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08.11.2026
Ein ganzes Stadion schießt zusammen
Der 3:1-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach war auch Ausdruck der Verbindung zwischen der Mannschaft und den HSV-Fans. Seit dem Flutlicht-Freitag ist ein Wort wie ein Ohrwurm in den Köpfen hängen geblieben.
Lang gezogene Rufe von den Tribünen hallten beim Hamburger SV schon öfter durch das weite Rund. Man erinnere sich nur an die Herren Guy Demel und Medhi Mahdavikia. Seit vergangenem Freitag (6. November) steckt ein neues Wort wie ein Ohrwurm in den Köpfen der HSV-Fans fest. Während der 90 Minuten beim 3:1-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach wurden die 57.000 Anhänger im ausverkauften Volksparkstadion nicht müde, dieses Wort immer und immer wieder zu rufen. Schieß! Sobald die Spieler mit der Raute auf der Brust auch nur ansatzweise in Schussposition kamen, ging es los: Schieß! Völlig egal, wie weit sie noch vom Tor entfernt waren.
Vor dem Spiel hatte HSV-Cheftrainer Merlin Polzin die Einheit aus Mannschaft und den Supportern angesprochen. „Jeder im Stadion kann sich darauf verlassen, dass die Jungs alles raushauen werden. Genauso können wir uns aber auch darauf verlassen, dass jede Tribüne für uns da sein wird“, hatte der 35-Jährige gesagt. Unter den HSV-Fans ist „Gemeinsam gegen alle!“ ein gern verwendeter Slogan, längst hat er sich auch in die Mannschaft getragen. Stadionsprecher Christian „Stübi“ Stübinger war es, der die enge Verbindung noch einmal aufgriff, bevor das Spiel angepfiffen wurde. „Heute Abend sind wir keine Zuschauer. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir alle zusammen das Spiel entscheiden werden“, hatte er ins Mikrofon gebrüllt und die Menge angeheizt.
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Nun wirkte es am Freitagabend im Volkspark tatsächlich so, als hätten die Fans die Tore mitgeschossen. Sie hatten sie im wahrsten Sinne des Wortes herbeigeschrien. Schieß! Zum ersten Mal wurde es in der 11. Minute laut, als Miro Muheim nach Zuspiel von Albert Sambi Lokonga 30 Meter halblinks vor dem Tor stand. Die Fans riefen ihm zu, dass er schießen solle. Muheim hörte genau hin und leistete Folge. Der Schweizer hämmerte den Ball mit seiner linken Klebe mit unglaublichen 129 Kilometern pro Stunde in die rechte Seite – es war der schnellste gemessene Torschuss der bisherigen Bundesliga-Saison. Zuvor auswärts bei der TSG Hoffenheim und daheim gegen den VfB Stuttgart hatte Muheim bereits in ähnlicher Manier getroffen.
Polzin erklärte später nach dem Abpfiff, dass ein Teil des Matchplans war, das Stadion und die Energie von Beginn an mitzunehmen. Die Rechnung ist leicht: Im Siebenundfünfzigtausend-gegen-elf dürften die Siegchancen höher als im Elf-gegen-elf sein. Nach Muheims Treffer war der Volkspark derart angezündet, dass auch der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich durch Joe Scally in der 44. Minute der Stimmung keinen Abbruch tat. Denn die Rothosen hatten sich bis zum Pausenpfiff eine Chance nach der anderen erarbeitet und den Eindruck hinterlassen, einen Sieg einfahren zu können. Der zweite Durchgang hätte dann mit der Gelb-Roten Karte für Ko Itakura in der 49. Minute kaum besser starten können für den HSV.
Ein anderer Satz von Polzin vor dem Spiel lautete: „Wir wissen, was wir im Volkspark zu leisten imstande sind.“ Die zweite Hälfte lieferte den Beleg für diese Aussage, weil sich die Rothosen für ihren intensiven Einsatz belohnten. Zunächst drückte Eigengewächs Shafiq Nandja bei seinem Bundesliga-Debüttor den Ball aus kurzer Distanz zur 2:1-Führung für die Rothosen über die Linie (60.). Anschließend sorgte Albert Grönbaek zehn Minuten später mit dem nächsten Traumtor an diesem Abend für die vorzeitige Entscheidung. Der Däne hatte 27 Meter vor dem Tor freie Schussbahn. „Schieß!“, schrien alle im Stadion. Grönbaek hörte die Aufforderung und drückte ab. Mit 113 km/h schlug der Ball im Netz ein, danach gab es auf den Tribünen kein Halten mehr.
Dieser Flutlicht-Freitag hatte einen speziellen Abend für den HSV bereitgehalten. Schon beim Singen der Hymne vor dem Spielbeginn, als der Volkspark in Blau erstrahlte, hatte es sich angedeutet. Es ist einfach kein Ort wie jeder andere, zudem holen die Rothosen die meisten ihrer Punkte zu Hause – ganze 75 Prozent. Die Bilanz mit drei Siegen und einer Niederlage aus vier Bundesliga-Heimspielen kann sich sehen lassen und überbietet aktuell die Quote aus der gesamten vergangenen Saison, als rund 63 Prozent der Zähler im eigenen Wohnzimmer eingefahren wurden. Gegen Gladbach beendete der HSV auch die Niederlagenserie von drei Pflichtspielen. „Wir finden immer besser als Team zusammen. Es braucht seine Zeit, um eine gute Verbindung zueinander aufzubauen. Das ist nach wenigen Wochen unmöglich. Mittlerweile wissen wir mehr und mehr, was zu tun ist und welche Neigungen jeder Spieler hat“, erklärte Torschütze Grönbaek und sprach zugleich von einer „unglaublichen Mannschaftsleistung“. Und wie wir etwa von Polzin erfahren haben, waren an diesem Freitagabend die Zuschauer ein Teil des Ganzen. Schieß!
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