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07.10.2026
Sehnsuchtsort Hawaii: HSV-Triathlet Bernd Gruttke startet bei Ironman-WM
Am kommenden Sonnabend (10. Oktober) erfüllt sich Bernd Gruttke einen Triathlon-Traum: Der 55-Jährige startet bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii – als erst zweiter HSV-Triathlet überhaupt.
Hawaii war für Bernd Gruttke schon ein Thema, bevor er überhaupt Triathlet wurde. Als Jugendlicher saß er in den 1980er-Jahren vor dem Fernseher und sah kurze Ausschnitte des Ironmans* in der Sport-Reportage im ZDF. „Ich habe damals mit weit aufgerissenem Mund vor dem Fernseher gesessen und gedacht: Die sind bekloppt!“, erinnert sich der heute 55-Jährige zurück. „Und trotzdem war da dieser Gedanke: Das will ich irgendwann auch mal machen.“
Damals galt seine ganze sportliche Leidenschaft noch dem Fußball. Erst Jahre später, 2011, wechselte Gruttke zum Triathlon – und war seitdem „zu 100 Prozent verfallen“. Heute ist er nicht nur ambitionierter Ironman-Athlet, sondern auch Abteilungsleiter des HSV-Triathlons. Und am 10. Oktober schließt sich für ihn ein Kreis: Gruttke startet selbst bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
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In der Vorbereitung des Ironmans stecken für Gruttke mehrstündige Trainingseinheiten.
Ein Traum, der in Kopenhagen wahr wurde
Das Ticket dafür sicherte sich der Hamburger am 16. August beim Ironman in Kopenhagen. In 9:58 Stunden wurde Gruttke Zehnter seiner Altersklasse M55–59 und qualifizierte sich damit für die WM. „Nach dem Rennen ist mir schon ein großer Stein vom Herzen gefallen und ich war einfach nur glücklich“, sagt er.
Denn eigentlich war dieses Jahr alles auf den Ironman in Hamburg Anfang Juni ausgelegt. Doch wie bei vielen weiteren Athlet:innen beendeten Metallsplitter auf der Fahrbahn das Rennen für den HSVer vorzeitig. So durfte Gruttke als Ersatz in Kopenhagen an den Start gehen – und dieses Rennen wurde zum größten Erfolg seiner bisherigen Triathlon-Laufbahn. Bereits 2017 hatte der Familienvater beim Ironman Hamburg erstmals die Langdistanz absolviert, nun geht es erstmals nach Hawaii.
„Ich habe diesen Traum schon seit langem. Dass er jetzt tatsächlich Realität wird, ist schon unglaublich“, sagt Gruttke. Für die Qualifikation hat er in diesem Jahr viel investiert: sechs Tage pro Woche Training, oft über mehrere Stunden am Stück, insgesamt rund 20 Stunden pro Woche. Und das zusätzlich zu seinem Beruf als Orthopädietechniker und dem Familienleben mit seiner Frau Katrin sowie den zwei gemeinsamen Töchtern.
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Grutkke im Heim-Training für das Radfahren.
Ein ganz besonderer Start steht bevor
Triathlon bedeutet für Gruttke deshalb weit mehr als Schwimmen, Radfahren und Laufen. Es geht um die Auseinandersetzung mit sich selbst, um Höhen und Tiefen und darum, die eigenen körperlichen und mentalen Grenzen auszuloten.
„Beim Ironman kämpfst du letztlich auch immer mit dir selbst. Du musst eine gute Einstellung haben und dich immer wieder motivieren“, beschreibt er den Reiz der Langdistanz. Gleichzeitig fasziniert ihn, wie der eigene Körper und die Psyche eine solche Belastung bewältigen können.
Auf Hawaii kommt nun alles zusammen. Mehr als 2.000 Athlet:innen aus der ganzen Welt gehen an den Start, darunter mehr als 200 aus Deutschland. In den unterschiedlichen Altersklassen kämpfen die Startenden jeweils um ihren eigenen Weltmeistertitel. „In seiner Sportart bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein und sich mit den Besten der Welt zu messen – das ist etwas ganz Besonderes.“
Dass er dabei auf derselben Strecke unterwegs sein wird wie die Stars der Ironman-Szene, macht das Erlebnis noch einmal spezieller. „Das wird schon ein kleiner Fanboy-Moment“, sagt Gruttke mit einem Lächeln im Gesicht. Die gleichen Strecken, die gleichen Orte, die Stars vor Ort – und mittendrin der HSV-Triathlet. Wenn am 10. Oktober um 7.45 Uhr der Startschuss fällt, dürfte es deshalb emotional werden: „Da werde ich wahrscheinlich ein paar Tränen in den Augen haben.“
„Ich will racen – und genießen“
Sportlich will Gruttke die WM aber nicht nur als Erlebnis mitnehmen. „Ich will gegen die anderen um den Weltmeistertitel racen“, sagt der WM-Neuling, wohlwissend, wie stark das internationale Feld ist. Sein Ziel formuliert er deshalb mit einem Augenzwinkern: „Es gibt natürlich ganz viele, die besser sind als ich. Aber ich will auch nicht Letzter werden.“
Seit einer Woche ist Gruttke nun auf Hawaii. Vor Ort standen zunächst die Akklimatisierung und dann letzte Trainingseinheiten auf dem Programm. Die tropische Hitze sowie die Winde auf der Radstrecke gehören zu den besonderen Herausforderungen. Neben der Vorbereitung blieb aber auch noch genug Zeit, um die Insel gemeinsam mit seiner Frau zu erkunden.
Am Ende soll vor allem eines bleiben: der Moment. „Was das mit mir macht, wenn ich im Rennen bin, weiß ich selbst noch nicht. Mal schauen, wie es wird.“ Am Ende geht es für ihn nicht nur darum, möglichst schnell ins Ziel zu kommen, sondern darum, einen Traum zu erleben, der ihn seit seiner Jugend begleitet. „Mich hat alles nach Hawaii gebracht. Das ist schon mega!“
Für die Triathlon-Abteilung des HSV ist Gruttkes Start ebenfalls ein besonderer Meilenstein. Seit November 2010 gibt es Triathlon beim HSV, nun steht mit dem Abteilungsleiter der zweite HSVer jemals auf der größten Bühne seines Sports – und darf einen Traum leben, der einst mit ein paar Fernsehbildern aus Hawaii begann.
*Was ist eigentlich ein Ironman?
Der Ironman ist eine der härtesten Ausdauerdisziplinen im Triathlon. Die Athlet:innen absolvieren nacheinander 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen – also einen kompletten Marathon. Entscheidend ist neben der körperlichen Fitness vor allem die richtige Einteilung von Kraft, Ernährung und Energie über viele Stunden. Die Gesamtzeit entscheidet über die Platzierung in der jeweiligen Altersklasse.
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