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01.10.2026
Thomas Doll: „Es reicht nur das Wort Kopenhagen“
Der 60-Jährige erlebte die Europapokal-Duelle des HSV mit dem FC Kopenhagen in der Saison 2005/06 als Trainer. Im Interview spricht er über die Spiele und die damit verbundenen Erlebnisse, enge Verbindungen zu Spielern und seinen bevorstehenden Besuch im Volksparkstadion.
Thomas Doll stand an der Seitenlinie, als der HSV in der Saison 2005/06 zweimal im UEFA-Cup auf den FC Kopenhagen traf. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist vor allem das Rückspiel, in dem die Rothosen dank eines von Rafael van der Vaart verwandelten Elfmeters in der zweiten Minute der Nachspielzeit spät gewannen und sich das Weiterkommen sicherten, noch fest in den Erinnerungen des Trainers verankert. Wenn die beiden Clubs das Freundschaftsspiel im Volksparkstadion am Sonntag (4. Oktober, Anpfiff: 15.30 Uhr, Tickets hier) bestreiten, wird Doll, der auf dem „Walk of Fame“ verewigt ist, vor Ort sein. Zuvor nahm er sich Zeit für ein HSV.de-Interview, in dem er über die Europapokal-Duelle mit Kopenhagen, van der Vaart und die Fanfreundschaft zwischen den Vereinen sprach.
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HSV.de: Thomas, lang ist’s her! An wie viele Details erinnerst du dich noch von den Kopenhagen-Spielen im UEFA-Cup?
Thomas Doll: Vom Hinspiel habe ich nicht mehr so viele Erinnerungen, aber das Rückspiel ist sehr präsent. Ich habe danach noch häufig mit dem einen oder anderen darüber gesprochen. Auf der Fahrt zum Spiel standen 10.000 Fans Spalier vor dem Stadion und haben gegen den Bus geklopft. Die Spieler sind aufgestanden und haben geguckt, was los ist. So etwas kannten sie nicht. In der Kabine musste ich gar nicht mehr viel sagen, weil sie so unter Strom standen. Es stand lange 0:0, was uns nicht gereicht hätte. Zu allem Übermut verschoss Sergej Barbarez einen Elfmeter, ich musste auf die Tribüne und Khalid Boulahrouz wurde vom Platz gestellt. Dann gab es kurz vor Ende diese eine Aktion, die zum Elfmeter führte, die vermutlich nicht jeder so bewertet hätte. Rafa (van der Vaart; d. Red.) verwandelte eiskalt. Für den HSV war es sportlich und wirtschaftlich ein wichtiger Sieg. Das war ein Highlight.
Obwohl es erst September war, waren es bereits eure Pflichtspiele 14 und 18.
Kopenhagen war ein Stück weit ein Abschluss einer besonderen Zeit, bevor die tolle Saison 2005/06 überhaupt so richtig losging. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon den UI-Cup gewonnen. Es waren einige schöne Dinge dabei, aber es war eine lange Reise. Wir mussten schließlich alles miteinander verbinden: die internationalen Spiele, die eigentliche Vorbereitung auf die Saison und den Bundesliga-Start. Teils sind wir von einem Trainingslager zu einer Partie im Europapokal geflogen. Oder nach dem Kopenhagen-Spiel ging es für uns nach Kaiserslautern, wo die Jungs total souverän mit 3:0 gewonnen haben, weil sie noch voller Euphorie waren. Es war eine fantastische Woche, in der die Mannschaft enger zusammengerückt ist.
Bist du eigentlich jemand, der beim Erinnern auf sein Langzeitgedächtnis vertraut oder aktiv gegen das Vergessen arbeitet?
Es reicht nur das Wort „Kopenhagen“ und ich habe wieder den Bus und die Fans vor Augen oder spüre die Dramatik. Das wird dann relativ schnell wieder präsent im Kopf. Sonst schwelge ich nicht so häufig in Erinnerungen, außer ich sitze in gemütlicher Runde zusammen und die eine oder andere Geschichte wird erzählt. Dann wird alles wieder aufgefrischt. Wir sind schließlich nicht mehr die Jüngsten. (lacht)
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Rafael van der Vaart sagte letztens, dass er für dich durchs Feuer gelaufen wäre. Was macht es mit dir, dass die Zusammenarbeit auch so viele Jahre später noch nachhallt?
Es ist großartig, dass er mir so eine Wertschätzung entgegenbringt. Er ist ein fantastischer Junge, der eine beeindruckende Karriere hingelegt und viele Länderspiele für die Niederlande bestritten hat. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen, in der er zu einem Weltklassespieler geworden ist. Er hatte einen begnadeten linken Fuß.
Wie kriegt man so eine enge Verbindung zu einem Spieler hin?
Fußballer sind sensibel. Es ist wichtig, aufzuzeigen, was gut und was nicht so gut ist. Zum Beispiel habe ich Rafa nicht nur gestreichelt, sondern war auch direkt zu ihm. Entscheidend ist aber auch, in Gesprächen vom Sportlichen wegzukommen und sich Zeit für andere Themen zu nehmen. Ich hatte das in meiner eigenen Spielerkarriere nicht und wollte es dadurch selbst ganz anders machen. Das war genau die richtige Entscheidung.
Mittlerweile sind deine ehemaligen Spieler vom HSV in den Vierzigern und Fünfzigern. Bleiben sie für dich trotzdem immer ein Stück weit „deine Jungs“?
Meine Mama ist 89 Jahre alt, ich bin 60, trotzdem bin ich ihr „Kleiner“. (schmunzelt) Ganz so tief geht es mit den Spielern nicht, aber es ein bisschen zu vergleichen mit der Verbindung zwischen Eltern und Kind. Deswegen werden sie natürlich immer meine Jungs bleiben. Alles hat sehr gut funktioniert. Die Jungs hatten Spaß, sind gerne zum Training gekommen und haben sich auf die Spiele gefreut. Wenn du dann noch gewinnst, gehst du mit breiter Brust in ein Stadion.
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Die Europapokal-Abende von 2005 sind der Ursprung für die Fanfreundschaft zwischen dem HSV und dem FC Kopenhagen, die in den vergangenen Jahren immer intensiver wurde. Wie sind deine Gedanken dazu?
Es ist natürlich eine schöne Sache, dass über die vielen Jahre eine echte Fanfreundschaft entstanden ist. Das ist außergewöhnlich. Umso mehr freue ich mich darauf, dass es am Sonntag gefeiert wird. Es geht mehr ums Beisammensein und weniger ums Ergebnis. Das ist klasse. Hamburg und Kopenhagen sind gefühlte Nachbarn. Ich bin ohnehin ein großer Fan der dänischen Mentalität. Dänen sind gewissermaßen speziell, weil sie Humor und Feuer haben. Zum Beispiel habe ich mit Thomas Gravesen und Stig Töftig zusammengespielt.
Wie sehr freust du dich auf deinen Besuch im Volkspark am Sonntag? Und wie regelmäßig bist du vor Ort?
Ich freue mich und bin gespannt, wer außer mir noch da sein wird. Ich war leider schon eine ganze Weile nicht mehr im Volksparkstadion, obwohl ich oft im Norden bin. Meine Mutter und meine Schwester wohnen in Heide. Tatsächlich hat mir Merlin Polzin vor ein paar Tagen geschrieben. Wir haben uns noch nie persönlich kennengelernt, aber wir stehen hin und wieder im Austausch und schätzen uns gegenseitig. Ich würde mich gerne mit ihm treffen und bin mir sicher, dass wir es hinkriegen werden.
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