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16.09.2026
Ole Gerlach: Zwischen Sprint und sozialem Engagement
Ein Jahr lang versuchte der 20-Jährige seine ambitionierte Leichtathletik mit seinem Arbeitsalltag im FSJ beim HSV zu verbinden und sammelte dabei nicht nur berufliche Erfahrungen, sondern entwickelte sich auch persönlich weiter.
Auf der Laufbahn geht es für Ole Gerlach um Hundertstelsekunden. Abseits davon wartete im vergangenen Jahr ein ganz anderer Alltag auf den 20-Jährigen: Büroarbeit, Sportkurse und inklusive Projekte. Von August 2025 bis Ende Juli 2026 absolvierte der gebürtige Hamburger sein Freiwilliges Soziales Jahr beim HSV – und wollte dabei zwei Dinge miteinander verbinden, die auf den ersten Blick nicht selbstverständlich zusammenpassen: Leistungssport und Berufsalltag.
„Ich wollte die Leichtathletik mit meinem Beruf verbinden und gleichzeitig ins Berufsleben reinkommen“, erzählt Gerlach, der seit Anfang 2025 für die HSV-Leichtathletik antritt. Der Plan klang einfach, die Umsetzung war es nicht immer. Denn neben seiner 39-Stunden-Woche standen mehr als zwölf Stunden Training pro Woche, Wettkämpfe und teilweise morgendliche Einheiten auf dem Programm. Trotzdem bot ihm das FSJ die Möglichkeit, seinen Sport weiter auf hohem Niveau zu betreiben und gleichzeitig neue Erfahrungen abseits der Laufbahn zu sammeln.
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Ole Gerlach leitete in seinem FSJ viele Inklusionsprojekte der BG Baskets.
INKLUSION, DIE BEWEGT
Morgens im Büro, später in der Sporthalle und dann noch Training – einen typischen Arbeitstag gab es für Gerlach kaum. Neben organisatorischen Aufgaben auf der Geschäftsstelle des HSV e.V. gehörten vor allem Projekte mit den BG Baskets Hamburg und ein einstündiger Sportkurs für Schüler der Grundschule Alter Teichweg zu seinem festen Aufgabenbereich.
Besonders die inklusiven Projekte mit den BG Baskets sind dem Hamburger dabei in Erinnerung geblieben. Gemeinsam mit den Kindern ging es darum, das Leben mit einem Rollstuhl kennenzulernen – von alltäglichen Barrieren bis hin zu den Möglichkeiten im Sport. Die Botschaft: Ein Rollstuhl ist nicht nur ein Hilfsmittel, sondern kann auch den Zugang zu Sport ermöglichen.
Auch die Sportkurse für Grundschulkinder gehörten zu seinem festen Aufgabenbereich. Besonders die Arbeit mit den Kindern hat ihm Spaß gemacht. „Kinder sehen die Welt ganz anders“, sagt er. Und genau das habe auch ihn selbst geprägt.
Für Gerlach blieb das nicht ohne Wirkung. „Wenn ich jetzt irgendwo unterwegs bin, achte ich immer ein bisschen darauf, ob es dort barrierefrei ist und ob Rollstuhlfahrer problemlos zurechtkommen. Man macht es gar nicht aktiv, aber man tut es irgendwie automatisch“, sagt er. Sein Blick auf die eigene Umgebung hat sich dadurch verändert.
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Bei der U20-DM 2025 wurde Gerlach (l.) mit der Staffel Deutscher Meister. (Foto: KJ Peters)
AUS DER KONFORTZONE HERAUS
Nicht nur sein Blick auf Inklusion hat sich verändert, auch der 20-Jährige selbst. Vor einer Klasse mit 30 Kindern zu stehen, Verantwortung zu übernehmen und vor anderen zu sprechen, war für ihn zunächst ungewohnt. „Das hat am Anfang schon ein wenig Überwindung gekostet“, so Gerlach. Durch das FSJ sei er aber deutlich selbstbewusster geworden und habe gelernt, seine Komfortzone zu verlassen.
Auch sportlich hat sich der Leichtathlet weiterentwickelt. Im Sommer 2025 wurde der Hamburger mit der HSV-Staffel Deutscher U20-Meister über 4x100 Meter, bei den U20-Hallenmeisterschaften gewann er zuvor im Einzel bereits Bronze über 200 Meter. Sein langfristiges Ziel ist aber deutlich größer: „Ich möchte einmal in den Bundeskader kommen und Deutschland repräsentieren.“ Europameisterschaft, Weltmeisterschaft oder sogar Olympische Spiele – davon träumt der junge Sprinter.
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Gerlach bleibt dem HSV nach seinem FSJ noch in der Leichtathletik erhalten. (Foto: Witters)
EIN JAHR, DAS BLEIBT
Die Verbindung von Leistungssport und einer vollen Arbeitswoche war dabei eine Herausforderung. Nicht jede Trainingseinheit ließ sich problemlos mit dem Arbeitsalltag vereinbaren. Umso mehr zeigt sein Abschied Ende Juli, wie viel ihm das Jahr beim HSV bedeutet hat. „Ich fand es sehr schade zu gehen und habe mich eigentlich gar nicht auf das Ende gefreut“, sagt Gerlach. Vor allem die Menschen, die er während seines FSJ kennenlernen durfte, werden ihm in Erinnerung bleiben.
Für den Leichtathleten geht es nun direkt weiter: Im Oktober beginnt der Sprinter mit seinem Studium in Sozialer Arbeit, parallel läuft seine Bewerbung bei der Polizei. Und natürlich bleibt die Laufbahn ein wichtiger Teil seines Lebens.
Sein FSJ fasst Gerlach schließlich mit drei Worten zusammen: „Anstrengend, vielfältig und spannende Projekte.“ Vor allem aber hat ihm das Jahr gezeigt, wie viel man gewinnen kann, wenn man sich auf Neues einlässt.
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