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25.09.2026
Jule Baum: Von Traktoren am Trainingsplatz in die Bundesliga
Die 26-Jährige wagte im vergangenen Sommer den Schritt aus dem beschaulichen baden-württembergischen Sand zum HSV. Im Interview spricht die Keeperin über den „krassen Tapetenwechsel“, ihre Anfänge im Fußball und das Pokalspiel in Meppen am Sonnabend.
HSV.de: Jule, du hast mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos beim SC Freiburg fast deine gesamte Karriere beim SC Sand verbracht. Was hat dich dazu bewogen, nach so vielen Jahren eine neue Herausforderung zu suchen und zum HSV zu wechseln?
Jule Baum: Ich hatte eine supertolle Zeit in Sand. Wir waren auch recht erfolgreich und haben bis zum Schluss um den Aufstieg gespielt. Wir wollten das unbedingt erreichen, aber in den letzten drei, vier Spielen auf der Zielgeraden lief es nicht mehr so gut. Wir haben verloren und den Aufstieg ganz knapp verpasst. Ich wollte unbedingt in der ersten Liga spielen. Deshalb habe ich gesagt: Jetzt etwas Neues machen, ein Stück weit raus aus der Komfortzone und meinem Ziel näherkommen.
Sand hat rund 2.000 Einwohner, Hamburg fast zwei Millionen. Wie groß war die Umstellung für dich?
Das ist ein krasser Tapetenwechsel aus einem kleinen Dorf in so eine große Stadt. Am Anfang war alles ein bisschen beeindruckend und einfach viel größer: die Stadt, die vielen Menschen. Und die Wohnungssuche hier ist auch nicht so einfach, das habe ich gemerkt. (lacht) Aber an sich habe ich mich richtig schnell eingelebt, auch in der Mannschaft. Die anderen haben es mir sehr leicht gemacht. Jetzt habe ich auch eine Wohnung gefunden und fühle mich wohl. Meine Wohnung ist nicht komplett im Zentrum, sondern eher ein bisschen außerhalb, im Grünen. Ich mag die Ruhe schon und brauche das auch für mich. Eine gute Mischung ist einfach schön.
Beim SC Sand hast du neben dem Fußball noch gearbeitet. Wie hast du diesen Spagat über die Jahre gemeistert?
Ich habe neben dem Fußball fast 30 Stunden als Sozialversicherungsfachangestellte gearbeitet. Ich bin morgens um 5.30 Uhr aufgestanden und habe erst gearbeitet, bevor ich gegen 8 Uhr zum Training los bin. Wenn wir zwei Einheiten am Tag hatten, habe ich zwischendrin noch gearbeitet und nach dem Training teilweise auch noch einmal. Mein Tag war immer komplett durchgetaktet. Das war anstrengend. Teilweise war es schwierig, sich voll auf den Fußball zu fokussieren. Ich konnte zum Beispiel kein Individualtraining machen, wenn ich gearbeitet habe. Auf der anderen Seite es mich das auch weitergebracht. Ich musste lernen, Dinge zu organisieren und sehr strukturiert zu sein. Jetzt bin ich froh, dass ich einfach nur Fußball spielen kann.
Fehlt dir jetzt, wo du komplett auf Fußball setzt, der Ausgleich für den Kopf?
Ich bin ein Mensch, der Abwechslung braucht und auch gerne etwas für den Kopf macht. Auf der einen Seite war die Arbeit natürlich viel Belastung, aber auf der anderen Seite hat sie mir auch gutgetan. Um einfach mal rauszukommen, etwas für den Kopf zu machen und einen Ausgleich zum Sport zu haben. Das merke ich ein bisschen, weshalb ich auch überlege, zum Beispiel nebenbei noch einmal zu studieren.
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Wie hast du die ersten Wochen und Monate beim HSV erlebt? Was war für dich neu oder vielleicht auch ungewohnt?
Es war eine große Umstellung. Am meisten habe ich es anfangs im Kraftbereich gemerkt. In Sand hatte ich vielleicht zweimal pro Woche Krafttraining. Jetzt haben wir eigentlich fast jeden Tag Krafttraining, immer vor oder nach dem Training. Das habe ich gerade in den ersten Wochen richtig gemerkt. Ich habe es an meinem ganzen Körper gespürt. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt und merke auch, dass ich fitter werde. Ich bin auch etwas breiter geworden, aber als Torhüterin ist das auch ganz gut. (lacht) Fußballerisch merke ich den Unterschied auch. Es macht einfach Spaß, mit der Mannschaft zu zocken und auf dem Platz zu stehen.
Wie waren die Bedingungen in Sand im Vergleich dazu?
