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Achtung! Gleich der erste Satz dieses Textes ist eigentlich kostenpflichtig; fieser Fußballsprech, der das Phrasenschwein quieken und klingeln lässt. Doch wir können nicht anders, wir müssen ihn hier aufschreiben. Er lautet: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze! – Kat-sching!
Im Kern heißt das: Erwarte das Unerwartete! Liga-Zugehörigkeit, Budget und Marktwerte, Leistungsvermögen – an 99 von 100 Tagen besiegt der große Goliath den kleinen David. Doch vielleicht ist ja jetzt gerade dieser eine, dieser besondere Tag, an dem der Underdog den Favoriten vors Schienbein tritt, ihn ins Straucheln und vielleicht sogar zu Fall bringt, das Spiel, von dem man sich noch Jahre später geredet werden wird. Der Modus dieses wunderbaren Wettbewerbs begünstigt das: Entscheidung auf jeden Fall. Ob nach 90 oder 120 Minuten oder Elfmeterschießen. Kein halber Kram. Alles oder nichts. „#GEWINNERBLEIBT“.
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Doppelte-Duelle mit Eintracht und Union
Ein weiteres, allerdings nicht ganz so häufig zur Anwendung kommendes Pokal-Gesetz: Anders als die mit allerlei Daten, Ausschlusskriterien und ausgetüftelten Algorithmen gefütterten Computerprogramme der Liga-Spielplaner agiert die Losfee ohne jegliche Konzessionen. Aktuell beispielsweise haben der 2014er-Weltmeister und heutige ARD-Experte Bastian Schweinsteiger und die ehemalige Schweizer Nationalspielerin und heutige Sky-Expertin Rachel Rinast dem HSV so gleich zwei spannende Doppel-Dates beschert. Die Männer treffen am 27. Oktober (Anstoß: 18.00 Uhr, ab 17.45 Uhr live im HSVnetradio) in der 2. Pokal-Runde zu Hause auf Eintracht Frankfurt. Und nur fünf Tage bzw. keine 120 Stunden später, am 1. November (17.30 Uhr), spielen beide Teams dann schon wieder gegeneinander. Diesmal am Main und um Bundesliga-Punkte. Merlin Polzin witzelte nach der Auslosung in Richtung seines Kollegen: „Vielleicht sprechen wir gleich mal mit Adi Hütter, ob wir im Anschluss gemeinsam nach Frankfurt reisen.“
Die Frauen müssen für ihren „Doubleheader“ nicht reisen. Sie empfangen den 1. FC Union Berlin zweimal direkt hintereinander im Volkspark – nach dem spektakulären 4:4-Remis am gestrigen Sonntag (25. Oktober) in der Bundesliga, dann sechs Tage später, am 31. Oktober (13.00 Uhr), zum Achtelfinal-Tanz im Pokal (Jetzt Tickets sichern!).
HSV-Déjà-vus: Pokal- und Bundesliga-Duelle im Doppelpack
| Datum | Zeit bis zum Wiedersehen | Gegner | Wettbewerb | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Fr., 02.04.1971 Mi., 07.04.1971 | 5 Tage (ca. 118 Stunden) | 1. FC Köln | Bundesliga, 27. Spieltag DFB-Pokal, Viertelfinale | 2:0 H 0:2 A |
| Do., 11.04.1974 Sa., 20.04.1974 | 9 Tage (ca. 210 Stunden) | Kickers Offenbach | DFB-Pokal, Halbfinale Bundesliga, 30. Spieltag | 1:0 H 0:0 H |
| Sa., 29.08.1987 Di., 01.09.1987 | 3 Tage (ca. 73 Stunden) | FC 08 Homburg | DFB-Pokal, 1. Runde Bundesliga, 6. Spieltag | 3:0 H 2:0 A |
| Fr., 11.09.1992 Fr., 18.09.1992 | 7 Tage (ca. 166 Stunden) | Karlsruher SC | DFB-Pokal, 2. Runde Bundesliga, 7. Spieltag | 2:4 A 1:2 H |
| So., 24.10.1993 Mi., 27.10.1993 | 3 Tage (ca. 72 Stunden) | SV Werder Bremen | Bundesliga, 13. Spieltag DFB-Pokal, Achtelfinale | 2:0 A 2:4 A |
| Di., 03.12.2002 So., 08.12.2002 | 5 Tage (ca. 116 Stunden) | VfL Bochum | DFB-Pokal, Achtelfinale Bundesliga, 16. Spieltag | 0:1 H 1:1 H |
| Sa., 26.10.2019 Di., 29.10.2019 | 3 Tage (ca. 76 Stunden) | VfB Stuttgart | 2. Bundesliga, 11. Spieltag DFB-Pokal, 2. Runde | 6:2 H 1:2 n.V. H |
| Di., 27.10.2026 So., 01.11.2026 | 5 Tage (ca. 117 Stunden) | Eintracht Frankfurt | DFB-Pokal, 2. Runde Bundesliga, 8. Spieltag | ? ? |
| Quelle: Broder-Jürgen Trede |
Sieben HSV-Doppler: ein Doppel-Sieg, fünfmal das Pokal-Aus
Ein HSV-Pokalspiel unmittelbar vor bzw. direkt nach einem Punktspiel gegen denselben Gegner – in der langen, bis ins Jahr 1935 zurückreichenden Historie des Männer-Cups, der aktuell zum 84. Mal ausgespielt wird, hat es diese besondere Konstellation zuvor siebenmal gegeben. Dreimal traf der HSV seinen Kontrahenten dabei schon nach drei Tagen und einem kurzen Päuschen von nur rund 72 Stunden wieder.
