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04.11.2026
„Kinderschutz ist eine gemeinsame Aufgabe”
Der Hamburger SV hat organisationsübergreifend ein neues Kinderschutzkonzept entwickelt. Die HSV-Vorstände Kathleen Krüger und Eric Huwer sowie HSV-Präsident Henrik Köncke sprechen über die Entwicklung und die Hintergründe.
Am heutigen Mittwoch (4. November) hat der Hamburger SV sein neues Kinderschutzkonzept veröffentlicht. Das gemeinsam mit der Kindernothilfe entstandene Konzept führt bestehende Maßnahmen zusammen und schafft einheitliche Standards für den gesamten HSV. An der Entwicklung waren zahlreiche Fachbereiche des Hamburger Sport-Verein e.V. und der HSV Fußball AG & Co. KGaA beteiligt. Eine besondere Rolle spielten dabei die Kinder und Jugendlichen selbst, deren Perspektiven und Bedürfnisse aktiv in den Prozess einbezogen wurden. Unterstützt wurde die Umsetzung auch durch die Förderung der HSV-Campus gGmbH.
Mit dem neuen Konzept setzt der HSV ein organisationsübergreifendes Zeichen für den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen und führt die Maßnahmen in Form von internen Schulungen gemeinsam mit der Kinderrechtsorganisation PLAN International Deutschland fort. Welche Bedeutung das Konzept hat und welche Verantwortung damit verbunden ist, erläutern die HSV-Vorstände Kathleen Krüger und Eric Huwer sowie Vereinspräsident Henrik Köncke im Interview.
HSV.de: Henrik, beim HSV gab es bereits verschiedene Kinderschutzkonzepte. Warum war es wichtig, nun ein neues Konzept zu entwickeln?
Henrik Köncke: Wir hatten bereits in verschiedenen Bereichen gute und zum Teil sehr umfangreiche Konzepte, allerdings bislang keine einheitlichen Standards für den gesamten HSV. Das wollten wir ändern. Denn unabhängig davon, ob ein Kind bei uns Fußball spielt, als Fan auf der Tribüne steht oder eine unserer vielen weiteren Sportarten betreibt, gilt: Kinder müssen sich überall beim HSV sicher und gut aufgehoben fühlen .
Jeden Tag vertrauen uns Eltern und Erziehungsberechtigte ihre Kinder an. Dieses Vertrauen ist für uns eine große Verantwortung, die wir ernst nehmen. Wir möchten Kindern und Jugendlichen ein Umfeld bieten, in dem sie sich sicher fühlen, respektiert werden und sich frei entwickeln können. Deshalb war es uns so wichtig, die bestehenden Ansätze zusammenzuführen und das Thema gemeinsam über alle Organisationsbereiche hinweg anzugehen.
HSV.de: Kathleen, das Projekt wurde Anfang 2025 gestartet. Du bist erst später zum HSV gekommen und in das Thema eingestiegen. Wie blickst du auf den bisherigen Prozess und die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien?
Kathleen Krüger: Da ich das Projekt nicht von Beginn an begleiten konnte, freue ich mich umso mehr, dass der HSV dieses wichtige Thema organisationsübergreifend angegangen ist und so viele unterschiedliche Bereiche daran mitgewirkt haben. Ich finde es sehr beeindruckend, wie viele Fachabteilungen Hand in Hand an unserem Kinder- und Jugendschutzkonzept gearbeitet haben, denn allein das Kernteam bestand und besteht aus dem Amateursport, dem NLZ, Young Fans, der Fußballschule, der Fankultur, der Nachhaltigkeit, der HSV-Stiftung und einem Jugendgremium aus aktiven und fördernden Mitgliedern. Das zeigt, welchen Stellenwert der Kinder- und Jugendschutz innerhalb unseres Vereins hat. Auch besonders wertschätzend habe ich vor allem die Zusammenarbeit mit der Kindernothilfe wahrgenommen. Sie unterstützt uns dabei, Kinderrechte nachhaltig in unseren Vereinsstrukturen zu verankern und unsere Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Mir persönlich ist dieses Thema ein ganz besonderes Anliegen, deshalb ist es mir wichtig, diesen Weg nun aktiv mitzugestalten und dafür zu sorgen, dass das vorliegende Konzept mit Leben gefüllt wird. Besonders wertvoll finde ich dabei auch die Einbindung der Kinder und Jugendlichen selbst. Ihre Perspektive und Bedürfnisse müssen bei allen Überlegungen im Mittelpunkt stehen.
HSV.de: Welche Ziele verfolgt der HSV mit dem neuen Kinder- und Jugendschutzkonzept?
Krüger: Mit dem Kinder- und Jugendschutzkonzept bekennen wir uns klar zu unserer hohen Verantwortung für das Wohlergehen aller Kinder und Jugendlichen, die mit dem HSV auf vielfältige Weise in Kontakt kommen. Wir wollen Kinderrechte nicht nur sichtbar machen, sondern sie im gesamten Verein fest verankern und im Alltag konsequent leben.
