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21.10.2026
Das nächste Kapitel eines Fußballmärchens
Für HSV-Leihgabe Daniel Elfadli ist ein weiterer Traum in Erfüllung gegangen: Mit dem Linzer ASK feierte der 29-Jährige gegen den FC Liverpool jüngst sein Champions-League-Debüt. HSV.de war rund um dieses besondere Spiel in Oberösterreich vor Ort und hat „Fadli“ hautnah begleitet. Eine Reportage über surreale Momente, herausfordernde Zeiten und immer wieder neu verschobene Grenzen.
Es sind die Klänge und Zeilen, die für einen Fußballer die Welt bedeuten: „Die Meister, Die Besten, Les grandes équipes, The Champions“ – die 1992 von Tony Britten komponierte UEFA-Champions-League-Hymne ist der Inbegriff von Exzellenz. Wer sie hört, hat im Vereinsfußball die größtmögliche Bühne erreicht. Daniel Elfadli zählt seit dem 14. Oktober zu jenem illustren Kreis. Beim Champions-League-Heimspiel des Linzer ASK gegen den FC Liverpool schreitet die HSV-Leihgabe in der 71. Minute über die Kreidelinie und fügt seinem persönlichen Fußballmärchen ein weiteres Kapitel hinzu. „Ich kann das gar nicht glauben und bin einfach dankbar. Allein die Hymne zu hören, das war Gänsehaut am ganzen Körper. Die Hymne ist der Peak. Jeder Fußballer weiß, was ich meine, aber wenn man es dann wirklich erlebt, ist es noch einmal etwas anderes. Man möchte, dass dieser Moment nie zu Ende geht“, berichtet er nach dem Schlusspfiff gegenüber HSV.de. Seine Augen leuchten, das Gesicht strahlt, die Mundwinkel sind permanent nach oben gezogen. Schnell bildet sich eine Traube österreichischer und internationaler Medienvertreter rund um den in diesem Moment einzigen Akteur in der Mixed-Zone. Die Kollegen lauschen seinen Schilderungen etwas ungläubig. Schließlich ging das Spiel deutlich mit 3:6 (0:3) verloren, doch für den gebürtigen Leonberger ist dieser Moment schlicht zu surreal, um ihn in nüchternen Worten greifbar zu machen. Vor viereinhalb Jahren kickte der Karriere-Spätstarter noch in der Regionalliga, nun hat er sich nach der Bundesliga mit dem HSV den nächsten Traum verwirklicht und einmal mehr bewiesen, was im Sport alles möglich ist.
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Auch am Tag nach seinem Champions-League-Debüt, das auch für den österreichischen Double-Sieger LASK eine Heimpremiere in der Königsklasse und damit einen historischen Meilenstein markierte, ist Daniel Elfadli noch immer voller Emotionen und Dankbarkeit. „Ich habe nicht viel geschlafen, aber vor Freude, Aufregung und wegen der Momente, die ich erleben durfte. Das ist ein einziges Geschenk. Ich bin sehr stolz und dankbar dafür“, sagt der 29-Jährige im leeren Stadioninneren, wo am Vorabend noch 18.910 Zuschauer zugegen waren, darunter seine Mutter, seine Tante und einige Freunde. Unglaublich viele Nachrichten hätten ihn erreicht, die von seinem Bruder Dominic, der am Vorabend leider nicht vor Ort sein konnte, habe ihn dabei besonders bewegt: „Er hat zum Ausdruck gebracht, wie stolz er auf mich und meinen Weg ist. So eine Nachricht von einer Person zu lesen, die mir sehr nahe steht, hat mich sehr berührt.“
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Eingewöhnung mit Startschwierigkeiten
Für Elfadli geht es anschließend zum Spielersatztraining mit seinen neuen Teamkollegen, darunter die Ex-Bundesliga-Profis und österreichischen Nationalspieler Saša Kalajdžić und Alessandro Schöpf. „Ich wurde sehr gut aufgenommen und fühle mich wohl. Natürlich braucht es seine Zeit und ist eine Umstellung. Es ist eine neue Stadt, die Kultur ist anders. Zumindest ist die Sprache die gleiche, auch wenn ich bei den Dialekten nicht alles verstehe“, erzählt „Fadli“ mit einem Grinsen. „Im Fußball ist es leicht, die Jungs kennenzulernen. Das entsteht automatisch auf dem Platz oder in der Kabine, weil man so viel Zeit miteinander verbringt. Der Fußball ist eine Sprache für sich, über die man sich am besten kennenlernt.“