Es waren Wiedersehen, die nicht immer Freude machten. Die Bilanz aus HSV-Sicht ist zwar ausgeglichen, aber dennoch stark ausbaufähig: 14 Spiele mit je sechs Siegen und Niederlagen und zwei Unentschieden stehen zu Buche. Einmal (1987 gegen Homburg) wurden beide Partien gewonnen, einmal (1992 gegen den KSC) gab es zwei Pleiten. Drei Vergleiche endeten mit jeweils einem HSV-Sieg und einer -Niederlage, und jeweils einmal gab es einen Sieg + Remis bzw. eine Niederlage kombiniert mit einer Punkteteilung. Der Haken an der Nummer: Bei fünf dieser sieben Doppel-Treffen flog der HSV aus dem Pokal, zuletzt viermal in Serie. Die spektakuläre jüngste Auflage von vor sieben Jahren ist manchem dabei sicherlich noch gut im Gedächtnis: In Spiel 1 fegte der HSV im Zweiliga-Spitzenspiel Stuttgart furios mit 6:2 aus dem Volkspark. Auf der anschließenden Pressekonferenz konterte der damalige VfB-Coach Tim Walter die Kritik an seinem „Harakiri-Fußball“ trotzig und legte in einer unnachahmlichen Mischung aus Paulchen Panther und Arnold Schwarzenegger („Heute ist nicht aller Tage. I‘ll be back, keine Frage“) kämpferisch den Fokus auf das „Revanche-Narrativ“. Mit Erfolg: Drei Tage später in Spiel 2 im Pokal triumphierten die Süddeutschen mit 2:1 nach Verlängerung.
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Frankfurt: Jubel und Schrecken
In Sachen Pokal war der Trend bei den speziellen Doppel-Duellen zuletzt also wahrlich nicht der „Friend“ des HSV. Höchst gemischte Gefühle löst zudem auch das Stichwort „Frankfurt“ aus. Einerseits steht es für absolute HSV-Höhepunkte in diesem Wettbewerb, nämlich einen der drei Titelgewinne (Finale 1976: 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern im Glutofen des Waldstadions) sowie das größte Schützenfest (3. Runde 1980: 11:0 gegen Rot-Weiß Frankfurt, als die Anzeigetafel im Volkspark zu klein war). Andererseits kann man die schwarz-roten Adlerträger getrost als „Pokal-Schreck“ des HSV bezeichnen. Alle drei bisherigen Duelle gingen verloren: 1970 das Achtelfinale auswärts mit 0:2, 1974 das Finale in Düsseldorf mit 1:3 nach Verlängerung und 2010 das Zweitrunden-Duell am Main mit 2:5. Kurios: Besagtes Duell fand auf den Tag genau vor 16 Jahren, also am 27. Oktober statt, damals feierte beim HSV ein gewisser Heung-min Son sein Profi- und HSV-Debüt.
Reformbedarf
Ob die Bilanz aus den aktuellen Dopplern des Jahres 2026 positiv oder negativ ausfällt, entscheidet sich bei Männern wie Frauen des HSV am bzw. kurz nach dem 31. Oktober. „Halloween“, also wieder was zum Gruseln? Oder „Reform(ations)tag“, also Erneuerung und Verbesserung? Womit wir wieder am Anfang wären, beim Pokal und seinen speziellen Gesetzen. Das Schöne ist ja: sie sind „eigen“ und müssen insofern keine in Stein gemeißelten Gesetzmäßigkeiten sein …
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