
19.09.2018
Verlass auf jeden Einzelnen
Nach dem 1:0-Auswärtserfolg in Dresden springt der HSV an die Tabellenspitze der zweiten Bundesliga. Trotz aller Freude will man diese „nette Randerscheinung“ aber keineswegs überbewerten. Nach wie vor gelte die Denkweise von Spiel zu Spiel.
17 Tage nach dem ursprünglich angesetzten Termin fand nun am gestrigen Abend die Partie des Hamburger SV bei Dynamo Dresden statt. Und im zweiten Anlauf hat sich die Fahrt der Rothosen die Elbe hinunter bezahlt gemacht. 30.723 Zuschauer, davon 3.000 mitgereiste HSV-Anhänger, sahen im neu benannten Rudolf-Harbig-Stadion das zu erwartende hart umkämpfte Spiel im ersten Durchgang, ehe HSV-Coach Christian Titz zur Halbzeitpause seinen südkoreanischen Neuzugang Hee-chan Hwang auf das Spielfeld schickte und der Flügelflitzer in der Folge den Unterschied ausmachte. Am Ende war es die individuelle Klasse Hwangs, die den Hamburgern den Sieg und damit verbunden den Sprung an die Tabellenspitze bescherte. Doch auch der mutige Auftritt eines befreit aufspielenden Dresdener Teams, das die Rothosen mit schnellen Umschaltaktionen und einigen sehr guten Möglichkeiten immer wieder in Bedrängnis brachte, überzeugte. Über ein Unentschieden hätte sich der HSV am Ende des Tages nicht beschweren dürfen. Titz und sein Team bekamen damit trotz hart erarbeiteten drei Punkten aufgezeigt, an welchen Dingen sie in den nächsten Wochen noch arbeiten müssen. Den fünften Pflichtspielsieg in Folge sowie die Tabellenführung nahm der Club zufrieden zur Kenntnis, doch zum aktuellen Zeitpunkt ist dies für die Verantwortlichen des HSV nur eine „nette Randerscheinung“. Der Trainer bleibt weiterhin bei seinem Credo: auf den guten Leistungen aufbauen und konzentriert weiterarbeiten. Drei Punkte geholt, den Fokus neu ausgerichtet. Schon am kommenden Sonntag (23. September, Anstoß 13:30 Uhr) empfangen die Rothosen den SSV Jahn Regensburg im heimischen Volksparkstadion.
HSV.de
blickt noch einmal auf das gestrige Nachholspiel zurück, gibt einen Überblick über die Personalsituation und wirft den Blick auf die kommende Aufgabe voraus.

Hee-chan Hwang erzielte in seinem zweiten Spiel sein erstes Tor für den HSV. Der Südkoreaner ist damit angekommen in der Elbstadt.
Zum Spiel:
Bevor die 22 Mann auf dem Spielfeld für Furore sorgen konnten, stand vorher noch ein ganz besonderer Programmpunkt für das Heimteam samt seinen Fans auf der Tagesordnung. Im Rahmen einer kleinen Zeremonie wurde ganz offiziell der neue Name der Dresdener-Arena bekanntgeben. Von nun an nennt sich die 31.000 Zuschauer fassende, schwarz und gelb gefärbte Heimspielstätte von Dynamo Dresden wieder „Rudolf-Harbig-Stadion“, wie schon zweimal in seiner Geschichte. Und nicht nur aus der Freude darüber entwickelten sich die folgenden 90 Minuten stimmungstechnisch zu einem echten Hexenkessel. Die anwesenden Zuschauer sahen vor allem in der ersten Halbzeit ein zweikampfbetontes Spiel auf beiden Seiten. Der HSV zog das Spiel auf, tat sich mit der tiefstehenden Dynamo Defensive aber merklich schwer. Auf der anderen Seite brachten die Hausherren durch ihre schnelle Umschaltaktionen immer wieder Gefahr ins Spiel und hatten zeitweise sogar die Möglichkeiten, in Führung zu gehen. Individuelle Fehler auf Seiten der Hamburger waren diesen Chancen hervorgegangen. Dass sich sein Team vor allem in den ersten 45 Minuten schwer tat, blieb HSV-Coach Christian Titz natürlich nicht verborgen: “Es war wie beim letzten Mal, wir haben einfach zu viele Torchancen für den Gegner zugelassen. Wir sind in drei bis vier Situationen in Überzahl und verteidigen es individuell einfach nicht gut. Daran müssen wir jetzt arbeiten.“ Der Fußballlehrer reagierte, brachte mit Neuzugang Hee-chan Hwang einen Spieler, der in der Offensive fortan für Tempo und neue Akzente sorgen sollte. Und der Südkoreaner erfüllte den Auftrag seines Trainers. Der Flügelflitzer zeigte Mut, suchte die Wege in die Tiefe und erzeugte Gefahr. Nachdem sein erster Torversuch noch am Außennetz landete, schlenzte Hwang den Ball bei seinem zweiten Torschuss sehenswert in die Maschen des Dresdener Tores. Auch wenn es in den folgenden 20 Minuten noch einmal wackelig wurde und sich der HSV weiteren guten Torchancen der Hausherren erwehren musste, konnten diese das Ergebnis nicht mehr zu ihren Gunsten verändern. Auf der anderen Seite holte Khaled Narey in der Nachspielzeit noch einmal einen Strafstoß für die Rothosen heraus. Pierre-Michel Lasogga ließ die Möglichkeit auf 2:0 zu erhöhen liegen. Nichtsdestotrotz, Hwangs-Treffer machte am Ende den Unterschied aus. Dementsprechend zufrieden äußerte sich Titz nach dem Spiel über seinen Offensivmann: „Er ist ein Spieler der die Tiefe und den Abschluss sucht. Er hat eine enorme Schnelligkeit und wir sind froh, dass sich der Spieler für uns entschieden hat. Er hat heute das Spiel entschieden, darüber sind wir sehr glücklich.“