Im Team von Coach Dietmar Kühbauer ist Elfadli wie auch beim HSV als Defensivallrounder für die Innenverteidigung und das defensive Mittelfeld eingeplant, musste sich zu Beginn seiner Leihe aber in Geduld üben. Vor dem Champions-League-Debüt stand nur ein weiterer Einsatz im ÖFB-Cup über 45 Minuten zu Buche. „Der Start verlief sehr schwierig. Ich kam aus keiner leichten Zeit am Ende in Hamburg, musste erst einmal meine Form hier finden. Ich habe mich trotzdem nicht hängen gelassen, mich im Training immer wieder angeboten und mir den gestrigen Einsatz damit auch ein Stück weit verdient. Es ist eine Bestätigung für das Dranbleiben und die Resilienz, die ich über die letzten Wochen gezeigt habe.“
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„Die beste Zeit meines Lebens“
Auch wenn die Eingewöhnung nach sechs Wochen gelungen ist, stellt die Leihe zum LASK und der damit verbundene vorübergehende Abschied aus Hamburg und vom HSV eine Herausforderung für den 29-Jährigen dar. Beim Spaziergang am Nachmittag durch den hübschen Stadtkern des 210.000 Einwohner zählenden Linz – vorbei am Mariendom, Österreichs größter Kirche, durch malerische Gassen und über den von Barockbauten umsäumten Hauptplatz bis hin zur Donau – lässt „Fadli“ gewohnt reflektiert in sein Inneres blicken. „Die Gedanken, dass ich mich umorientieren muss, kamen schon recht früh. Die finale Entscheidung ist dann immer auch abhängig von den weiteren Optionen. Sie fiel recht spät. Ich hatte nicht viel Zeit zu überlegen. Es ging alles sehr schnell, es war eine stressige Zeit“, umreißt der Rechtsfuß die Phase rund um den Deadline Day. „Der Abschied aus Hamburg fiel mir dann sehr schwer. Das war sehr emotional für mich. Ich konnte mich leider nicht persönlich verabschieden. Deshalb habe ich eine längere Nachricht in die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft geschickt und versucht, meine Gefühle so gut wie möglich wiederzugeben. Es war die beste Zeit meines Lebens. Ich hatte sportlich maximalen Erfolg. Die Story, wie sie passiert ist, hätte man nicht besser schreiben können.“
Wie am Vorabend ist ein kindliches Strahlen in seinen blauen Augen zu sehen, als er in seinen HSV-Erinnerungen der vergangenen zwei Jahre schwelgt. Allen voran der Aufstieg mit seinen unvergesslichen Momenten: sein Tor zum 6:1-Endstand, der Platzsturm und die Feier auf dem Rathausbalkon vor 100.000 Menschen in der Hamburger Innenstadt. „Das sind Momente, die man wahrscheinlich nur einmal in seiner Karriere erlebt und die sich im Kopf einbrennen.“ Dabei sei nicht nur der Aufstieg an sich, sondern vor allem die harte Arbeit und der zeitliche Aufwand als Gruppe sehr prägend gewesen. „Es hat wahrscheinlich viel mehr dafür gebraucht, als man am Ende auf dem Platz gesehen hat. Die ganzen besonderen Charaktere haben es möglich gemacht. Es hat ganz viel zusammengepasst“, resümiert Elfadli.
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Bundesliga als Herausforderung
Bekanntlich war sein HSV-Kapitel zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht beendet, sondern fand mit der Bundesliga eine weitere Stufe. Hatte Elfadli vor wenigen Jahren mit Mitte zwanzig beim 1. FC Magdeburg noch seinen ersten Profivertrag unterschrieben, fand er sich plötzlich in der Beletage des deutschen Fußballs wieder. „Für mich war der Bundesliga-Fußball anfangs sehr fordernd“, gibt er ehrlich zu. „Es ist ein anderes Niveau mit individuell besseren Spielern, die dich das auch spüren lassen. Es geht unfassbar schnell, da musst du dich erst mal sammeln, um klarzukommen. (lacht) Ich habe mich dann aber relativ schnell eingefunden, auch wenn ich Pech mit Verletzungen hatte. Unterm Strich war es eine geile Erfahrung, die Erfüllung eines Traums.“ Das Trikot aus seinem ersten Bundesliga-Spiel bei Borussia Mönchengladbach (0:0), das bereits in Hamburg einen besonderen Platz hatte, habe er selbstverständlich mit nach Linz genommen.
