach jeden Tag mein Bestes. Wir werden sehen, wie es dann zum Saisonstart aussieht. Ich möchte jedes Spiel spielen und so viele Tore wie möglich schießen und vorbereiten. Es war echt nicht einfach für mich, die Saison ohne Vorlagen zu beenden. Für mich fühlt sich eine Vorlage genauso schön an wie ein Tor. Das ist wirklich so.
Der HSV-Sturm stellt sich nach den Abgängen von Ransford Königsdörffer und Robert Glatzel sowie der Verpflichtung von Patson Daka anders auf. Zudem deutete der Coach zuletzt an, dass die Planung auf dieser Position noch nicht abgeschlossen ist. Wo siehst du dich in diesem Gefüge?
Ich mache mir darüber ehrlicherweise keine Gedanken. Ich gebe im Training mein Bestes und am Ende trifft das Trainerteam die Entscheidung. Ich kann mich nur darauf fokussieren, was ich beeinflussen kann. Mein Ziel ist es, eine bessere Saison als die letzte zu spielen.
