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"Wir müssen an unsere Grenze kommen"

Interview

25.07.19

"Wir müssen an unsere Grenze kommen"

Im Interview mit HSV.de spricht Daniel Heuer Fernandes über die Vorfreude auf den Saisonstart, den Dreikampf im HSV-Tor und über die besondere Motivation von Darmstadt 98.

Ob er selber von Anfang an auf dem Platz stehen wird, weiß Daniel Heuer Fernandes heute noch nicht. Die Torwart-Neuverpflichtung des HSV sieht sich bis zum Schluss in einem Dreikampf mit Julian Pollersbeck und Tom Mickel um den Startelfplatz zum Saisonstart am Sonntag (28. Juli, Anpfiff 13.30 Uhr) gegen Darmstadt 98. Was er im Interview mit HSV.de allerdings deutlich macht, ist, dass dieses Spiel natürlich etwas ganz Besonderes für ihn sei. Nicht nur, weil es für den 26-jährigen Deutsch-Portugiesen das erste Pflichtspiel mit der Raute auf der Brust sein könnte, sondern auch, weil es mit den Lilien ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein geht, für den er in der letzten Saison 34 Spiele absolvierte.

„Seit die Spielansetzung veröffentlicht wurde, stand das Handy nicht mehr still“, verrät Heuer Fernandes im Gespräch mit HSV.de. Dies nehme zwar in den kommenden Tagen nicht mehr zu, weil sich alle auf sich konzentrieren, doch einen besonderen Kick gebe es dennoch. Im Interview verrät er zudem, wie er den aktuellen Stand der Mannschaft empfindet, vor wem er bei Darmstadt großen Respekt hat und auf was sich der HSV am Sonntag einstellen muss, um erfolgreich in die Saison zu starten.

Daniel Heuer Fernandes (Mi.), Tom Mickel (li.) und Julian Pollersbeck (re.) stehen im Training nebeneinander.
Daniel Heuer Fernandes (Mi.) sieht den Dreikampf mit Tom Mickel (li.) und Julian Pollersbeck (re.) als fördernd für alle Beteiligten.

Die rund sechswöchige Vorbereitung neigt sich so langsam dem Ende entgegen, die Vorfreude auf den Saisonstart am Sonntag nimmt zu. Wie würdest du aus deiner Sicht die bisherige Zeit, gerade als Neuzugang, bewerten?

Heuer Fernandes: Die Vorbereitung gehört zu jedem Profidasein dazu, am Ende ist man aber froh, dass sie vorbei ist und freut sich auf das, worauf wir alle hingearbeitet haben: auf die Spiele. Mein Eindruck ist, dass wir sowohl im taktischen als auch im konditionellen Bereich sehr konzentriert und intensiv gearbeitet haben. Besonders das Trainingslager in Österreich war dafür sehr gut. Für mich war es schade, dass ich am Anfang ein paar Tage raus war. Jetzt fühle ich mich aber richtig fit und bin froh, dass es losgeht.  

Es galt, neben dir weitere acht Neuzugänge zu integrieren, dazu ist auch das Trainerteam um Dieter Hecking neu beim HSV. War es schwer, das alles zu vereinen?

Beim Fußball benötigt das Miteinander nicht viel Zeit. Man kennt sich aus der Jugend, aus anderen Teams oder ist sich woanders schon einmal über den Weg gelaufen. Ich habe beispielweise schon mit Khaled in Paderborn und mit Gyambo (Jan Gyamerah, Anm. d. Red.) in Bochum zusammengespielt. Das Miteinander ist für die kurze Zeit schon sehr gut, gerade das Trainingslager hat dafür viel gebracht. Wir kommen alle gut miteinander aus. Das wollen wir jetzt auch schnell auf dem Platz zeigen.

Vor dem ersten Spieltag weiß man ja nie, wo man als Mannschaft genau steht. Wie lange braucht es noch, bis wirklich alle Rädchen ineinandergreifen?

Wir wollen es schnellstmöglich schaffen, dass alles passt. Am besten natürlich sofort gegen Darmstadt. Aber das ist schwierig. Es ist wichtig, dass wir Sonntag an unsere Grenze kommen. Wir haben viele erfahrene und gute Spieler dazubekommen, die Dinge auch schnell umsetzen können, dennoch wird es sicher noch einige Zeit dauern, bis alles ineinandergreift.