Für Christoph Moritz war die Partie gegen Dynamo Dresden nicht nur das erste Pflichtspiel von Beginn an, er stand auch 30 Minuten als Kapitän auf dem Platz.
Zur Personalsituation:
Mit Blick auf die hohe Belastung der kommenden Wochen hielt Chefcoach Titz bei seiner angekündigten personellen Rotation Wort und veränderte sein Team auf insgesamt vier Positionen. Die Auffälligste vorweg: Mit Josha Vagnoman warf der 47-jährige Fußballlehrer einen talentierten Außenbahnspieler in die Anfangsformation, der für gewöhnlich auf der Position des Linksverteidigers spielt, aber genauso die Offensiv-Position bekleiden kann und bescherte diesem somit seinen ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison. Erst sein drittes Spiel im Dress der Profis. David Bates kehrte nach einem Spiel auf der Bank zurück in die Innenverteidigung, ersetzte Leihspieler Leo Lacroix. Christoph Moritz, der die letzten 30 Minuten des Spiels gegen Dresden dann sogar als Kapitän agierte, durfte sich ebenfalls von Anpfiff weg beweisen. Im Sturm bekam Pierre-Michel Lasogga nach seinem Hattrick im Spiel gegen Heidenheim die Chance, seine Qualitäten von Beginn an zu zeigen. „Wir haben einen guten Kader, in dem jeder Spieler die Ambition hat zu spielen. Wir wollen an unserem Plan festhalten und während dieser doch kräftezehrenden Wochen genau hinschauen, welcher Spieler uns mit seinen Qualitäten situativ gegen die jeweiligen Gegner am besten weiterhelfen kann. So bekommt jeder die Einsatzzeit, die er verdient“, erklärte Titz die Rotation in seiner Mannschaft. So bekämen Spieler wie Fiete Arp, der nach seiner Einwechslung in der Partie gegen Heidenheim mit einer Torvorlage glänzte, aber gegen Dresden 90 Minuten auf der Bank saß, alsbald ihre Chance. Zudem sei laut dem Coach die Joker-Rolle ebenfalls eine gute Möglichkeit, sich zu beweisen. Dass Titz weiß wovon er spricht, stellte er an diesem Dienstagabend abermals sehenswert dar. Mit der Einwechslung des Südkoreaners Hee-chan Hwang bewies der Fußballehrer ein wahres Goldhändchen. Der Flügelflitzer kam, sah und siegte. In seinem zweiten Einsatz erzielte Hwang seinen ersten Treffer im Trikot mit der Raute – und ein so wichtiger zugleich. Auch Christoph Moritz, der sein erstes Pflichtspiel von Beginn an für die Rothosen bestritt, machte einen guten Job. Damit zeigt sich einmal mehr, dass sich der Trainer, wenn es darauf ankommt, stets auf seine Akteure verlassen kann.

Lewis Holtby ist nach seiner Fußverletzung zurück im Mannschaftstraining und wird dem HSV gegen Regensburg wieder zur Verfügung stehen.
Der Ausblick:
Der Hamburger SV holte mit diesem Erfolg den vierten Sieg im fünften Spiel. Mit zwölf Punkten sind die Rothosen nun an der Tabellenspitze angekommen. Auch hier weiß Titz, die Lage richtig einzuschätzen: „Die Tabellenführung ist ein schönes Nebenwerk. Ich freue mich für die Fans, dass wir nach den Ergebnissen der Vergangenheit jetzt mehrere Siege in Serie einfahren konnten. Aber wir als Mannschaft können einschätzen, wie hart die Siege erkämpft wurden und wie schwer die kommenden Aufgaben noch werden. Wir dürfen uns nicht ausruhen.“ Zudem sei der Mannschaft bewusst, dass es jetzt viele Gegner geben werde, die sich tief hinten reinstellen und ihnen somit das Leben schwer machen werden. Die Profis des HSV wollen nun keine Zeit verlieren. Bereits beim Auslaufen am Mittwochvormittag fiel der Startschuss auf die nächste Begegnung. Die Rothosen empfangen im Rahmen des 6. Zweitliga-Spieltags den SSV Jahn Regensburg (Sonntag, 13:30 Uhr), die wiederum nur mäßig in die Saison gestartet sind. Nachdem das Team aus der Oberpfalz das erste Spiel gegen Ingolstadt (2:1) noch gewann, blieb in den folgenden vier Partien das Erfolgserlebnis aus. Auch im Pokal verlor die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer unglücklich bei Underdog Chemie Leipzig (1:2) und schied damit früh aus. Wer den akribischen HSV-Coach kennt weiß aber, dass diese Faktoren kein Grund sind, den kommenden Gegner zu unterschätzen. Auch nach fünf Pflichtspielsiegen in Serie möchte der HSV durch Fleiß und harte Arbeit alles dafür tun, weiter auf der Siegerstraße zu fahren. Als Tabellenführer, aber mit dem nötigen Respekt, werden sie den SSV Jahn Regensburg im heimischen „Wohnzimmer“ willkommen heißen.
Die Zusammenfassung des Spiels und die kompletten 90 Minuten als Re-Live seht ihr bei HSVtv!
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