
07.09.2026
Nackenschlag statt Beinbruch
Am Tag nach dem deutlichen 0:5 gegen Mainz gab es bei den Rothosen einiges aufzuarbeiten. Doch bei aller Enttäuschung über den misslungenen Ligastart überwiegt die Überzeugung, dass sich die neu formierte Mannschaft finden wird. Dabei sollen auch die positiven Erfahrungswerte aus der Vergangenheit helfen.
Dass die neue Bundesliga-Saison noch in den Kinderschuhen steckt und es zu Beginn mitunter an der einen oder anderen Stelle hakt, zeigt sich allein schon beim Blick auf die Tabelle nach dem 2. Spieltag. Der amtierende Meister FC Bayern München ist Sechster, der FC Augsburg steht an der Spitze, Aufsteiger SV Elversberg würde sich Stand jetzt als Vierter für die Champions League qualifizieren, Europa-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim belegt den Relegationsrang und ja, der Hamburger SV ist Letzter. Nach der 0:2-Niederlage zum Bundesliga-Auftakt bei Borussia Dortmund und der 0:5-Pleite gegen den 1. FSV Mainz 05 im Volksparkstadion am gestrigen Sonntag (6. September) lässt sich festhalten, dass der Saisonstart misslungen ist. Was jetzt hilft? Weitermachen, es besser machen. HSV-Cheftrainer Merlin Polzin richtete mit einer für Hamburger typischen Nüchternheit den Blick zügig nach vorn. Auf der Pressekonferenz nach dem Abpfiff gegen Mainz beschränkte der 35-Jährige seine Zusammenfassung des Spiels auf knapp 40 Sekunden.
Polzin sprach von einem „maximal beschissenen Nachmittag für uns“. Die Hamburger hatten sich ihr erstes Heimspiel in der neuen Bundesliga-Saison selbstredend ganz anders vorgestellt. Dabei hatten die Rahmenbedingungen eigentlich gepasst: Mit 57.000 Zuschauern war das Stadion wie gewohnt ausverkauft, das Wetter spielte mit und die Mega-Choreo für Kevin Keegan vor dem Anpfiff, die sich über die gesamte Nordtribüne streckte, sorgte für einen ersten Gänsehaut-Moment. Weitere blieben aus. „Es geht weniger darum, etwas schönzureden oder Erklärungen aus der Emotion heraus zu finden. Das werden wir in der Analyse mit der Mannschaft und dem Trainerteam in Ruhe tun, um möglichst schnell ein anderes Gesicht zu zeigen“, betonte Cheftrainer Polzin. Kapitän Nicolai Remberg ahnte in der Mixed Zone bereits, dass diese Analyse am heutigen Montag „lange dauern“ und keinen Spaß bringen werde. „Es gibt einige Themen, die wir ansprechen und verbessern müssen“, bestätigte Torhüter Daniel Heuer Fernandes, der mit dem HSV in den vergangenen sieben Jahre schon ganz andere Rückschläge weggesteckt hat. Die Protagonisten sind sich einig, dass diese Partie sorgfältig aufgearbeitet werden muss.

Dabei vermittelten sie unabhängig voneinander ein bestimmtes Gefühl: Nur mit der Ruhe, die Erfahrungswerte sprechen doch für uns. Denn in der vergangenen Saison standen die Rothosen nach drei Spieltagen ohne Sieg und eigenen Treffer da, danach fanden sie in die Spur und erreichten am Ende souverän das Ziel Klassenerhalt. Polzin spricht gern von „HSV 2.0“, wenn er den nächsten Entwicklungsschritt nach der zurückliegenden Saison thematisiert. Nun wurden in diesem Sommer acht Spieler neu geholt, zwei weitere wurden fest verpflichtet. Von ihnen standen sieben gegen Mainz in der Startelf, zwei kamen von der Bank. Mit Patson Daka, Bilal Nadir, Daniel Möller Wolfe und Zakaria El Ouahdi erhielten davon vier ihr Startelfdebüt-Patch der Bundesliga. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich eine neu geformte Mannschaft an der einen oder anderen Stelle noch finden muss. „Wir sind am Anfang der Saison und werden noch in unsere Abläufe kommen, dann werden wir auch wieder ein besseres Gesicht zeigen“, ist sich Heuer Fernandes sicher. „Wir werden uns einspielen und eingrooven müssen. Dann sind wir da, da bin ich mir sicher“, schlug Remberg in eine ähnliche Kerbe. Der Kapitän ordnete die Niederlage gegen Mainz einfach und plakativ ein: „0:5 ist ein Nackenschlag, aber kein Beinbruch.“
Und diesen galt es am heutigen Montag gründlich aufzuarbeiten, ehe das Spielersatztraining und die Regeneration im Vordergrund standen. Am morgigen Dienstag ermöglicht ein trainingsfreier Tag die körperlichen und mentalen Akkus wieder aufzuladen, bevor dann spätestens am Mittwoch (9. August) mit dem Start in die Trainingswoche vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig der Blick wieder voll nach vorn geht. Ab 11 Uhr bittet Headcoach Polzin seine Schützlinge dann aufs Grün, wo nur mit Demut und harter Arbeit die nächsten Entwicklungsschritte erfolgen können. Denn die neue Bundesliga-Saison steckt bekanntlich noch in den Kinderschuhen.
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