Mit Julian Pollersbeck und Tom Mickel hast du gleich zwei Konkurrenten im Kampf um den Platz im Tor. Wie schätzt du die Situation zwischen den Pfosten ein?

Ich habe schon oft betont, dass der Konkurrenzkampf jeden Einzelnen von uns weiterbringt. Wir pushen uns gegenseitig. Dass am Ende nur einer spielen kann gehört dazu, und das weiß man auch. Jeder hat seine Vorstellungen und Ambitionen. Ich werde weiterhin alles dafür tun, mich dem Trainer anzubieten, damit ich im Kasten stehe.

Heuer Fernandes läuft beim Spiel gegen RSC Anderlecht mit den Mitspielern in das Volksparkstadion ein.
Ein besonderer Moment: Heuer Fernandes wird in den verbleibenden Trainingseinheiten alles dafür tun, am Sonntag und auch danach in der Startelf zu stehen und ins Volksparkstadion einzulaufen.

Einen wichtigen Part nimmt dabei Torwarttrainer Kai Rabe ein, den der HSV im Sommer aus Karlsruhe verpflichtet hat. Was zeichnet sein Training aus und welche Effekte hat es bei dir erzielt?

Die Arbeit mit Kai Rabe bewerte ich als sehr positiv. Er hat sehr viele gute, neue Übungen, dazu ein weites Spektrum an unterschiedlichen Übungsformen. Es macht sehr viel Spaß, hat sehr viel Inhalt, aber auch Motivation und Input für mich. Ich denke, er kann uns alle auf eine neues Niveau bringen.

Für dich als neuer Torwart heißt es, sich auch auf einen komplett neuen Defensivverbund einzustellen. Wie schwierig ist die Abstimmung mit den bisher unbekannten Vorderleuten?

Das kriegst du nur über Training und viel Kommunikation auch außerhalb des Platzes hin. Für mich sind in dieser Konstellation ja alle neu. Die vielen Übungen im Elf-gegen-elf vereinfachen die Abstimmung.

Am Sonntag startet die HSV-Saison mit dem Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98. Stehst du noch mit deinen ehemaligen Mitspielern in Kontakt?

Natürlich ist noch viel Kontakt mit einzelnen Spielern da. Seit das Spiel angesetzt ist, haben wir uns ein paar Nachrichten und Sticheleien zugeschickt. Das gehört dazu. Das legt sich aber in den nächsten Tagen. Da gibt man sich dann nicht mehr etwas in Richtung Spiel mit.

SVD-Angreifer Serdar Dursun hat dich diese Woche in einem Video der „Lilien“ in seine „Manager-Elf“ der Saison aufgenommen. Er hat großen Respekt vor deinen Leistungen, wünscht uns für Sonntag natürlich aber nicht unseren besten Tag.

Ja, ich kenne das Video (lacht). Wir haben uns in Darmstadt gut verstanden, auch privat einiges zu tun gehabt. Wir wissen beide, dass der andere auf seiner Position viel Qualität mitbringt und schätzen den jeweils anderen. Deshalb muss man auf beiden Seiten aufpassen, ich auf ihn und er auf mich.

Du weißt genau, wie Dimitros Grammozis spielen lassen möchte. Auf was kommt es Sonntag an?

Was wir genau machen müssen, das werde ich hier nicht verraten (lacht). Das werde ich, wenn er mich fragt, mit Dieter Hecking besprechen. Aber jedes Spiel hat sicher seine eigene Spieldynamik, wie man in der letzten Saison gesehen hat. Ich weiß, dass Darmstadt viel Qualität mitbringt und wir gerade in der Offensive auf die Schnelligkeit aufpassen müssen. Ich weiß aber auch, dass wir gut vorbereitet sein werden. Auf der anderen Seite muss Darmstadt nämlich auch auf uns achten. Wir bringen auch Qualität mit und werden uns nicht verstecken.

Was kannst du, aus deinen Erfahrungen gegen den HSV zu spielen, jetzt noch einbringen?

Ich glaube, es ist ein wichtiger Faktor, wenn man nachfühlen kann, was in der gegnerischen Kabine abgeht, wie motiviert der Gegner sein wird. Dazu noch am ersten Spieltag hier bei uns im Volksparkstadion. Das ist etwas ganz Besonderes. Man will den HSV als großen Verein ärgern. Ich habe es selber miterlebt und das entsprechende Bewusstsein dafür. Wir müssen 100 Prozent geben, dagegenhalten, aber auch an unsere eigene Stärke glauben. Dann können wir erfolgreich starten.

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