Es ist dort alles sehr familiär. Wir hatten einen Rasenplatz, auf dem wir trainiert und gespielt haben, und noch einen Kunstrasenplatz. Auf dem waren wir meistens bei schlechtem Wetter oder im Winter, weil wir nur dort Flutlicht hatten. Während des Trainings sind gerne mal die Traktoren am Feld vorbeigefahren. (lacht) Da sind wir hier in Hamburg natürlich ganz anders aufgestellt.
Gehen wir noch einmal ganz an den Anfang: Wie bist du überhaupt zum Fußball gekommen?
Meine ganze Familie ist fußballverrückt. Mein Papa war jahrelang Trainer und mein Bruder spielt auch Fußball. Angefangen hat es eigentlich damit, dass mein Bruder mit seinen Kumpels im Hof gekickt hat. Ich war noch sehr klein und sie haben einen Torwart gebraucht. Dann haben sie mich einfach ins Tor gestellt und mich da schon ordentlich abgeschossen. Das hat mir wohl sehr viel Spaß gemacht. (lacht) In der Jugend habe ich dann erst bei den Jungs gespielt, allerdings im Feld, in der Abwehr. Mein Papa hat dann in meinem Heimatverein eine Frauenmannschaft gegründet. Da war ich D-Juniorin und habe ab da bei den Frauen gespielt. Auch heute trainieren mein Bruder und ich ab und zu noch zusammen – ich gehe dann ins Tor, wenn er Freistöße übt. Bisher habe ich mehr gehalten, als er getroffen hat. (schmunzelt)
Und wann kam der Wechsel ins Tor?
Das war bei einem irgendeinem Turnier, bei dem unser eigentlicher Torwart nicht konnte. Mein Papa hat mich dann einfach zwischen die Pfosten gestellt.
Was fasziniert dich am Torwartspiel?
Eine Mannschaft ist ein großes Team, aber als Torwart ist man trotzdem ein bisschen für sich. Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Ich glaube, dass man ein bisschen verrückt im Kopf sein muss, wenn man sich freiwillig so in die Bälle reinschmeißt. Aber davor hatte ich nie Angst.
Wie würdest du deinen Spielstil heute beschreiben?
Ich bin jemand, der gern hinten herausspielt und mutig in seinen Aktionen ist. Neben dem Platz bin ich eher ruhig, aber auf dem Platz kann ich lauter werden und Kommandos geben.
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Mit dir, Kinga Szemik und Clementine Engel sind drei Keeperinnen neu im Team. Auch Torwarttrainer Philipp Meister kam im vergangenen Sommer zum HSV. Wie habt ihr euch als Gruppe gefunden?
Relativ schnell. Wir sind alle offene Menschen und gehen aufeinander zu. Das hat total schnell harmoniert. Da gab es gar keine Probleme. Auch im Training verstehen wir uns gut und es macht Spaß. Wir pushen uns gegenseitig und das bringt uns alle weiter.
Wie gehst du mit dem Konkurrenzkampf um?
Natürlich will ich unbedingt spielen. Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Wenn man viel trainiert, will man auch spielen, klar. Aber man braucht Geduld. Man muss warten, bis man die Chance bekommt, sich zeigen zu können.
Dein Moment kommt nun am Sonnabend, wenn die HSV-Frauen in der 1. Runde im DFB-Pokal beim SV Meppen zu Gast sind. Wie groß ist die Vorfreude auf dein erstes HSV-Pflichtspiel?
Richtig groß! Ich freue mich total darauf, im Tor zu stehen. Ein Pokalspiel ist etwas Besonderes. Und Meppen ist ein Gegner, den ich aus der zweiten Liga gut kenne. Ich glaube, dass es ein ekliges Spiel wird. Aber ich freue mich einfach richtig darauf, zu spielen.
Im Pokal kann es bekanntlich ins Elfmeterschießen gehen. Wie stehst du zu dieser Disziplin?
Ich finde Elfmeterschießen cool. Es ist ein besonderes Gefühl, der eigenen Mannschaft den Sieg holen zu können. Wir haben es im Training geübt und da lief es ganz gut für mich. Darüber hinaus schauen wir uns die Schützinnen an und analysieren, in welche Ecke sie schießen. Letzten Endes ist es aber auch ein Gefühl, wenn man im Tor steht und sich für eine Ecke entscheidet. Aber: Natürlich es mir lieber, wenn wir das Ding nach 90 Minuten für uns entscheiden können.
Wie schätzt du Meppen als Gegner ein?
Ich glaube, dass es ein richtiger Pokal-Fight wird. Es ist immer eklig, in Meppen zu spielen. Es ist sehr intensiv und sehr körperbetont. Da geht es ordentlich in die Zweikämpfe. Zudem ist es laut. Die Atmosphäre dort ist cool.
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