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01.10.2026
„Unsere Verantwortung endet nicht am Spieltag“
Der HSV erweitert seine Awarenessstrukturen im Ankerplatz um ein digitales Angebot. Im Interview spricht Direktor Fans, Kultur & Nachhaltigkeit Cornelius Göbel über die Beweggründe, die Bedeutung für den HSV und den Anspruch, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen sicher und respektiert fühlen können.
HSV.de: Seit 2019 gibt es den Ankerplatz im Volksparkstadion. Wieso reicht das dem HSV nicht mehr?
Cornelius Göbel: Der Ankerplatz im Volksparkstadion richtet sich an Menschen, die am Spieltag grenzüberschreitendes Verhalten (mit-)erleben. Das ist wichtig und bleibt bestehen. Aber unsere Verantwortung darf nicht mit der Stadionöffnung beginnen und nach dem Abpfiff enden. Menschen begegnen sich bei Veranstaltungen, im Vereinssport und im Umfeld unseres Vereins. Überall, wo das passiert, können Grenzen verletzt werden. Deshalb ergänzen wir den Ankerplatz um eine digitale Anlaufstelle, die unabhängig von Ort und Zeit erreichbar ist.
Was ist mit dem digitalen Ankerplatz konkret anders?
Die Hürde, sich zu melden, sinkt. Man muss weder an einem bestimmten Ort sein noch auf den nächsten Spieltag warten. Der digitale Ankerplatz ist rund um die Uhr erreichbar, auf Wunsch auch anonym. Für uns ist das keine rein technische Erweiterung, sondern eine Haltung. Die Wahrnehmung der Menschen zählt, und sie sollen damit beim HSV nicht allein bleiben.
Wer kann sich an den Ankerplatz wenden, und muss man selbst betroffen sein?
Alle, die mit dem HSV in Berührung kommen: Fans und Mitglieder, Gäste bei Veranstaltungen außerhalb des Spieltags, Sporttreibende im Hamburger Sport-Verein e.V. und Dienstleistende in unserem Umfeld. Selbst betroffen sein muss niemand. Auch wer etwas beobachtet oder davon erfährt, kann sich melden. Verantwortung beginnt nicht erst bei der eigenen Betroffenheit. Gerade wenn andere nicht die Möglichkeit oder den Mut haben, etwas zu sagen, kann es entscheidend sein, dass jemand aufmerksam ist und handelt.
Welche Fälle gehören zum Ankerplatz, und welche nicht?
Der Ausgangspunkt ist immer eine Grenzüberschreitung. Jede Person hat eigene Grenzen, und die gilt es zu respektieren. Dazu zählen rassistische, antisemitische, sexistische, homofeindliche oder andere diskriminierende Äußerungen und Handlungen sowie sexualisierte Belästigung, Bedrohungen oder körperliche Übergriffe. Über den digitalen Ankerplatz können außerdem Gesetzes-, Compliance- und Richtlinienverstöße sowie Verletzungen von Menschenrechten und damit verbundenen Sorgfaltspflichten gemeldet werden. Eine allgemeine Beschwerdestelle ist der Ankerplatz aber nicht. Eine zu lange Wartezeit am Verpflegungsstand oder ein fehlender Mülleimer auf der Sportanlage sind keine Fälle für den Ankerplatz. Wir wollen eine Struktur schaffen, die dort ansetzt, wo persönliche Grenzen verletzt werden.
Viele zögern, sich zu melden. Was sagst du ihnen, und was passiert nach einer Meldung?
Sie dürfen ihre eigene Wahrnehmung ernst nehmen. Niemand muss beweisen, dass eine Situation „schlimm genug“ war, bevor man sie ansprechen darf. Genau dafür soll der Ankerplatz eine niedrigschwellige Möglichkeit sein. Jeder Hinweis wird vertraulich geprüft und nach den gesetzlichen Vorgaben des Hinweisgeberschutzes bearbeitet. Wer anonym meldet, kann sicher sein, dass wir nichts unternehmen, um die Identität herauszufinden. Uns ist der betroffenenorientierte Ansatz wichtig: Personen, die einen Vorfall melden, sollen möglichst viel Kontrolle darüber behalten, wie es weitergeht. Es geht nicht darum, einen Vorgang schnell abzuschließen, sondern Menschen ernst zu nehmen und verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was sie uns anvertrauen.
Was soll der digitale Ankerplatz für den HSV insgesamt bedeuten?
Ich glaube nicht, dass man ein respektvolles Miteinander verordnen kann. Aber man kann Strukturen schaffen, die zeigen, welchen Anspruch ein Verein an sich selbst hat. Wir wollen nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern Bedingungen schaffen, in denen sich Menschen sicher fühlen und Grenzen respektiert werden. Ein großer Verein wirkt weit über das Sportereignis hinaus. Menschen identifizieren sich mit ihm, bringen ihre Kinder mit, engagieren sich, arbeiten hier oder treiben bei uns Sport. Wenn wir sagen, dass der HSV ein Ort für Menschen ist, müssen wir Verantwortung für diesen Ort übernehmen und Werte im Alltag erlebbar machen. Ein Verein wie der HSV lebt von Begegnung und dem Miteinander. Die Grundlage dafür ist Vertrauen und dafür tragen wir Verantwortung, nicht nur am Spieltag.
Mehr Infos zum Ankerplatz gibt es hier.
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