Ich bin überzeugt, dass Kinderschutz eine grundlegende Haltung sein muss, die unser tägliches Handeln bestimmt. Es geht nicht allein darum, Regeln aufzustellen, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen und aufmerksam zu sein. Jedes Kind hat das Recht, sich sicher, respektiert und wertgeschätzt zu fühlen. Dafür müssen wir als HSV gemeinsam einstehen.
Köncke: Für mich ist dabei ein Punkt besonders relevant: Kinder- und Jugendschutz darf nicht davon abhängen, in welcher Abteilung jemand Sport treibt oder welches weitere Angebot im Verein wahrgenommen wird. Der HSV ist groß und vielfältig, viele Menschen begleiten bei uns jeden Tag Kinder und Jugendliche. Für alle muss klar sein, welche Standards gelten und was wir im täglichen Miteinander von allen Beteiligten erwarten. Das neue Konzept schafft dafür eine gemeinsame Grundlage.
HSV.de: Eric, wen betrifft das Regelwerk des neuen Schutzkonzepts besonders beim HSV und für welche Bereiche wurde es entwickelt?
Eric Huwer: Wir möchten mit dem neuen Kinderschutzkonzept klare Regeln und Rahmenbedingungen für die Arbeit aller Angestellten des HSV aufstellen. Das gilt für alle festangestellte Mitarbeitenden sowie Aushilfen, auf und neben dem Platz. Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Kinder und Jugendliche bei uns gut aufgehoben sind.
Die Werte sollen abteilungsübergreifend verstanden, gelernt und gelebt werden. Deshalb haben auch so viele Fachabteilungen mit an der Erstellung gearbeitet, um es in allen Bereichen in der Praxis umsetzen zu können. Uns ist wichtig, dass wir als HSV gemeinsam hinter Kinderschutz stehen und das betrifft entsprechend alle, die sich mit dem HSV identifizieren und zugehörig fühlen.
So sollten sich nicht nur Mitarbeitende vom Regelwerk angesprochen fühlen, sondern ebenso unsere Fans. Das Schutzkonzept zeigt Eltern und Erziehungsberichtigten, dass wir unsere Verantwortung im Umgang mit ihren Kindern sehr ernst nehmen und das Vertrauen, welches sie uns entgegenbringen, respektieren. Am Ende wurde es mit und für Kinder und Jugendliche entwickelt, weshalb uns ihre Ansprache natürlich besonders am Herzen liegt. Auch die jüngsten Rothosen müssen wissen, dass sie beim HSV eine Stimme haben, dass ihre Grenzen respektiert werden und dass sie jederzeit Unterstützung bekommen.
HSV.de: Mit der Veröffentlichung des Konzepts ist ein wichtiger Schritt gemacht. Wie stellt der HSV sicher, dass es nun auch im Vereinsalltag gelebt wird?
Köncke: Entscheidend ist, dass das Konzept nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag tatsächlich Wirkung entfaltet. Dazu gehören auch Schulungen, klare Verhaltensregeln und verlässliche Anlaufstellen. Vor allem aber ist es wichtig, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen und aufmerksam miteinander umgehen – im Hauptamt wie im Ehrenamt.
Genauso wichtig ist, dass wir uns als Verein kontinuierlich hinterfragen und unsere Maßnahmen überprüfen: Was funktioniert bereits gut und wo müssen wir noch besser werden? Denn mit der Veröffentlichung unseres Kinderschutzkonzepts ist unsere Arbeit keineswegs abgeschlossen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist fest in unserem Wertesystem verankert. Kinderschutz ist eine gemeinsame, dauerhafte Verantwortung, der wir uns jeden Tag aufs Neue stellen müssen.
Krüger: Da möchte ich Henrik ausdrücklich zustimmen. Wir verstehen Kinderschutz nicht als einmaliges Projekt, sondern als elementaren fortlaufenden Prozess, den wir gemeinsam mit allen Menschen beim HSV gestalten müssen. Wir möchten eine Vereinskultur fördern, in der Kinder und Jugendliche Vertrauen erleben, gehört werden und sich jederzeit mit all ihren Anliegen anvertrauen können. Dafür brauchen wir auch Menschen, die hinschauen, zuhören, Verantwortung übernehmen und im Zweifel auch den Mut haben, Dinge anzusprechen.
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir diesen Anspruch in allen Bereichen des HSV mit Leben füllen. Unabhängig davon, ob im Nachwuchsleistungszentrum, im Amateursport, in der Fußballschule oder in anderen Bereichen. Der Schutz unserer Kinder und den Jugendlichen muss überall denselben Stellenwert haben. Unser Anspruch und Ziel muss sein, dass sich jedes Kind beim HSV sicher, angenommen und wertgeschätzt fühlt. Das ist für mich nicht verhandelbar.
Foto Eric Huwer: Dominik Butzman
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