Verbunden ist der 29-Jährige der Bundesliga, in der er 21-mal zum Einsatz kam, und dem HSV, für den er 55 Pflichtspieleinsätze sammelte, also weiterhin. Mit Miro Muheim und Nicolas Capaldo stehen zudem zwei ehemalige Mitspieler im Kader der Rothosen, die über die gemeinsame Zeit hinaus zu Freunden geworden sind. „Ich verfolge den HSV noch immer sehr stark und bin voll dabei. Ich versuche, jedes Spiel zu schauen. Das habe ich bisher geschafft. Auch das Spiel in Hoffenheim, als mein Freund Miro ein super Tor gemacht hat. Ich bin ausgeflippt, habe mich unfassbar für ihn gefreut.“ Als ihm eine Grußbotschaft von Miro und „Capi“ sowie Teammanager Mats Wesling auf dem Smartphone abgespielt wird, muss er bereits beim Vorschaubild herzhaft lachen und sagt im Spaß: „Wenn ich die beiden Hampelmänner schon sehe …“
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„Es fühlt sich an wie ein Film“
Während Daniel Elfadli mit einem Auge noch den HSV im Blick hat, gilt das umgekehrt eben auch für das HSV-Umfeld. Zu märchenhaft ist die Geschichte des Leonbergers, der beim LASK nun auch noch seine ersten Champions-League-Minuten absolvierte. Dabei sicherte er sich übrigens über seinen argentinischen Freund „Capi“ nach dem Spiel das Trikot von Alexis Mac Allister, Liverpools Nummer 10 und Weltmeister von 2022. „Ich bin nach dem Spiel auf ihn zugegangen und habe ihn in meinem besten Spanisch daran erinnert, dass ich doch Nicos Kollege bin. Er wusste direkt Bescheid und hat mir dann das Trikot gegeben“, lacht „Fadli“. Dabei ist ihm ganz bewusst, wie surreal solche Momente und Begegnungen für ihn sind: „Meine Entwicklung ist schwer zu beschreiben. Es fühlt sich an wie ein Film. Ich bin der Hauptdarsteller, aber irgendwie fühlt es sich nicht real an. Es ist nicht greifbar. Es braucht immer Zeit, um es zu realisieren. Nur passieren die Dinge im Fußball so schnell, dass man als Mensch gar nicht die Zeit dazu hat. Ich sammle alle Momente – die guten wie die schlechten – und werde das wahrscheinlich rückblickend in ein paar Jahren alles realisieren.“
Das jüngste Karrierehighlight gibt ihm dabei einen besonderen Push: „Ich habe diesen Schritt vor allem wegen der Möglichkeit gewählt, international spielen zu können. Diese Möglichkeit hätte ich mir nie erträumen können. Es ist die größte Bühne, auf der man spielen kann. Das Maß aller Dinge.“ Mit seinem Bruder habe er damals auf der Straße die Spiele der Königsklasse nachgespielt, Europapokal-Abende im Hause Elfadli seien von Barcas glorreichen „Tiki-Taka“-Zeiten und Weltfußballer Lionel Messi geprägt gewesen. Nun steht er selbst auf jener größten Bühne des Vereinsfußballs, die Gegenspieler heißen Florian Wirtz, Bradley Barcola und Virgil van Dijk.
Da bleibt die Frage mit Blick auf die Donau in Oberösterreich: Was treibt einen Sportler an, der bereits so viele Grenzen verschoben hat? „Ich liebe den Fußball und mag einfach die Herausforderungen. Wenn es nicht gut läuft, da wieder rauszukommen – das sind für mich die besten Momente. Man kann nur jedem mitgeben, immer dranzubleiben und nie aufzugeben.“ Worte, die sinnbildlich für sein Leben stehen.
Die nächsten Herausforderungen warten. Schließlich hat sich für Daniel Elfadli beim LASK auch der sportliche Alltag verändert. Bis zur kommenden Länderspielperiode stehen für ihn und die Schwarz-Weißen ausschließlich englische Wochen an: sieben Spiele binnen 21 Tagen. Das erste davon absolvierte er bereits am vergangenen Wochenende bei Austria Lustenau (4:0) und stand dabei erstmals über die vollen 90 Minuten für den LASK auf dem Platz. Und schon heute Abend heißt es in Portugal bei Sporting Lissabon um 21 Uhr wieder: „Die Meister, Die Besten, Les grandes équipes, The Champions.“ Der Junge aus Leonberg, der nie aufhörte, seinem Traum nachzujagen, ist dann wieder mittendrin. Wer hätte das jemals gedacht?
Den Besuch bei Daniel Elfadli gibt es inklusive eines ausführlichen Gesprächs auch als Hörgeschichte im HSV-Podcast „PUR DER HSV“ (Spotify, iTunes, Podigee).
Zudem ist der erste Teil der Serie „Life on Loan“ über die HSV-Leihgaben ab sofort als Video auf YouTube verfügbar.
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